Der Hochbahn-Knall: Was steckt hinter dem abrupten Abgang des Chefs?
Hochbahn-Chef Robert Henrich ist überraschend raus – und zwar sofort. Offiziell war es Henrichs Entscheidung. Doch hinter den Kulissen knirschte es schon länger: bei der neuen App Max, beim autonomen Fahren und auch im Unternehmen selbst.
Eigentlich sollte Robert Henrich am Dienstag noch über die U5 sprechen. Der Hochbahn-Chef war als Teilnehmer der Landespressekonferenz zur neuen U-Bahn-Linie angekündigt. Doch Henrich kam nicht. Wenige Stunden später war klar, warum: Der Vorstandsvorsitzende des städtischen Verkehrsunternehmens hört auf: Die Hochbahn stellte ihn mit sofortiger Wirkung frei.
Hamburger Hochbahn: Robert Henrich ist raus
Offiziell lässt Henrich seinen Vertrag zum Jahresende auslaufen. Offiziell ist von einer eigenen Entscheidung die Rede. Offiziell dankt ihm der Verkehrssenator für seine Arbeit. Doch die entscheidende Frage bleibt: Warum wird ein Vorstandschef, der angeblich geordnet und freiwillig geht, noch am selben Tag freigestellt?
Konkrete Gründe nennen Hochbahn und Verkehrsbehörde auf MOPO-Nachfrage bisher nicht. Nach Medienberichten galt das Verhältnis zwischen Henrich und Tjarks, der auch Chef des Aufsichtsrats ist, aber zuletzt als angespannt. Dabei waren mit Henrich große Erwartungen verbunden. Als früherer Moia-Chef stand er für neue Mobilitätsangebote, Digitalisierung und autonomes Fahren – eines der zentralen Versprechen der Hamburger Verkehrspolitik. Doch von der einstigen Vision von bis zu 10.000 autonomen Shuttles bis 2030 ist im Alltag der Fahrgäste bislang kaum etwas zu spüren.
Streit um Mobilitätsapp Max
Auch zwischen Hochbahn und HVV gab es Streit: Im Mittelpunkt steht die geplante Mobilitäts-App Max. Henrich wollte die bisherige HVV-Switch-App durch eine neue überregionale App ersetzen, die gemeinsam mit Verkehrsunternehmen aus Städten wie Berlin, München und Düsseldorf genutzt werden sollte. Der HVV sah darin nach Medienberichten aber einen Alleingang der Hochbahn, soll sich zu spät eingebunden gefühlt haben – und fürchtete offenbar, bei der neuen App an Einfluss zu verlieren.
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Hintergrund des Konflikts dürfte auch die Bedeutung der App sein: Wer sie betreibt, steuert Kundendaten, Vertrieb und Teile der digitalen Infrastruktur im Nahverkehr. Auch rechtlich und wirtschaftlich ist Max nicht unumstritten. HVV-Chefin Anna-Theresa Korbutt setzte zuletzt sogar öffentlich auf KI-Anwendungen im Nahverkehr – was die Frage aufwirft, welche Rolle Max künftig überhaupt noch spielen soll. Anfang Mai sollte der HVV eigentlich eine Grundsatzentscheidung treffen, damit die App im Januar 2027 starten kann, doch das Thema wurde laut „Tagesspiegel Background“ kurzfristig von der Tagesordnung gestrichen. Wie und ob es mit Max weitergeht, ist offen.
Hinzu kommen Umstrukturierungen bei der Hochbahn – und es gibt Berichte über Unzufriedenheit im Unternehmen und interne Kritik am Führungsstil des Vorstands.
Hamburg: Hochbahn in schwieriger Phase
Ob nun Unzufriedenheit des Senators, Streit mit dem HVV oder fehlender interner Rückhalt – es brodelte. Nach MOPO-Informationen soll die Verlängerung von Henrichs Vertrag schon länger infrage gestanden haben. Vieles deutet darauf hin, dass die Lage nun plötzlich eskalierte. Der Abgang kam laut NDR nur wenige Tage nach einer gemeinsamen Dienstreise von Tjarks und Henrich nach Oslo – und so abrupt, dass es nicht einmal eine benannte kommissarische Leitung gibt. Ob das Vertrauen des Senators nicht reichte, um Henrich noch bis Ende des Jahres weitermachen zu lassen, oder ob Henrich selbst die Reißleine zog, bleibt offen.
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Einen offiziellen Stellvertreter hat Henrich nicht, aber die drei anderen Vorstandsmitglieder übernehmen seine Aufgaben zunächst. Bei der regulären Sitzung Anfang Juni werde der Aufsichtsrat dann über das weitere Vorgehen entscheiden, so ein Sprecher der Hochbahn zur MOPO.
Für Tjarks und die Hochbahn beginnt jetzt eine heikle Suche. Denn der Zeitpunkt für einen turbulenten Führungswechsel ist mehr als ungünstig: Die Hochbahn steht finanziell enorm unter Druck – und steckt mitten in einer Transformation, die Hamburg über Jahre prägen soll: U5, E-Busse, autonomes Fahren, neue Apps. Und Tjarks braucht eine funktionierende Hochbahn für die Verkehrswende.