Der große Westfield-Test: Wie gut ist das neue Mega-Shoppingcenter wirklich?
Ich, die MOPO-Reporterin, zwänge mich zwischen junge Frauen in langen Mänteln in die U4. Nächster Halt: Überseequartier. Schon vor der Rolltreppe stehen sie Schlange. Wir haben das gleiche Ziel: Das Westfield Überseequartier, Hamburgs neues Mega-Shoppingcenter in der HafenCity. Wie gut ist es wirklich? Was gibt’s dort zu erleben? Eine Woche nach der etwas chaotischen Eröffnung hoffe ich, dass der erste Ansturm vorbei ist. Dienstagvormittag – da kann es doch gar nicht überlaufen sein. Falsch gedacht! Im Center ist es brechend voll – und auch beim Shopping gibt es Einschränkungen. Viele Besucher sind begeistert – dafür gibt es mehrere Gründe.
Meine erste Station: Das Luxus-Kaufhaus „Breuninger“. Es duftet nach Leder und Parfum. Ich schlendere an Taschen, Schmuck, Schuhen und Kosmetik vorbei. Zwischen Perlenketten und Ohrringen: Die „Breuninger Confiserie“ verkauft Macarons und Aperol. An der Kasse: eine Schlange. Tüten werden aus dem Geschäft getragen – ein bisschen Luxus gönnen sich hier viele.
Vor allem wegen „Breuninger“ ist Edda Schröder (72) aus Henstedt-Ulzburg ins Westfield gefahren. Das ähnele zwar dem Alsterhaus, doch so ein Shoppingcenter sei eben doch was Besonderes. Vor allem Größe und Vielfalt beeindrucken sie, viele Marken kenne sie noch gar nicht.
Westfield-Shoppingcenter: Großer Andrang, lange Wartezeiten
Ab zu Hamburgs erstem „Bershka“, einer Fast-Fashion-Kette. Hitze schlägt mir entgegen. Die Schlange zur Umkleide ist etwa 30 Schritte lang, die an der Kasse auch. Also raus aus „Bershka” und rein in „Stradivarius“, quasi das gleiche, nur teurer. Ich quetsche mich zwischen Kleiderstangen und Körper durch, ständig piept die Diebstahlsicherung am Eingang. Beim Blick auf die Schlange sinkt meine Shopping-Laune.
Bei „Pull & Bear” stapeln sich Stiefel, Bügel und Shirts lieblos in einer Ecke. Trotzdem werde ich fündig. Aufs Anprobieren verzichte ich, stelle mich gleich an der Selbstbedienungskasse an – es geht schleichend voran. Ich zahle und friemel an der Sicherheitsnadel. Die Wartenden stöhnen. Eine Verkäuferin muss mir helfen.
Überseequartier: Diese Geschäfte öffnen noch
Manche Flächen haben noch keinen Mieter gefunden, andere nur noch nicht geöffnet – wie das „Lego Discovery Centre.“ An der Hand ihrer Eltern stehen Kinder enttäuscht vor verschlossenen Türen. Als Fan südamerikanischer Küche hatte ich mich aufs „Elemente Restaurant & Air Bar 13“ gefreut – leider geschlossen. Plan B: „The Avocado Show.“ Eine Mitarbeiterin verrät: Essen dauert 40 Minuten. Puh …
Das Burger- und Steak-Restaurant „Bear Claw“ hat schon um kurz nach 14 Uhr Küchenstopp. Ich habe keine Lust, mich für Pizza oder Sushi anzustellen. Lieber Cappuccino im „Buch & Bohne“ bei „Thalia“. Aus meinem Sessel genieße ich den Blick auf Elbe, Hafenkräne und Container.
Einkaufszentrum in der HafenCity: Die Architektur beeindruckt
Auf der Suche nach Toiletten schiebe ich mich an Kinderwägen und Einkaufstüten vorbei. „Was ein Verkehr hier“, stöhnt eine ältere Frau. Ein Schild schickt mich ein Stockwerk tiefer. Dann noch eins. Etwa 30 Frauen haben die Toiletten vor mir gefunden.
Auffällig: Das gesamte Center ist blitzeblank, ständig wird gefegt und gewischt. Durch ein riesiges Tor schreitet man nach draußen an die Uferkante, eisiger Wind bläst mir entgegen. Dafür funkelt die Sonne durch das wabenartige Glasdach. Besucher starren nach oben, machen Fotos.
Auch Mats (18) aus Reinbek staunt über die Architektur und schätzt die Lage an der Elbe – wegen der tödlich verunglückten Arbeiter beim Bau wollte er nicht kommen. Die Menschenmassen stressen ihn. Er vermutet: Bald lässt der Hype nach und alle rennen wieder in die Europa-Passage. Dass er wieder kommt, bezweifelt er.
Eis mit Elbblick
Zum Abschluss gönne ich mir eine Kugel Franzbrötchen-Eis bei „Luicella“ – trotz der langen Schlange. Dann hocke ich mich in die Sonne auf die Stufen zwischen Elbe und Westfield und quatsche mit Merle Schüler: Sie ist beeindruckt, das Westfield sei wie eine „eigene kleine Einkaufsstadt”, die allerdings überall stehen könnte. Ihre Mutter Anke aus Itzehoe ist überwältigt: „Wir hätten uns das nie so gigantisch vorgestellt.“ Sobald der erste Ansturm abebbt, möchten sie wieder Shoppen kommen.
Nach vier Stunden, 17 Geschäften und sechs Kilometern bin ich erschlagen. Manche Stores habe ich nicht gefunden, andere waren mir zu voll. Doch ich werde wiederkommen – auch für Thai Tapas, indisches und koreanisches Street Food. Mein Tipp: Warten, bis der erste Andrang abgeflaut ist.