Den Nachbarn stinkt’s! Streit um Cannabis-Plantage – Betreibern fehlt Genehmigung

Cannabis-Plantage in einem großen Gewächshaus.
In einem großen Gewächshaus wird in Neuengamme Cannabis angebaut. Dieses Foto zeigt nicht die echte Anlage, deren Standort nicht öffentlich werden soll.

Anwohner beschweren sich seit Wochen über den süßlichen Geruch aus einer neuen Cannabis-Plantage. Zunächst sah es aber so aus, als hätten die Betreiber alles korrekt gemacht. Nun kommt plötzlich heraus: Es fehlt eine zentrale Genehmigung vom Bezirksamt. Muss der Cannabis-Verein jetzt einpacken?

Eigentlich sind die ehemaligen Gewächshäuser aus dem Gartenbau in Neuengamme bestens für die Nutzung zum Cannabis-Anbau geeignet. Seit Juni liegt die Anbaugenehmigung vom Bezirksamt Altona vor, das für alle Cannabis-Plantagen in Hamburg zuständig ist. Aber seit Spätsommer klagen Anwohner auf der anderen Straßenseite über starke Gerüche, wenn die Gewächshäuser gelüftet werden. Die Rede ist von Übelkeit und Kopfschmerzen.

Die Betreiber dachten offenbar, sie könnten einfach loslegen, als sie im Sommer die Genehmigung nach dem Cannabisgesetz in der Tasche hatten. Doch jetzt stellt das Bezirksamt Bergedorf in der Antwort auf eine CDU-Anfrage klar: Es bedarf auch einer baurechtlichen Genehmigung, und die fehlt. Aus Unwissenheit? Auf Nachfrage beim Bezirksamt Altona heißt es gegenüber der MOPO, der Verein sei informiert gewesen, dass er in Bergedorf eine baurechtliche Erlaubnis beantragen müsse.

Gewächshäuser in Hamburg: Geruch von Cannabis

Erst im Rahmen eines solchen Bauantrags werden „immissionsschutzrechtliche Belange“ geprüft. Im Klartext: Dabei wird geprüft, ob die Nachbarn ausreichend vor Geruch geschützt sind und welche Filteranlage sowie weiteres Zubehör eventuell eingebaut werden müssen. Das ist alles nicht passiert.

Beim Bezirksamt Bergedorf sind seit September viele Beschwerden eingegangen. Die „Bergedorfer Zeitung“ zitiert aus dem Schreiben von einem Dutzend Anwohnern: „Keine andere Kulturpflanze, die in Deutschland angebaut wird, verursacht eine derart starke Geruchsbelästigung. Sobald die Pflanzen in voller Blüte stehen, wird es unmöglich sein, im Garten zu sitzen oder nachts die Fenster zu öffnen.“

Bezirksamt Bergedorf: Bauantrag für Plantage fehlt

Doch nicht alle Nachbarn fühlen sich durch starken Geruch gestört. Andere betonen, dass es nur gelegentlich bei bestimmten Wetterlagen rieche, und das gelte ja etwa auch, wenn Gülle auf die Felder gebracht werde. Für den Gärtner, der einen Teil seiner Gewächshäuser verpachtet, ist es zudem eine gute Nachnutzung für nicht benötigte Hallen.

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Bernd Capeletti von der CDU Bergedorf hat sich vor Ort ein Bild von der Lage gemacht. Ob er fand, dass es stark riecht? Dazu möchte er lieber schweigen, um den Streit vor Ort nicht noch weiter anzuheizen. „Wir halten uns am besten an die gesetzlichen Vorgaben“, betont er. „Es fehlt ja offenbar eine Genehmigung, das müssen die Betreiber nun nachliefern.“ Wenn sie das könnten, sei die Politik raus aus der Sache. Dann müssten die Nachbarn das über ihre Anwälte klären lassen.

Aus dem Bezirksamt Bergedorf heißt es, es habe bereits Ortsbesichtigungen gegeben. Nun werde „der Grundstückseigentümer angehört und der Sachverhalt in einem regulären Verfahren geprüft“. Wie lange das dauert, ob womöglich etwas nachgerüstet werden muss, das klärt jetzt das Bauamt. Bergedorf-Sprecher Lennart Hellmessen sagt: „Der Cannabis-Anbau muss in der Zeit aber nicht pausieren.“

Anwohner beschweren sich seit Wochen über den süßlichen Geruch aus einer neuen Cannabis-Plantage. Zunächst sah es aber so aus, als hätten die Betreiber alles korrekt gemacht. Nun kommt plötzlich heraus: Es fehlt eine zentrale Genehmigung vom Bezirksamt. Muss der Cannabis-Verein jetzt einpacken?