Hamburgerinnen demonstrieren am 8. März auf einer Frauentags-Demonstration an den Hamburger Landungsbrücken.

Teilnehmerinnen der Frauentags-Demo am Sonntag an den Landungsbrücken Foto: picture alliance/dpa/Markus Scholz

Demonstration am Frauentag: „Ehe, Küche, Vaterland. Unsere Antwort: Widerstand!“

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Hamburg protestiert am Internationalen Frauentag: für Frauenrechte, Gleichberechtigung – gegen Unterdrückung. Die größte Demonstration startete am Sonntagmittag an den Landungsbrücken. Der Andrang war groß, die Forderungen klar.

Pinker und lilafarbener Rauch steigen auf und hüllen die Landungsbrücken in einen dichten Nebel. Eine kleine Gruppe von Frauen tanzt mitten auf der Kreuzung, um sie herum stehen hunderte Demonstrantinnen und Demonstranten. „Egal, wo ich war, was ich tu. Es ist nicht meine Schuld. Der Vergewaltiger bist Du“, singen sie. Die Menge applaudiert, hält Schilder und Banner in die Höhe mit Aufschriften wie „Ehe, Küche, Vaterland. Unsere Antwort: Widerstand“ oder „Get in, we’re gonna burn the patriarchy“ (Steig ein, wir werden das Patriarchat verbrennen).

Demonstrationen am Internationalen Frauentag in Hamburg

Zum Internationalen Frauentag am 8. März hatten mehrere Veranstalter Demonstrationen angemeldet. Die größte startete um 12.30 Uhr an den Landungsbrücken, enden soll sie um 18.30 Uhr am Holstenplatz. Die Polizei rechnete im Vorhinein mit etwa 8000 Teilnehmern. Eine offizielle Teilnehmerzahl gibt es am Nachmittag noch nicht, aber der Andrang ist groß: Die Menschen drängen sich aus dem Ausgang der S-Bahn-Station, auf der Straßenüberführung ist kaum noch Platz.

In der Menge warten auch Julie und Angelina, dass der Marsch beginnt. Sie wollen gegen die Unterdrückung von Frauen und das patriarchale System kämpfen. „Weil alle Menschen gleich viel wert sind und auch die gleichen Rechte und Chancen haben sollten“, sagt Angelina. 

Angelina (l.) und Julie demonstrieren am internationalen Frauentag. Zoe Clausen
Angelina (l.) und Julie demonstrieren am internationalen Frauentag.
Angelina (l.) und Julie demonstrieren am internationalen Frauentag.

Gegen 13.30 Uhr treten die ersten Rednerinnen ans Mikrofon: „Wir kämpfen Tag für Tag gegen das Patriarchat“, sagt Marie Kleinert (Die Linke) in ihrer Ansprache.

Viele Frauen in Hamburg seien im Vergleich zu anderen privilegiert, aber auch hier erlebe man, wie soziale und feministische Strukturen bedroht werden, kritisiert sie: Wenn Frauenhäuser und andere Schutzräume gekürzt werden, obwohl häusliche Gewalt zunimmt. Wenn Professorinnen an der Universität Hamburg weiter nicht annähernd die Hälfte ausmachen. Wenn Straßen sechsmal häufiger nach Männern benannt sind und wenn alleinerziehende Frauen diejenigen sind, die am meisten unter dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum leiden.

Frauen eines Feministischen Flashmobs demonstrieren am 8. März mit einer Performance gegen patriarchale Strukturen in Staat und Gesellschaft. picture alliance/dpa/Markus Scholz
Frauen eines Feministischen Flashmobs demonstrieren am 8. März mit einer Performance gegen patriarchale Strukturen in Staat und Gesellschaft.
Frauen eines Feministischen Flashmobs demonstrieren am 8. März mit einer Performance gegen patriarchale Strukturen in Staat und Gesellschaft.

„Wir halten zusammen und sind füreinander laut“, sagt Kleinert. Dann richtet sie sich an die Männer: „Das geht nicht gegen euch, sondern unterstreicht, dass wir einen gemeinsamen feministischen Kampf von allen brauchen!“ 

Gleichstellungssenatorin äußert sich in den sozialen Medien

Auch Hamburgs Gleichstellungssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) hat sich zum internationalen Frauentag, auch feministischer Kampftag genannt, in den sozialen Medien geäußert: „Wer Frauenrechte einfordert, muss diese für alle Frauen einfordern, egal ob laut bei der Geburt zugeordnetem Geschlecht oder nicht“, schreibt sie.

Außerdem beklagt sie die Lage der Frauen weltweit – und in Deutschland, wo es fast jeden Tag Tötungsversuche gibt. „Wenn Frauen in unserem Land an Femiziden sterben, dann sind das keine tragischen Einzelfälle und auch keine ‚Familiendramen‘. Es geht um gesellschaftliche Machtverhältnisse. Als Femizide werden Tötungsdelikte an Frauen und Mädchen bezeichnet, bei denen ein frauenfeindliches Motiv eine Rolle spielt.

Gewalt gegen Frauen nimmt zu

Eine aktuelle Anfrage der Linken zeigte, dass seit Anfang 2025 mindestens 15 Frauen in Hamburg Opfer eines vollendeten oder versuchten Femizids wurden. Auch die aktuellen Zahlen der Polizei zeigen, dass Gewalt gegen Frauen im vergangenen Jahr wieder zugenommen hat. Das Ziel einer sicheren Stadt sei erst erreicht, „wenn wir auch eine Gesellschaft sind, in der sich auch Frauen sicher fühlen“, sagt Innensenator Andy Grote bei der Vorstellung der Statistik im Februar.

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Blumenthal schreibt: „Die aktuelle Lage zeigt uns doch, dass uns niemals, niemals das System den roten Teppich einfach ausfahren wird, wenn wir heute nicht laut und unbequem sind.“

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