Debatte: Nutzt Hamburg die Spiele – oder benutzt Olympia Hamburg?
Nutzt Hamburg die Spiele oder benutzt Olympia Hamburg? Die Abstimmung über die Bewerbung geht in den Endspurt. Drei Anmerkungen zur Debatte von Egbert Rühl, dem Geschäftsführer der „Hamburg Kreativ Gesellschaft“, die Start-ups, Selbstständige und etablierte Unternehmen der Kreativwirtschaft fördert.
1. Was ist eigentlich mit dem Inhalt?
Am 31. Mai entscheiden die Hamburger:innen, ob sich die Stadt für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036/2040/2044 bewerben soll. Die Stimmung ist keineswegs euphorisch, die üblichen Aktivist:innen sammeln ihre Farben in den bekannten Lagern, die Stadtgesellschaft schaut interessiert zu.
Dass das so ist, liegt vielleicht daran, dass in dem öden, vielfach wiederholten Glaubenskrieg über Kosten und Erträge, Nutzen und Schäden, positive und negative Effekte die wichtigste Frage nicht gestellt wird.
Wenn wir Hamburger in 14 oder 18 Jahren (Olympische Spiele 2036 in Deutschland – nicht vorstellbar) das Tor zur Welt öffnen und die Welt einladen, welche Stadt sind wir, wollen wir sein und zeigen?
Zu beweisen, eine internationale Großveranstaltung managen zu können, wäre Minimalziel. Und das zum einzigen Ziel zu machen, wäre eine vertane Chance. Selbst die Beschwörung von Reichweite und Sichtbarkeit, die mit Olympia und Paralympia zu erreichen wäre, bleibt schal, wenn unklar bleibt, womit wir diese Reichweite erzielen wollen und wofür wir sie brauchen.
Es geht im Kern nicht um Formales, um Technik, um Methoden, um Geld, sondern um Inhalte. Olympia kann der unbedingt nötige äußere Anlass sein, in der nächsten Dekade diese Inhalte zu diskutieren, sich auf große Linien und kleine Aspekte zu einigen und eine gemeinsame geteilte Vorstellung davon zu entwickeln, was Hamburg ist, was die Stadt sein wird (und warum) und welche Ideen wir der Welt zeigen wollen.
Diese Chance sollte genutzt werden. Um vielleicht als erste Metropole eine geteilte, langfristige Strategie zu haben, die bleibt, auch wenn Olympia gegangen ist.
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Wenn wir aber keine klare inhaltliche Antwort auf die Frage „Warum Hamburg?“ haben und die in den Verhandlungen mit dem IOC durchsetzen, dann ist Hamburg nur ein austauschbarer Veranstaltungsort, und die Chancen bleiben ungenutzt.
Die alles entscheidende Frage ist, ob wir eine inhaltliche Antwort auf die Frage finden, ob, wie und wofür Hamburg Olympia und Paralympia nutzt. Wenn wir keine finden, dann benutzen Olympia und Paralympia Hamburg.
2. Olympia und Paralympia sind ein Hochamt der Kreativen!
Olympia und Paralympia sind Sportveranstaltungen. Sie sind aber auch ein Hochamt der Kreativwirtschaft. Außergewöhnliche Anlässe können dazu anregen, außergewöhnliche Leistungen zu erbringen, nicht nur im Sport, sondern auch in all den Gewerken, die eine solche Großveranstaltung benötigt.
Olympia und Paralympia sind ohne die gesamte Kreativwirtschaft nicht zu denken. Otl Aichers Piktogramme für Olympia 1972 haben das Design revolutioniert, das Olympiastadion in München von Behnisch & Partner hat Deutschland in die Moderne geführt, die Elphi-Architekten Herzog & de Meuron haben das ikonische Olympiastadion in Peking geschaffen.
Heute geht es eindeutig darum, wandelbare, modulare oder temporäre, aber vor allem nachhaltige Bauten zu entwerfen. Auch dabei können Prototypen für die Architektur der Zukunft entstehen, und hässlich muss es auch nicht sein.
Selbstverständlich sind solche Ereignisse Feste für internationale Presse, Rundfunk, TV, Social Media und digitale Angebote, die wir heute noch nicht kennen.
Olympia und Paralympia sind eine riesige Gestaltungsaufgabe, alles muss gut aussehen, Wirkung entfalten, international verstanden werden, analog und digital. Internationale Kampagnen werben für Olympia, für Deutschland, für Hamburg. Olympia kann ein Beschleuniger für Sport-Games sein, und Gamifikation hilft nicht nur dabei, internationale Besucherströme zu organisieren. Es wird Bücher und Filme zu Olympia und Paralympia Hamburg geben.
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Die Eröffnung in Paris, die gezeigt hat, dass es durchaus möglich ist, das starre Reglement zu sprengen, war ein musikalisch-theatrales-performatives Gesamtkunstwerk.
Hamburg hat das Potenzial, viele dieser Aufgaben optimal zu lösen und damit Werbung für Hamburg und die Branche zu machen. Es muss im Bewerbungs- und Umsetzungsprozess nur darauf gedrungen werden, dass lokale Akteure, die gleich gute Arbeit leisten wie nationale und internationale Mitbewerber, besonders berücksichtigt werden.
3. Strategie: Motivation für Olympia wecken
Als dritte und letzte Anmerkung ein Zitat des Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry: „Wenn du ein Schiff bauen willst, fang nicht damit an, Holz zu sammeln, Bretter zuzuschneiden und Aufgaben zu verteilen, sondern wecke in den Menschen die Sehnsucht nach dem weiten, großen Meer.“