Dauernd Unfälle: Das passiert mit dem Problem-Tunnel bei Hamburg
Vor knapp einer Woche krachte es im Geschwister-Scholl-Tunnel am Elmshorner Bahnhof – mal wieder. Dieses Mal war ein Transporter an der berüchtigten Unterführung hängen geblieben. Er reiht sich damit in eine ganze Reihe an Fahrzeugen ein, die an dieser Stelle gegen das Gemäuer geprallt sind – und das trotz einer extra installierten Warnanlage. Inzwischen ist jedenfalls klar, was mit dem inzwischen zweifelhaft berühmt gewordenen Problem-Tunnel passieren wird.
Es war noch früh am Morgen, als der Fahrer am vergangenen Samstag mit einem Sprinter die Elmshorner Königstraße am Bahnhof erreichte – und schließlich unter der Bahnbrücke stecken blieb. Die Höhe des Bauwerks war zu niedrig für das Fahrzeug. Da zunächst nicht klar war, inwieweit die Brücke Schaden genommen hatte, musste die viel befahrene Bahnstrecke Neumünster – Elmshorn – Hamburg für einige Zeit gesperrt werden.
Elmshorn: Öfters Unfälle am Bahnhofs-Tunnel
Die Fahrgäste sind jedenfalls schon dran gewöhnt: Erst am 20. Januar krachte ein zu hoher Lkw gegen die Brücke und musste schrittweise rückwärts wieder rausgesetzt werden. Auch an diesem Tag sperrte die Bundespolizei mehrere Gleise am Bahnhof, bis ein Notfallmanager circa zwei Stunden später Entwarnung geben konnte.
Noch schlimmer war es im September 2024, als ein E-Bus – zum Glück ohne Fahrgäste – gegen die Tunnelwand krachte und der Akku auf dem Dach daraufhin Feuer fing. Der Busfahrer konnte sich noch rechtzeitig retten. Der darüber verlaufende Zugverkehr war allerdings tagelang beeinträchtigt.
Seit 2020 gibt es eine Höhenwarnanlage am Elmshorner Tunnel
Der Tunnel selbst ist 2,80 Meter hoch und wurde Ende des 19. Jahrhunderts gebaut – deshalb ist er auch nicht für Lkw- und Schwerlastverkehr ausgelegt. „Es ist technisch nicht möglich, den Tunnel tiefer zu setzen, weil darunter ein riesiger Abwassergraben ist“, hatte der Elmshorner Oberbürgermeister, Volker Hatje (parteilos) bereits erklärt.
Nachdem immer wieder Lkw, Kleintransporter und Busse stecken geblieben waren, installierte die Stadt zusammen mit der Deutschen Bahn im Jahr 2020 eine Höhenwarnanlage für 150.000 Euro. Sie besteht aus einer rot-weiß gestreiften Warntafel, die an Ketten über der Fahrbahn hängt. „Wenn das ignoriert wird, dann knallt’s“, erklärt der Elmshorner Baudezernent Marius Munk im Gespräch mit der MOPO. „Diese Anlage hat in den letzten Fällen auch ausgelöst.“ Verhindert hat es die Unfälle aber offensichtlich trotzdem nicht.
Das soll künftig mit dem Problem-Tunnel in Elmshorn passieren
In der Stadtpolitik hatte man schließlich genug und beschloss, den Tunnel künftig für den Verkehr zu schließen. „Das ist aber erst möglich, wenn es eine neue, alternative Querung gibt“, erklärt Munk. Für realistisch hält er das erst im Rahmen des geplanten Stadtumbaus: Zwischen Berliner Straße und neuem Rathaus, Markthalle und Knecht’schen Hallen soll bis 2030 ein neues Quartier mit 200 neuen Wohnungen, Gastronomie und Einzelhandel entstehen.
Und auch der Bahnhof wird etwa 200 Meter südlich verlegt und komplett umgestaltet: Künftig gibt es dort laut einer Bahnsprecherin zwei Bahnsteige in der Mitte und einen an der Seite. Dazu kommen eine neue Personenunterführung und ein Empfangsgebäude. „Der Baubeginn ist in den 2030er Jahren geplant“, so die Sprecherin.
Es dürfte also noch ein paar Jahre dauern, bis der berüchtigte Knall-Tunnel für den Verkehr geschlossen wird. Möglich wäre allerdings, dass Radfahrer dort weiterhin entlangfahren können. „Diesbezüglich ist die Diskussion aber noch nicht abgeschlossen“, erklärt Baudezernent Munk. „Wir erstellen derzeit ein Mobilitätskonzept für die ganze Stadt.“