„Das kann doch nicht so schwer sein!“ Das Debakel mit dem SAGA-Wohnungstausch

Lukas Ceglarek (42) wohnt derzeit mit seiner Familie in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Lohbrügge.
Lukas Ceglarek (42) wohnt derzeit mit seiner Familie in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Lohbrügge.

Lukas Ceglarek ist sauer: Der 42-Jährige wohnt in einer SAGA-Wohnung in Lohbrügge, sucht bereits seit Jahren eine größere Bleibe für sich und seine Familie. Wie praktisch, dass sein Nachbar, ebenfalls in einer SAGA-Wohnung, sich verkleinern möchte. Alles ganz einfach, möchte man meinen – doch das ist es eben nicht: Die beiden Mieter dürfen ihre Wohnungen nicht miteinander tauschen. Dabei hatte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) noch vor Kurzem im MOPO-Talk das Tauschprogramm der SAGA angepriesen. Wie der Wohnungskonzern das Debakel erklärt.

Das Hochbett des dreijährigen Sohns steht im Wohnzimmer, daneben ein Wäscheständer und ein Sessel. „Das geht leider nicht anders in unserer Zwei-Zimmer-Wohnung“, sagt Lukas Ceglarek mit Frust in der Stimme. Seit acht Jahren suchen er und seine Frau bereits nach einer größeren Bleibe, haben aber bislang nichts Adäquates gefunden, die Mieten seien in Hamburg einfach zu hoch.

SAGA-Mieter wollen untereinander Wohnungen tauschen

Zu Dritt leben sie derzeit auf 58 Quadratmetern in der Korachstraße. „Das geht zwar irgendwie, aber wegen unseres Sohnes wollten wir uns auf jeden Fall vergrößern“, berichtet der Hamburger.

Da kam es ihm wie ein absoluter Glücksfall vor, als er von seinem Nachbarn im Stockwerk oben drüber erfuhr. Dieser lebt gerade alleine in einer 98 Quadratmeter großen Vier-Zimmer-Wohnung. „Er sagt, was soll ich mit dieser riesigen Hütte“, berichtet Ceglarek. „Da dachte ich: Jackpot! Wir sind ja beide bei der SAGA.“

Beide SAGA-Mieter würden gerne innerhalb ihres Gebäudes an der Korachstraße die Wohnungen tauschen.
Beide SAGA-Mieter würden gerne innerhalb ihres Gebäudes an der Korachstraße die Wohnungen tauschen.

Ihr Tauschprogramm bewirbt der Wohnungskonzern immerhin aktiv auf der Website und auch Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) fand zuletzt lobende Worte dafür. „Da kann man innerhalb des SAGA Wohnungsbestandes sagen, ich möchte aus der größeren Wohnung ausziehen und dann kann man in eine kleinere Wohnung einziehen. Das wird in der Miete entsprechend angepasst“, sagte der Politiker beim MOPO-Talk vor der Bürgerschaftswahl. „Das ist auch das, was wir als Stadt von der SAGA fordern.“

Frohen Mutes wandte sich Ceglarek also im August 2024 an seinen Vermieter und schilderte die Situation. Dann hörte er erstmal lange nichts, vor einigen Wochen kam schließlich die Antwort: „Leider ist ein direkter Tausch zwischen zwei Mietparteien grundsätzlich und auch in ihrem Fall nicht möglich“, steht dort. Begründung: Beide Wohnungen müssten zeitgleich so hergerichtet werden, dass beide parallel umziehen können. Und dies sei nicht möglich.

MOPO Talk Tschentscher
MOPO-Talk: Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) im Gespräch mit Marco Carini

Der 42-Jährige ist fassungslos. „Wir haben angeboten, dass wir beide zur Not erstmal woanders unterkommen und auch die Möbel unterbringen. Das kann doch nicht so schwer sein!“ Auch Linken-Politikerin Heike Sudmann kann das nicht nachvollziehen. „Es ist doch für alle Beteiligten ein Gewinn“, sagt sie. „Die Bürokratie oder mangelnde Organisation darf doch nicht über einen vernünftigen Vorschlag siegen.“

Wie die SAGA das Tausch-Debakel in Bergedorf erklärt

SAGA-Sprecher Gunnar Gläser erklärt auf MOPO-Nachfrage, dass ein direkter Wohnungstausch grundsätzlich schon möglich sei – es gebe aber eben oft Hindernisse, wie Instandsetzungen oder gesetzliche Bestimmungen: „Müssen beispielsweise elektrische Leitungen erneuert oder die Böden bei Mieterwechsel ausgetauscht werden, ist das nur in unbewohntem Zustand möglich, sodass ein direkter Wohnungstausch nur zeitversetzt erfolgen kann“, sagt er.

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Das sei auch hier der Grund. An sich sei das Tauschprogramm aber ein Erfolg: Seit 2019 zögen jährlich um die 650 Haushalte innerhalb des Konzerns darüber um.

Man habe den Fall in Lohbrügge aber noch einmal geprüft – mit womöglich einem Happy End: „Aktuell wurde eine dritte Wohnung im Objekt gekündigt“, sagt Gläser. Dabei handele es sich um eine Zwei-Zimmer-Wohnung. Das bedeutet: Wenn die fertig ist, könnte Ceglareks Nachbar dort einziehen. Dann könnte die Vier-Zimmer-Wohnung saniert werden und schließlich Ceglarek mit Familie umziehen. „Wir werden diese Möglichkeit mit den Mietparteien erörtern“, kündigt der SAGA-Sprecher an.