„Das ist Krieg gegen uns“: Nachbarschaftsstreit um einen Zaun eskaliert völlig

Der mauerartigen Look des Zauns ist Nachbarn ein Dorn im Auge. Sie beschwerten sich beim Bezirksamt Bergedorf.
Der mauerartigen Look des Zauns ist Nachbarn ein Dorn im Auge. Sie beschwerten sich beim Bezirksamt Bergedorf.

Die Siedlung am Ricarda-Huch-Ring (Neuallermöhe) ist eine kleinbürgerliche Idylle: Ein gepflasterter Weg schlängelt sich vorbei an grünen Hecken und Carports, dahinter reihen sich Häuser aus rotem Klinker. Auch einen Spielplatz gibt es. Doch von guter Nachbarschaft kann in der Siedlung zurzeit keine Rede sein. Der Konflikt um einen Zaun hat die Stimmung vergiftet. Von „Schikane“ sprechen die einen, andere von „Bauordnungsverstößen“ und dem „beklemmenden Gefühl“, den der Blick aus dem Fenster hervorrufe. Nach einem Besuch der MOPO scheint klar: Die Probleme liegen hier wohl tiefer.

Frau S. (60) steht vor ihrer Haustür, die frühabendliche Sonne scheint in den Vorgarten hinein. „Das ist Krieg gegen uns“, sagt S., in ihrer Stimme liegt Verzweiflung. Mit Krieg meint die Buchhalterin den seit Monaten schwelenden Nachbarschaftsstreit, der um ihren Zaun entbrannt ist. Seit drei Jahren leben sie und ihr Ehemann (61), der als Kfz-Mechaniker arbeitet, in einem Einfamilienhaus am Ricarda-Huch-Ring. Ein Jahr später entfernten sie die Hecke, die das Eckgrundstück bis dahin von der Straße trennte.

Neuallermöhe: Streit um Zaun macht aus Nachbarn Feinde

Als Ersatz errichteten sie einen grau-weißen Zaun in Maueroptik, der seither den Unmut von Nachbarn auf sich zieht. Der Zaun soll Familie S. in ihrem Garten vor neugierigen Blicken schützen, sagen sie. Außerdem habe das Scheinwerferlicht der vorbeifahrenden Autos das Paar gestört.

Das Haus der Familie liegt etwas zurückgesetzt, davor befindet sich der Garten. Rasen, Büsche, Blumenbeete – alles ansehnlich. Der Zaun: eher Geschmackssache. Und offenbar nicht erlaubt. „Wir können bestätigen, dass die errichtete Mauer in der Form nicht genehmigt und im derzeitigen Zustand auch nicht genehmigungsfähig ist“, sagt Bezirksamtssprecher Lennart Hellmessen. Der Bezirk Bergedorf habe daher ein sogenanntes HOZ-Verfahren (Herstellung ordnungsgemäßer Zustände) eingeleitet. „Dieses mündete zuletzt in einer Aufforderung zur Beseitigung der baulichen Anlage.“ Der Sache auf die Schliche kam der Bezirk im Dezember 2023. Nachbarn hatten sich beschwert.

Der kleine Spielplatz am Ricarda-Huch-Ring. Dahinter steht das Haus von Familie S.
Der kleine Spielplatz am Ricarda-Huch-Ring. Dahinter steht das Haus von Familie S.

„Das ist ein lebloses Betonteil“, schimpft der Beschwerdeführer, als die MOPO bei ihm klingelt. Auf die Frage, was den Mann persönlich am Zaun stört, kommt als Antwort ein Paragrafen-Feuerwerk zurückgeschossen: Ein „illegales Bauwerk“ sei das, sagt er, und beginnt Normen zu zitieren: Höhe, Charakter, mangelnde Durchbrechung. Auf den Hinweis, dass er doch ein Mensch sei und kein Gesetzestext, entgegnet er: „Ich bin die Bauordnung!“

Der Bezirk gewährte eine Fristverlängerung bis Dezember

Bis Mitte Juli hätte Familie S. Zeit gehabt, den Zaun zu entfernen. Doch sie erbat eine Fristverlängerung, nun muss er erst im Dezember weg. „Das wird uns einen Haufen Geld kosten“, fürchtet Frau S.. Rund 5000 Euro habe der Zaun gekostet. Mehr jedoch schmerzt die 60-Jährige der Verlauf des Streits. Sie berichtet von ausgeschlagenen Gesprächsangeboten. Von Türen, an denen sie klingelte und die niemand aufmachte. Sie und ihr Mann seien angefeindet und geschnitten worden, der Zaun beschmiert.

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Darauf angesprochen weist der Beschwerdeführer die Anschuldigungen zurück. Am Ende lässt er sich doch noch zu einem Satz über seinen Nachbarn hinreißen: „So einen wollen wir hier nicht haben.“ Damit ist dann wohl alles gesagt.