Das ist Hamburgs Masterplan gegen das Elend am Hauptbahnhof

Hauptbahnhof
Rund um den Hauptbahnhof halten sich viele Obdachlose auf (Archivbild).

Ein Hilfezentrum, ein Sozialmobil und ein Sichtschutz: Dies sind nur einige der zahlreichen Maßnahmen, mit denen die Stadt der Obdachlosen- und Drogenszene rund um den Hauptbahnhof jetzt helfen will. Die MOPO erklärt, was konkret geplant ist, wann es losgeht und was das alles kostet.

„Die Lage am Hauptbahnhof hat sich etwas verbessert, das mag aber auch an der Witterung liegen“, sagt Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer (SPD) am Mittwoch, als sie gemeinsam mit Ralf Neubauer, Bezirkschef in Hamburg-Mitte, das Hilfspaket vorstellt. „Uns ist es aber wichtig, in diesem Jahr noch einmal einen Unterschied zu machen“, sagt die Senatorin. Geplant ist eine ganze Reihe von Maßnahmen, um den Menschen zu helfen, die sich rund um den Hauptbahnhof aufhalten.

Hamburger Hauptbahnhof: Diese Maßnahmen sind geplant

Alkoholkonsumverbot: Der Konsum von Alkohol ist ab 1. April 2024 im Bereich des Hauptbahnhofs, des Hachmannplatzes und des Heidi-Kabel-Platzes verboten. Das Kaufen oder Mit-sich-Führen von Alkohol bleiben erlaubt.

Umgestaltung des August-Bebel-Parks: Der Park vor der Drogenberatungsstelle Drob-Inn ist momentan in „keinem adäquaten Zustand“, wie Bezirkschef Neubauer selbst sagt. Die Fläche soll nun zu einem Drittel als grüner Park und zu zwei Dritteln als „Funktionsfläche“ dienen – abgetrennt durch einen 1,63 Meter hohen Sichtschutz. Eine Befragung von Passanten und Drob-Inn-Nutzern habe ergeben, dass sich beide Seiten den Sichtschutz wünschen, so Neubauer. Auch mit der Polizei habe man „intensiv diskutiert“ und sei übereingekommen.

Ein Drittel des August-Bebel-Parks soll bepflanzt werden.
Ein Drittel des August-Bebel-Parks soll bepflanzt werden.

Die Arbeiten für den Sichtschutz starten im März. Auf der Parkfläche in Richtung der Straße Altmannbrücke werden später Rasen und zwölf Bäume angepflanzt. Auf der Funktionsfläche in Richtung Drob-Inn soll ein klimafreundlicher Asphalt aufgetragen werden. Es gibt Sitzblöcke und Schirme, die vor der Witterung schützen.

Acht neue Leuchten erhellen den Platz. „Wir wollen dunkle Ecken vermeiden“, so Neubauer. Ende 2024 soll die Umgestaltung abgeschlossen sein.

August-Bebel-Platz
Hinter dem Zaun wird es vor dem Drob-Inn eine Fläche mit blauem klimafreundlichem Asphalt geben.

Sozialraumläufer: Die Sozialraumläufer unterstützen ab März die Sozialarbeit rund um den August-Bebel-Park. Sie sind Ansprechpartner, vermitteln bei Streitigkeiten und weisen auf die Verhaltensregeln im öffentlichen Raum hin. In zwei Schichten (6-14 Uhr und 14-22 Uhr) sollen jeweils drei Personen unterwegs sein. Das Projekt wird von einem externen Dienstleister durchgeführt und ist zunächst auf acht Monate angelegt – mit Option auf eine Verlängerung.

Hamburger Hauptbahnhof: Soziale Angebote werden verzahnt

Social HUB Hauptbahnhof: In der Bahnhofsmission gibt es ab April eine Koordinierungsstelle für „Hilfe und Beratung“ (HUB). Hier werden verschiedene Hilfsangebote miteinander verzahnt, wie etwa Kliniken, die Straßensozialarbeit, das Jobcenter und die Polizei. Angebote für Klienten sollen damit besser koordiniert und genauer zugeschnitten werden. Es gehe um eine „Entlastung und Erleichterung“ so Schlotzhauer. Menschen mit oder ohne Anspruch auf staatliche Leistungen kann so gleichermaßen geholfen werden.

Streetwork Mobil: Im zweiten Quartal 2024 wird ein kleiner Bus an den Start gehen, der rund um den Hauptbahnhof ein niedrigschwelliges Beratungsangebot macht. Hier können sich Bürgerinnen und Bürger über die Sozialarbeit informieren oder Hinweise geben, wenn sie Hilfsbedürftige sehen. In besonders schweren Fällen gibt es von hier aus auch ein Shuttle, das Bedürftige zur Tagesaufenthaltsstätte oder in eine Klinik bringt.

Übergangswohnen: Im Garstedter Weg in Niendorf entsteht derzeit eine Übergangsunterkunft mit 16 Plätzen. Sie dient dazu, die Menschen, die sich hauptsächlich rund um den Hauptbahnhof aufhalten und oft suchtkrank sind, zu stabilisieren. Anschließend werden sie in geeignete Hilfsmaßnahmen weitervermittelt. „Wir suchen momentan weitere Objekte und auch weitere Betreiber sind denkbar“, so Schlotzhauer.

Was kosten die Maßnahmen am Hamburger Hauptbahnhof?

600.000 Euro sind für das HUB und das Sozialmobil eingeplant. Weil sich die Tätigkeit der Sozialraumläufer noch in der Ausschreibung befindet, steht hier bislang kein Kostenpunkt fest. Der Umbau des August-Bebel-Parks wird voraussichtlich 1,3 Millionen Euro kosten.

Wie geht es weiter mit Hamburgs HUB-Projekt?

Sozialsenatorin Schlotzhauer würde aus dem HUB-Projekt gern eine Blaupause machen, um sie auch auf die anderen Bezirke zu übertragen. In 2024 soll zusätzlich die Straßenarbeit für Obdachlose neu aufgestellt werden. Im Vordergrund stehen dabei unter anderem eine Aufstockung der Straßensozialarbeit sowie die Unterstützung der Sozialarbeiter durch Fachkräfte wie Ärzte und psychiatrische Experten. Zudem schafft die Stadt in 2024 gesonderte Wohnunterkünfte für psychisch kranke Obdachlose.