Das ist der neue Rettungsplan für die Hamburger City
Leerstand und tote Hose: Die Hamburger City galt zuletzt als Sorgenkind des Senats, vor allem seit der Corona-Pandemie. Vor knapp drei Jahren machte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) dieses Problem sogar zur Chefsache, eine eigene Innenstadt-Koordinatorin wurde ins Amt gehoben. Am Dienstag präsentierte der Senat jetzt sein neues Leitbild für die nächsten 15 Jahre und berichtete über eine erstaunliche Veränderung. Aus der Opposition hagelt es unterdessen Kritik.
„Seit Sommer 2022 haben wir wieder genauso viele Besucher in der Innenstadt wie vor Corona“, erklärte Bausenatorin Karen Pein (SPD). Seit 2023 lägen diese Zahlen sogar noch deutlich darüber. „Außerdem sehen wir, dass sich viele Besucher des Westfield dann auch auf den Weg in die Innenstadt machen“, ergänzte sie.
Senat stellt „Zukunftsbild“ für die Hamburger City vor
Eine Überraschung, da die Kundenströme in den vergangenen Jahren wegen der Corona-Pandemie und Homeoffice stark zurückgegangen waren und im Überseequartier erst im April eine starke Konkurrenz in Form eines gigantischen Einkaufszentrums eröffnete. Ermittelt wurden diese Daten mithilfe von Mobilfunkfrequenzen.
Um die City weiterzuentwickeln, wurde jetzt ein sogenanntes „Zukunftsbild“ entwickelt, das neun Leitlinien für die künftige Hamburger Innenstadt formuliert. Erarbeitet wurde es unter anderem mithilfe von Fachrunden, öffentlichen Workshops und der Online-Beteiligung aus dem April 2024. Letztere stand in der Kritik, weil die Fragen zunächst auf schwierigem Behörden-Deutsch formuliert waren – anschließend besserte man nach. Insgesamt 2820 Kommentare wurden dort insgesamt abgegeben.
Das sind die Leitlinien der künftigen Hamburger Innenstadt
Die Leitlinien beschäftigen sich unter anderem damit, mehr kostenlose Kultur-Angebote ohne Konsum in die Innenstadt zu holen, große Plätze aufzuwerten, mehr Grünflächen zu schaffen und die Gestaltung rund um die Binnen- und Außenalster zu überarbeiten. Sehr viel Konkretes findet sich darunter allerdings (noch) nicht.
„Das ist auch nicht die Aufgabe von solchen übergeordneten Instrumenten“, verteidigte sich Pein. „Es ist die Aufgabe, nach vorn zu schauen, Weichen zu stellen und die vielen Akteure auf einen gemeinsamen Pfad zu bringen.“ Denn in der City gibt es viele einzelne Interessengruppen, darunter Kreative und Grundeigentümer, Einzelhändler und Anwohner.
„Laden 4“ als Vorbild für mehr Nachbarschaft in der City
Letztere sollen sich in der neuen Innenstadt auch künftig besser miteinander verbinden können. Als Vorbild nannte die Bausenatorin das Projekt „Laden 4“, in dem sich die Bewohner der Neustadt aus unterschiedlichen Quartieren treffen. „So können auch echte Nachbarschaftsstrukturen entstehen.“
Kritik hagelte es wiederum aus der Opposition: „Was Senatorin Pein heute als Zukunftsbild präsentiert hat, ist eher wieder einmal eine Sammlung wohlklingender Überschriften und kein Zukunftsbild für die Innenstadt der Zukunft“, sagte CDU-Politikerin Anke Frieling. „Trotz monatelanger Vorbereitung bleiben entscheidende Fragen unbeantwortet. Wie schaffen wir echte Aufenthaltsqualität? Wie begegnen wir Leerstand im Einzelhandel? Wie können mehr Wohnungen zum Beispiel für Studentinnen und Studenten und Seniorinnen und Senioren geschaffen werden, um endlich wieder städtisches Leben nach 19 Uhr zu erleben?“
Das entwickelte Zukunftsbild kann auf der Website der Stadt eingesehen werden. Im nächsten Schritt soll laut Pein ein konkreter Maßnahmenkatalog erarbeitet werden. Aktuell gibt es in der Neustadt 7650 Wohnungen, in der Altstadt sind es 1487. Am schnellsten wuchs in den vergangenen Jahren die HafenCity, in der inzwischen 1452 Wohnungen stehen. In den drei Innenstadt-Stadtteilen leben insgesamt um die 22.000 Menschen auf sieben Quadratkilometern.