Das heimliche Schwalbenparadies in der Innenstadt
Vor ein paar Wochen haben sie locker mal eben mehr als 5000 Kilometer zurückgelegt und sind aus dem Winterquartier in der südlichen Sahara nach Hamburg zurückgekehrt. Und hier haben sie sich ein ganz besonderes Brutquartier ausgesucht – die historischen Alsterarkaden. 31 Nester hat die MOPO jetzt gezählt. Eine Seltenheit im innerstädtischen Bereich. Doch gleich um die Ecke an den Großen Bleichen sind die flotten Flieger vorerst heimatlos geworden.
Während Hamburger und Touristen an der Ecke Alsterarkaden/Schleusenbrücke ihren Kaffee schlürfen, saust und piept es über ihren Köpfen. Aus den Nestern oben an der Arkadendecke in etwa fünf Meter Höhe fliegen die Mehlschwalben los, drehen über der Kleinen Alster vorm Rathaus ihre Runden und fangen pausenlos Insekten.
Schwalben bringen Glück? Ja, aber auch andere Hinterlassenschaften
„Schwalben bringen Glück“, heißt es ja, und so ärgern sich die Mitarbeiter von „Boss“ auch nicht, wenn die Hinterlassenschaften der Vögel auf den Schaufenstern des Modegeschäfts landen.
Laut Nabu brüten in der Hansestadt 2800 Mehlschwalbenpaare und 2300 Rauchschwalbenpaare. Bundesweit sind es wohl noch etwa 700.000 Brutpaare. Vor 30 Jahren waren es noch doppelt so viele. Die Mehlschwalbe ist gefährdet, die Rauchschwalbe steht auf der Vorwarnliste der Roten Liste Deutschland.
Bedingungen immer schwieriger für Schwalben
Die Schwalben finden immer weniger Möglichkeiten, ihre Nester anzubringen. Fassaden sind zu glatt oder bieten nicht genug Nischen. Dazu kommt der Rückgang des Insektenbestands, denn die Schwalben benötigen große Mengen Fluginsekten für die Aufzucht ihres Nachwuchses.
Neben der Kolonie an den Alsterarkaden gab es auch immer viele Nester an der Alten Post an der Poststraße. Doch dort flattern nun bunte Bänder als Deko. Die „Luftinstallation“ wurde von Anrainern des Passagenviertels angebracht. MOPO-Leser befürchteten nun, die Deko würde die Schwalben vertreiben. Der Nabu hält das für eher unwahrscheinlich. Doch tatsächlich konnten wir vor Ort an der Alten Post keine Tiere mehr beobachten. Dafür waren aber Schwalben an der Nebenseite der Alten Post am Bleichenfleet zu sehen. Sind die „Gebäudebrüter“ vielleicht dorthin umgezogen?
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Weichen mussten die streng geschützten Tiere an der Ecke Poststraße/Große Bleichen. Dort wird der „Hamburger Hof“ abgerissen, nur die Fassade am Jungfernstieg bleibt.
Der Bauherr hat aber auf einem Podest künstliche Schwalbennester aufgestellt, der Nabu hofft, dass die Tiere das Übergangsquartier annehmen. Vielleicht ziehen die Vertriebenen aber auch an die Alsterarkaden – Richtung Jungfernstieg ist noch viel Platz für weitere Nester.