„Dann halte ich eben an“: 78-Jährige plant Wahnsinns-Radtour über die Alpen

Die 78‑jährige Marisa Stollberg begibt sich auf eine 1200 Kilometer lange Reise mit ihrem E-Dreirad.
Die 78‑jährige Marisa Stollberg begibt sich auf eine 1200 Kilometer lange Reise mit ihrem E-Dreirad.

1200 Kilometer auf drei Rädern – klingt verrückt, ist aber ihr Plan: Die 78-jährige Marisa Stollberg aus Barmbek will mit ihrem E-Dreirad von Hamburg bis nach Südtirol fahren. Am 16. Mai geht es los auf eine außergewöhnliche Reise quer durch Deutschland und über die Alpen. Die rüstige Seniorin hat der MOPO erzählt, wie sie auf diese Idee kam – und was ihr kurz vor dem Start durch den Kopf geht.

Ziel der Reise ist ihr Elternhaus im italienischen Bertoldi. Das 95-Seelen-Dorf in der Region Trentino liegt rund 1200 Meter über dem Meeresspiegel. Nicht nur der Ort selbst, auch die Strecke dorthin ist eine echte Herausforderung: Insgesamt sind 29 Etappen geplant. Die Route führt über Leipzig, Regensburg und Passau weiter nach Rosenheim und Innsbruck, schließlich über den Brenner bis nach Bertoldi. Teilweise verläuft sie entlang von Flüssen und durch landschaftlich reizvolle Regionen. Einen festen Zeitplan gibt es nicht. „Wenn es uns irgendwo gut gefällt, bleiben wir einfach länger“, sagt sie. Begleitet wird sie von ihrem Mann, der aufgrund der Nachwirkungen einer Operation allerdings mit dem Auto reisen wird.

Die Rentnerin geht gelassen an die Fahrt

Die Idee entstand, als sie vor einigen Jahren einen Zeitungsartikel über eine 70-Jährige las, die von München nach Usedom gefahren war. Seitdem reifte in ihr der Wunsch, etwas Ähnliches selbst zu wagen. Als vor zwei Jahren ein Fahrradunterstand auf ihrem Innenhof gebaut wurde, stand für sie fest: Jetzt erfüllt sie sich den Traum vom eigenen E-Dreirad und bereitet sich auf die große Fahrt vor. Der Akku ihres E-Rads reicht für rund 100 Kilometer – genug, um Etappe für Etappe zu bewältigen und zwischendurch wieder aufzuladen.

„Der Sitz ist wie ein Sessel, da tut mir nichts weh“, blickt Stollberg zuversichtlich auf die Reise.
„Der Sitz ist wie ein Sessel, da tut mir nichts weh“, blickt Stollberg zuversichtlich auf die Reise.

Sie fährt gerne Rad und legt auch regelmäßig längere Strecken zurück – mal 40, mal 60 Kilometer. Auch Line Dance gehört zu ihrem Alltag und hält sie fit. Eine 100-Kilometer-Tour hat sie gemeinsam mit ihrem Mann bereits geschafft. Doch eine Strecke wie diese ist Neuland. „Ich hoffe, dass ich die Steigungen schaffe, sonst muss mein Mann mich schieben“, witzelt sie.

„Marisa, du bist ein bisschen verrückt”

Die Resonanz auf ihre Pläne ist durchweg positiv. Sie weiß, dass es eine lange Fahrt wird, bleibt aber gelassen. „Was soll denn passieren? Mehr als nicht weiterfahren kannst du nicht. Dann hältst du eben an und machst Pause.“ Trotzdem ist sie kurz vor der Reise etwas nervös und aufgeregt. Sie weiß aber auch, dass sie Unterstützung hat und freut sich auf das Abenteuer. Gelegentlich werde ihr gesagt: „Marisa, du bist ein bisschen verrückt.” Aber das höre sie schon immer, so die Rentnerin.

Die 78-Jährige macht sich keinen Stress. Sie ist etwas nervös, aber freut sich auf die Fahrt mit ihrem E‑Dreirad.
Die 78-Jährige bleibt gelassen. Sie ist zwar etwas nervös, freut sich aber vor allem auf die Fahrt mit ihrem E-Dreirad.

Die gebürtige Italienerin lebt seit fast 70 Jahren in Hamburg. Sie kam als Neunjährige in die Stadt. Ihr Vater hatte damals Schwierigkeiten, im Winter in Italien Arbeit zu finden – im Sommer war er dort als Maurer beschäftigt, im Winter war das wegen des Schnees nicht möglich. Ihre Oma und ihr Onkel lebten bereits in Hamburg und vermittelten dem Vater eine Stelle. Daraufhin verkaufte ihre Mutter die Hühner und Kaninchen der Familie, um die Übersiedlung zu finanzieren. Seitdem lebt die Familie in Hamburg, kehrt aber bis heute regelmäßig nach Südtirol zurück.

Sie schwärmt von ihrem Geburtsort: „Jeder kennt jeden, jeder begrüßt und umarmt einen.“ Wenn sie traurig ist, denkt sie an die Wiesen in Bertoldi – und genau an diese wird sie auch auf ihrer Reise denken. Ihre Kindheit mit fünf Geschwistern in Armut macht sie heute dankbar für das, was sie erreicht hat. Die Rückkehr an diesen besonderen Ort ist für sie deshalb eine ganz besondere Reise.

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Wenn sie es geschafft hat, freut sie sich darauf, ihre Familie in die Arme zu schließen. Sie unterstützt sie und steht hinter ihr – einige Familienmitglieder wollen sie sogar auf kleineren Etappen begleiten. Und das Erste, was sie nach ihrer Ankunft in Italien tun möchte: einen Aperol Spritz trinken. Den hat sie sich dann wirklich verdient.

1200 Kilometer auf drei Rädern – klingt verrückt, ist aber ihr Plan: Die 78-jährige Marisa Stollberg aus Barmbek will mit ihrem E-Dreirad von Hamburg bis nach Südtirol fahren. Am 16. Mai geht es los auf eine außergewöhnliche Reise quer durch Deutschland und über die Alpen. Die rüstige Seniorin hat der MOPO erzählt, wie sie auf diese Idee kam – und was ihr kurz vor dem Start durch den Kopf geht.