„Dann bleibt nur Bürgergeld“: Kult-Imbiss muss weichen, Betreiberin vor dem Aus
Pommes-Schranke und Lena – diese einmalige Kombi gehört für viele tausend Trucker beim Stop am Oswaldkai einfach zusammen. Seit nun 24 Jahren sorgt die Wirtin der Imbissbude „Zum lütten Foffteiner“ für das leibliche Wohl von Lkw-Fahrern, Touristen und Hafenarbeitern. Dabei ist der graue Container neben der HHLA-Einfahrt in der Dessauer Straße nicht nur wegen des Essens beliebt. Bei der 57-Jährigen wird viel gelacht, manchmal geweint und mit viel Leidenschaft wieder Mut gemacht. Doch das Fett in Lenas Fritteuse soll bald kalt bleiben, da die Entwicklung für das neue Hafentor-Quartier keine Gastronomie an dieser Stelle vorsieht.
Ein Leben ohne Imbiss, ohne die vielen Menschen und das Schnacken – für die Currywurst-Koryphäe keine Option. „Ich werde eingehen wie eine Pflanze“, sagt Lena, die offiziell Magdalena Meierdirks heißt. Der nächste Kunde schiebt seine Hände voran durch den Perlenvorhang. „Moin Lena“, sagt er. „Ach, mein Peter“, grüßt die Wirtin mit schaukelnden Ohrringen zurück. „Gleich ’ne Cola oder erstmal Kaffee?“, fragt sie und strahlt übers ganze Gesicht.
Kündigung für Imbiss „Zum lütten Foffteiner“
Vor drei Wochen erhielt sie die Kündigung des Hafenbetreibers HHLA. Denn: Direkt am Hafen soll der neue Stadtteil Grasbrook entstehen – mit Wohnraum für 6000 Menschen und Platz für 16.000 Arbeitsplätze. Wo sich heute der Imbiss befindet, wird eine Art Boulevard entstehen. Im April kommenden Jahres soll hier Schluss sein. Doch in der Nachbarschaft und unter Kunden regt sich Widerstand gegen die Verdrängung der Kult-Bude. „Lena ist hier nicht einfach irgendeine Imbiss-Frau. Sie ist eine Institution“, sagt Güven Polat, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Grasbrook. Er initiierte eine Unterschriftensammlung zum Erhalt der Bude, rund 200 Menschen haben sich bereits beteiligt. „So etwas Uriges wie der ,lütte Foffteiner‘ darf nicht verschwinden. Das hier ist viel mehr als ein Imbiss“, betont Polat.
Die Wirtin nickt zustimmend und lächelt wieder. Der nächste Kunde, der nächste Spruch. „Bleib flockig“, beruhigt sie einen jungen Mann mit tätowierten Armen, der erklärt, dass er kein Bargeld habe. Lena drückt auf die Kaffeepumpe und reicht den vollen Becher über den Tresen. Meckern ist nicht ihr Ding, sie bleibt lieber positiv. Auch jetzt – trotz der Kündigung. „Ich habe die Hoffnung, dass ich einen neuen Platz hier im Hafen finde“, sagt sie. Und schiebt kichernd hinterher: „Sonst werde ich Bürgergeldlerin.“ Wirklich vorstellen kann sich die in Steilshoop geborene Geschäftsfrau den Abstieg in die staatliche Hilfe dennoch nicht. Ihr Leben lang habe sie gearbeitet. „Eigentlich immer mit Spaß und großer Leidenschaft“, sagt sie. Urlaub mache sie erst seit wenigen Jahren. Zumindest eine Woche im Jahr.
Wirtin sucht neuen Standort
Wie aber wird es weitergehen für die beliebte Wirtin und ihren Laden? Wirtin Lena ist voller Hoffnung, blickt verliebt in den von Frittendunst gesättigten Raum. „Ich liebe es doch hier. Meinen Laden, meine Kunden, meinen Hafen“, sagt sie nachdenklich und wirkt kurz ungewohnt ernst. Dann schiebt sich der nächste Kunde durch den Perlenvorhang und Lena ruft fröhlich: „Na, Heiner, heute ’ne Curry oder ein Hämatom zum Mitnehmen?“.