Dänen als Vorbild: Fegebank will CO₂ in der Nordsee verpressen

Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank schließt nicht aus, Hamburger CO2 künftig in Dänemark zu verpressen. (Archivbild)
Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank schließt nicht aus, Hamburger CO2 künftig in Dänemark zu verpressen. (Archivbild)

Hamburg will schon 2040 klimaneutral sein – damit das klappt, setzt Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) nun auf eine umstrittene Technik: CO₂ soll abgeschieden und anschließend gespeichert oder weiterverwendet werden.

In einem Interview mit der „Zeit“ erklärte Fegebank nach einer dreitägigen Reise nach Kopenhagen, dass Hamburg dabei von Dänemark lernen könne. Die Dänen seien beim Klimaschutz pragmatischer, sagte sie: „Wir haben oft den Satz gehört: ‚Wir kennen das Ende nicht genau, aber wir gehen erst einmal los.‘ Dieser Optimismus hat mich beeindruckt.“

Fegebank: CO2 soll nicht in Hamburg gespeichert werden

Konkret geht es um die Frage, wie Hamburg mit dem CO2 umgeht, das durch Industrieprozesse wie Müllverbrennung entsteht. Eine Studie des TÜV Nord besagt, dass Hamburg im Jahr 2040 allein dadurch noch mindestens 1,5 Millionen Tonnen CO₂ verursachen dürfte. Aus Fegebanks Sicht gibt es dafür nur eine Lösung: „Man muss das CO₂ aus der Müllverbrennung abscheiden, damit es nicht in die Luft gelangt.“

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Speichern will Hamburg das Treibhausgas allerdings nicht im eigenen Stadtgebiet. „In Hamburg haben wir nicht vor, CO₂ unterirdisch zu speichern“, sagte Fegebank. Stattdessen richtet sich der Blick nach Dänemark. In der Nordsee entstehen derzeit große Speicherprojekte wie „Greensand“ und „Bifrost“. Auf die Frage, ob Hamburg sein CO₂ dort unterbringen wolle, antwortete Fegebank: „Das wäre denkbar: Dänische Firmen suchen nach Abnehmern für Speicherplatz, und sie wollen damit Geld verdienen. Und wir brauchen Speicherplätze.“

Fegebank hält die Speicherung unter der Nordsee trotz möglicher Risiken wie Leckagen für vertretbar. „Das Risiko von Leckagen ist gering“, sagte sie. Entscheidend seien eine sorgfältige Standortwahl, Risikoanalyse und dauerhafte Kontrolle. Auch der Weltklimarat halte die Speicherung für ein nötiges Instrument, um unvermeidbare Emissionen auszugleichen.

Hamburg: Start-up Colipi in entscheidender Phase

Parallel läuft in der Hamburger Müllverbrennung seit Januar ein Pilotprojekt der Stadtreinigung mit dem Start-up Colipi. Dabei wird CO₂ testweise abgeschieden und in einen fettähnlichen Rohstoff umgewandelt, das später an die Kosmetikindustrie verkauft werden soll. Noch gehe es nur um kleine Mengen, sagte Fegebank, aber: „Wir werden solche Verfahren brauchen, um unsere Klimaziele zu erreichen.“

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Klar ist aber auch: Die Technik wird teuer. Eine Abscheideanlage für die Müllverbrennung dürfte mehrere Hundert Millionen Euro kosten. Fegebank sagte, solche Investitionen sollten nicht direkt auf die Müllgebühren umgelegt werden. Die Stadt müsse selbst investieren und zunächst auch Speicherung und Nutzung bezuschussen. Geld dafür könnte aus dem Sondervermögen des Bundes kommen, aus dem Hamburg rund 2,66 Milliarden Euro erhält. „Das wäre möglich und sinnvoll“, sagte Fegebank. Ob sich solche Investitionen lohnen, werde sich aber erst nach der Pilotphase in zwei oder drei Jahren zeigen. (nf)