„Club der weißen Männer“ in Blankenese: Veranstalter reagiert auf Vorwürfe
Wolfgang Kubicki, Friedrich Merz, Peter Tschentscher, Carsten Brosda – „stramm maskulin“ sei die Rednerliste beim „Blankeneser Neujahrsempfang“ im Januar 2025, so die Kritik. Das sei doch nicht mehr zeitgemäß. Verleger Klaus Schümann, der mit seiner Veranstaltung alljährlich die politischen Dickschiffe nach Hamburg lockt, zeigt sich amüsiert über den Vorwurf.
Absender der Kritik: Dennis Sulzmann, Sprecher der Justizbehörde, der auf seinem privaten Linkedin-Account sein Befremden über die gänzliche Abwesenheit von Frauen auf der Bühne des kommenden Neujahrsempfangs äußert. Frauen, so seine Vermutung, „dürfen natürlich zu den Herren hochapplaudieren und Fotos machen.“ Und weiter: „Was ist das für ein Bild der Gesellschaft? Keine geeigneten Damen gefunden? Dachte, wir sind weiter.“ Mehr als 50 „Daumen hoch“ kassierte der Behördensprecher für den privaten Kommentar. „Blankenese, die letzte Bastion alter, weißer Männer“ witzelt ein Follower unter dem Posting.
Verleger weist Vorwürfe zurück
Solche Darstellungen weist Klaus Schümann, Verleger des „Klönschnacks“ und seit 30 Jahren Gastgeber des „Blankeneser Neujahrsempfangs“ mit einem amüsierten Unterton von sich: „Dass die Frauenquote in diesem Jahr nicht stimmt, da kann ich nichts dran ändern. Ich habe Sahra Wagenknecht eingeladen, die wollte aber jemand anderen schicken, den ich nicht kannte, wir brauchen aber die A1-Leute.“ Welches Geschlecht die A1-Polit-Promis haben, sei kein Thema, schwört Schümann: „Wir gucken nur auf die politische Präsenz.“ Also kommen nun Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), Kultursenator Carsten Brosda (SPD), CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz und – bereits zum dritten Mal – FDP-Haudruff Wolfgang Kubicki.
Dennis Sulzmann findet die Auswahl zu einseitig: „Es mangelt in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ja nicht an klugen, erfolgreichen und inspirierenden Frauen. Dass sie in einem guten Programm zu Wort kommen, sollte doch selbstverständlich sein. Ingesamt sollten wir gerade in dieser Zeit mehr dafür tun, verschiedenen Perspektiven Raum und Sichtbarkeit zu geben.“
Sahra Wagenknecht hatte keine Zeit
Das mit der Einladung an Putin-Verteidigerin Sahra Wagenknecht klingt wie ein Witz, ist aber keiner: 2012, als Vize-Chefin der Linken, war sie schon einmal beim Empfang (Schümann:„Als sie ankam, sind die Fotografen ausgeflippt, als käme da jemand vom anderen Stern“). Eine tolle Rede habe sie damals gehalten, sagt Schümann, das Publikum war hingerissen, auch wenn sie leider in der falschen Partei sei.
Überhaupt waren durchaus auch schon Frauen auf der Bühne, betont der Verleger und schüttelt ein paar Namen aus dem Ärmel: Gesine Schwan, Renate Künast, Claudia Roth, Annegret Kramp-Karrenbauer, Katja Suding und im Januar 2024 sprach Katharina Fegebank auf dem Empfang. Unvergessen sei auch die frühere Familienministerin Rita Süssmuth, die 2004 beim Blick aus dem Hotel Louis C. Jacob an der Elbchaussee die schöne Alster lobte.
„Blankeneser Neujahrsempfang“ findet im Hotel Grand Elysée statt
Am 9. Januar 2025 findet das nächste Event statt, im Hotel Grand Elysée der inzwischen für ihren Rosenkrieg bekannten Steakhausfamilie Block. Seit 2022 findet der Empfang in dem Hotel in Rotherbaum statt, auch ein vornehmer Stadtteil. 1500 Gäste sind diesmal geladen, von denen die wenigsten aus Blankenese kommen, aber alle was zu melden haben in Politik und Wirtschaft, in Medien und Gesellschaft. Ein paar junge Leute, aber auch die „alten Nebelhörner“ (Klaus Schümann).
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1995 fand der erste Neujahrsempfang des Klönschnack-Verlegers statt, damals reichte noch der Blankeneser Gemeindesaal. Kurz darauf ging es los mit den Promis, der erste war Bill Ramsey, den Schümann kannte, seit er 1969 die Gläser auf einem Kreuzfahrtschiff spülte, auf dem der Sänger der Stargast war. Ramsey zog gerade nach Blankenese und hatte ein Fernsehteam im Schlepptau. „Er ist in der Blankeneser Gesellschaft angekommen“, hieß es später im Beitrag und damit war klar: Wer zur Blankeneser Gesellschaft gehört, muss zum Neujahrsempfang. Champagner, das ist Schümann wichtig, gibt es übrigens nicht: „Weißwein, Rotwein, Bier und Sekt und das war’s.“