Christina Block unter Druck: Diese Widersprüche bringen sie jetzt in Bedrängnis
Der fünfte Verhandlungstag am Dienstag wird beginnen, wie der vierte am vergangenen Freitag geendet hat: mit der Befragung der Christina Block zur Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder. Und während die Unternehmerin vor einigen Wochen mit ihrer emotionalen, vierstündigen Aussage viele Zuschauer gerührt hatte, kam sie bei den hartnäckigen Nachfragen der Vorsitzenden Richterin Isabel Hildebrandt teilweise arg ins Schwimmen. Hatte sie tatsächlich keinen Schimmer, dass das israelische Sicherheitsunternehmen, das monatelang gratis in ihrem Hotel wohnte, die Entführung ihrer Kinder vorbereitete? Besonders ein Notizbuch und einige Mails bringen die prominente Angeklagte in Bedrängnis.
Ein Unternehmen, das sich angeblich nur um die Cyber-Sicherheit des Block-Hotels Elysée kümmern sollte, entführt auf eigene Faust und ohne Wissen der Familie Block die beiden jüngsten Kinder aus Dänemark, das ist im Kern die Verteidigungsstrategie von Christina Block. Das hat sie in ihrer ausführlichen Aussage so geschildert, und dabei blieb sie auch am Freitag während der Befragung durch die Vorsitzende Richterin Hildebrandt.
Aber wie passt dazu, dass die Ermittler in dem Notizbuch des israelischen Sicherheitschefs die Namen dänischer Schulen gefunden haben? Die Schulen, auf die die Block-Kinder gingen? Handgeschrieben von Christina Block? Wo er sich doch nur ums Hotel kümmern sollte? „Was soll das?“, fragte die Vorsitzende Richterin: „Was hatte der mit den Schulen Ihrer Kinder zu tun?”
Der Firmenchef habe sie nach den Schulen ihrer Kinder gefragt und sie habe ihm die Namen in sein Notizbuch geschrieben, erklärte Christina Block: „Ich weiß nicht, was er damit wollte.“ Der Mann sei selbst Großvater und habe Anteil an ihrem Schicksal genommen. Die Israelis hätten ja so einen ausgeprägten Familiensinn, sie sei einfach dankbar gewesen, dass sich jemand für ihre Kinder interessiert habe.
Alarmknöpfe der dänischen Polizei
Das klingt etwas naiv, und Christina Block versuchte am ersten Verhandlungstag nach der Sommerpause immer wieder, ihren psychischen Ausnahmezustand als verzweifelte Mutter zu betonen. Sie habe das Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Kinder gehabt, trotzdem hätten der Sohn und die Tochter weiterhin beim Vater in Dänemark gelebt.
Irgendwann habe die dänische Polizei den beiden sogar Alarmknöpfe umgehängt, weil ihr Ex „hysterisch“ immer gleich die Polizei gerufen habe, wenn jemand von der Familie Block aufgetaucht sei. „Ist Ihnen mal in den Sinn gekommen, dass Ihre Tochter den Alarmknopf getragen hat, weil sie nicht abgeholt werden wollte?“, fragte die Vorsitzende.
Wenn die Angeklagte gar zu sehr in Schilderungen ihres Innenlebens oder in Vorwürfe gegen ihren Ex abschweifte, fing Richterin Isabel Hildebrandt sie stets schnell wieder ein: „Das ist bekannt, meine Frage war aber eine andere.“
„Viele Grüße, Christina“
Etwa die Frage nach den Mails. Nein, sie könne sich nicht erklären, wie Mails von ihr („Viele Grüße, Christina”) auf einem Handy gelandet sind, über das Kameras in einem dänischen Garten gesteuert wurden, sagte Christina Block. Auch dieses Handy wurde bei dem Israeli gefunden, der angeblich nur für die Cyber-Sicherheit des Hotels Elysée zuständig war. Verbunden war das Smartphone mit Kameras, die das dänische Haus überwachten, in dem die Block-Kinder mit ihrem Vater lebten.
Auch den Namen eines Hamburger Ex-LKA-Beamten fanden die Ermittler in dem Notizbuch des Israelis, ebenfalls geschrieben in der Handschrift von Christina Block. Dazu die Notiz auf Hebräisch: „Der hat den Kontakt und ist zuständig für die Einteilung der Entführer.“ Den früheren LKA-Beamten, inzwischen Chef einer Sicherheitsfirma, hatte Christina Block vor den Israelis mit Ermittlungen zur „Rückführung“ ihrer Kinder beauftragt. Was der Israeli mit dessen Namen anfangen sollte? Keine Erklärung.
Zentrale Figur: die Freundin „Olga“
Fragen werfen auch die rund 105.000 Euro auf, die Christina Block von August bis Oktober 2023 in bar abgehoben hat. So viel Geld in den Monaten vor der Entführung, wofür? Wo sie sich doch selbst als so bescheiden beschreibt, mit einem verbeulten Auto und Kleidung von der Stange?
Sie habe ein Grundstück ihrer verstorbenen Mutter geerbt und die Gartenarbeiten bezahlt, erklärte Christina Block dazu. Eine größere Summe davon sei auch an „Olga“ geflossen. Olga war Mitarbeiterin der israelischen Sicherheitsfirma und sei ihre Vertraute geworden. Immer wieder tauchte Olga in Christina Blocks Schilderungen auf.
Olga scheint bei der Entführung eine zentrale Rolle gespielt zu haben, aber inzwischen ist sie längst wieder in Israel und alles, was Christina Block über ihre Freundin erzählt, kann nicht nachgeprüft werden. Auch nicht, ob die „größere Summe“ tatsächlich nur ein Dankeschön dafür war, dass die hilfreiche Olga die Social-Media-Kanäle der Block-Kinder überwacht habe.
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Wenn die Vorsitzende Richterin ihre Befragung am Dienstag abgeschlossen hat, können die anderen Kammermitglieder ihre Fragen stellen, bevor das Fragerecht an die Staatsanwaltschaft übergeht. Anschließend können die Nebenkläger die Unternehmerin befragen. Es ist also zu erwarten, dass der komplette fünfte Verhandlungstag für die Befragung der prominenten Angeklagten gebraucht wird. In den folgenden Verhandlungstagen bekommen die sechs Mitangeklagten die Gelegenheit, sich ebenfalls zu der Anklage zu äußern. Wann die ersten Zeugen, etwa die beiden entführten Kinder, geladen werden können, ist noch unklar.