Jugendliche kampieren vor dem Cusbclo-Pop-up-Store an der Bismarckstraße.

Jugendliche kampieren vor dem Cusbclo-Pop-up-Store an der Bismarckstraße. Foto: Nina Gessner

Chaos bei Pop-up-Event: Drängler schubsen junge Cusbclo-Fans beiseite – ist das fair?

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Für einen Jogginganzug geben sie alles: Zahlreiche Jugendliche hatten beim Pop-up-Event der Marke Cusbclo vor einer Woche auf der Straße übernachtet, um unter den ersten 25 zu sein, denen ein Gratis-Anzug versprochen wurde. Doch dann brach Chaos aus. Setzt der Händler bewusst die Sicherheit von Jugendlichen aufs Spiel?

Müde blickten die beiden Mädchen unter den Kapuzen ihrer Daunenjacken hervor, als die MOPO am Samstag vergangener Woche um 8 Uhr morgens vor dem Pop-up-Store in der Bismarckstraße 98 (Eimsbüttel) auftauchte.

Cusbclo-Event in Hamburg: Kurz vor Öffnung des Pop-up-Stores brach Chaos aus

Eins der Mädchen ist 14, das andere 15 Jahre alt. Seit drei Uhr nachts waren sie vor Ort, um sich in die Schlange einzureihen, die sich schon am Vorabend ab 20 Uhr zu bilden begonnen hatte. Gegen die Eiseskälte halfen warme Kleidung und Tee.

Geduldig warteten die Mädchen darauf, dass sich die Türen zu dem Laden öffneten. Um zehn Uhr sollte es soweit sein. Und auch wenn die Freundinnen nur Platz 30 und 31 in der Reihe hatten, so hatten sie die Hoffnung auf einen der Gratis-Tracksuits, wie die Jogginganzüge heutzutage heißen, noch nicht aufgegeben. Immerhin: Die Schlange war geordnet, die Reihenfolge klar. Selbst die Polizeistreife, die kurz stoppte, konnte keine Lage erkennen und zog wieder ab.

Doch die Ruhe währte nicht lange. Wenige Minuten vor Öffnung des Stores kamen die – zumeist männlichen – Drängler. Sie ignorierten die Schlange, positionierten sich direkt vor der Eingangstür und zerstörten damit die Chance all derjenigen, die sich zuvor leidvoll die Nacht um die Ohren geschlagen hatten.

Cusbclo-Event in Hamburg: Gegen die Drängler hatten junge Mädchen keine Chance

„Das war so gemein!“, schimpfte Mila, eine der beiden Freundinnen, die leer ausgingen und zusehen mussten, wie ihnen die „Trackies“ vor der Nase weggeschnappt wurden. Wieso hat der Händler nicht für Ordnung gesorgt?, fragten sie sich. Oder ist das Gratis-Angebot gar nur ein Lockmittel, um den Cusbclo-Hype anzufeuern? Setzt Cusbclo damit nicht die Sicherheit von Jugendlichen aufs Spiel, die nachts zu Hause ins Bett gehören?

Auf MOPO-Nachfrage zeigte sich das Streetwear-Unternehmen mit Sitz in Münster einsichtig. „Zunächst möchten wir betonen, dass wir mit dem Ablauf des Pop-up-Stores in Hamburg selbst sehr unzufrieden sind und die geschilderten Vorkommnisse äußerst ernst nehmen“, erklärte Geschäftsführer Victor Horst. „Ein fairer, sicherer und strukturierter Ablauf unserer Veranstaltungen hat für uns oberste Priorität.“

Horst versicherte, dass für den Pop-up-Store in Hamburg wie bei allen anderen Cusbclo-Events deutschlandweit eine professionelle Sicherheitsfirma vertraglich beauftragt worden sei. Diese habe ihre Teilnahme schriftlich bestätigt und am Vortag der Veranstaltung nochmals telefonisch zugesichert, sei dann aber am Veranstaltungstag ohne Absage nicht erschienen.

Probleme mit der Sicherheitsfirma: Streetwear-Unternehmen Cusbclo entschuldigt sich

„Dieses unvorhersehbare und vertragswidrige Verhalten war der maßgebliche Grund dafür, dass die Situation vor Ort nicht in der gewohnten Weise gesteuert werden konnte“, so Victor Horst. „Dass es dadurch zu Unruhe und Gedränge kam, bedauern wir ausdrücklich.“ Auch die Sorge der Eltern über das nächtliche Verweilen ihrer Kinder im Freien könne das Unternehmen gut nachvollziehen. „Sicherheit und Wohlbefinden – gerade auch von Minderjährigen – sind für uns ein zentrales Anliegen“, so Horst.

Tatsächlich war die Situation bei einem ähnlichen Event in Köln vor wenigen Wochen eine ganz andere. Dort hatte ein Sicherheitsteam für einen ordnungsgemäßen Ablauf gesorgt und so das Chaos verhindert. Bilder in den sozialen Medien zeigen, wie Absperrbänder die Jugendlichen in Reih und Glied halten.

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Victor Horst verspricht: „Wir werden die Erfahrungen aus Hamburg sorgfältig aufarbeiten und bereits jetzt zusätzliche Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass ein Ausfall externer Dienstleister künftig nicht mehr zu vergleichbaren Situationen führen kann. Die Sicherheit unserer Community hat für uns höchste Priorität.“

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