Bullis, Waldidylle, Inselleben: Camping für Hipster ist der neue Trend

Co-Geschäftsführer Markus Wolff in einem „Ahoi Bulli“
Urlaub im Bulli: Co-Geschäftsführer Markus Wolff in einem „Ahoi Bulli“

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nah liegt? Viele Hamburger suchen angesichts von Inflation und Wirtschaftskrise das Urlaubsabenteuer nicht mehr im Ausland, sondern im Umland. Tatsächlich gibt es rund um die Hansestadt immer mehr Orte mit alternativen Camping-Konzepten, die besonders Hipster anlocken. Die MOPO hat drei von ihnen auf der Messe „Reisen & Caravaning“ besucht, die noch bis Sonntag läuft.

Holz-Paletten, Stroh-Teppich, skandinavische Möbel und Hygge-Feeling: Der Messestand vom „Stover Strand“ an der Elbe bildet das ab, wofür der Campingplatz steht: einen Generationenwechsel. Nora Köhnken hat den Wohnwagen-Stellplatz, den ihr Opa schon 1970 gegründet hat, im vergangenen Jahr von ihrem Vater übernommen. Seitdem hat sich viel verändert.

Nora Köhnken (l.) und Tanja Matthies haben die Campingplätze am Stover Strand und Stover Holz zu Hipster-Paradiesen umgebaut.
Glamping und Naturnähe: Nora Köhnken (l.) und Tanja Matthies haben die Campingplätze am Stover Strand und Stover Holz zu Hipster-Paradiesen umgebaut.

Glamping an der Elbe: Das alte Campingplatz-Parzellenraster verschwindet immer mehr

Es gibt eine Glamping-Fläche mit Retro-Campern, die liebevoll und individuell gestaltet sind. Das alte Parzellen-Raster, in dem früher spießige Wohnmobile dicht an dicht standen, verschwindet immer mehr. Erst recht auf den beiden neuen Campingplätzen „Stover Holz“ und „Lühesand“, die Köhnken zum 1. Januar 2025 übernommen hat.

Auf dem weitläufigen Elb-Eiland gibt es im wahrsten Sinne des Wortes einsame Inseln für das Wohnmobil. Am „Stover Holz“ gibt es Wald-Feeling und sogar die Möglichkeit für eigene Beete. Die Übernahme der beiden neuen Campingplätze zeigt: Köhnken sieht hier einen klaren Wachstumstrend.

„Wir merken am Stover Strand, wie die Nachfrage steigt“, sagt die 35-jährige Campingplatz-Erbin. „Immer mehr Hamburger stellen sich einen Wagen an die Elbe, kommen am Wochenende und verbringen die Ferien bei uns.“ Für den neuen Platz auf der Elbinsel Lühesand sieht Köhnken besondere Potenziale. „Er ist eingebettet in ein Naturschutzgebiet und sehr weitläufig. Kinder können frei herumlaufen, ohne jemanden zu stören. Als wir das erste Mal dort waren, hat sich das nach Aussteigen angefühlt.“ Ein Gefühl, nach dem sich gerade Großstädter sehnen.

Neuer Hipster-Trend: Immer mehr Großstädter verbringen ihren Urlaub auf dem Campingplatz

Rund 18 Prozent der Deutschen verbringen ihren Urlaub inzwischen auf dem Campingplatz. Tendenz steigend. Alle Stellplätze erleben Zuwächse. Dabei wird immer mehr auf Alternativ-Konzepte geachtet, wie auch Markus Wolff, Co-Geschäftsführer bei „Ahoi Bullis“, weiß.

Das Unternehmen, das ursprünglich mit der Vermietung von VW Bullis begann, betreibt inzwischen auch einen Campingplatz auf Fehmarn und einen in Canow an der mecklenburgischen Seenplatte. Ein dritter in Prerow auf dem Darß steht kurz vor der Eröffnung. „Beim Camping ist eine neue Zielgruppe nachgewachsen, die Wert auf Nachhaltigkeit, Naturnähe, gute Gastronomie und hübsch gestaltete Sanitäranlagen legt“, sagt Wolff.

Fahrt aufgenommen habe der Trend während der Coronazeit, als das Bewusstsein für klimaschädliche Flugreisen wuchs. Jetzt komme die Wirtschaftskrise und die Teuerungsrate hinzu. „Die Leute fragen sich, wie sie Geld sparen und trotzdem ein eindrucksvolles Erlebnis haben können“, so Wolff. „Abenteuer hängen nicht von Distanz und Weite ab.“ Für Menschen, die dennoch nicht auf Campingwagen stehen, hat „Ahoi Bullis“ auch Tinyhouses und Schwedenhäuser im Angebot.

Skandinavien ganz nah: Campingplatz mit Schwedenhäusern in der Lüneburger Heide

Skandinavien-Feeling mit roten oder gelben Holzhütten bietet auch das „Südseecamp“ in Wietzendorf in der Lüneburger Heide. Auch hier hat sich seit der Gründung 1970 viel verändert, der Familienbetrieb wird in dritter Generation geführt. „Die vierte wächst gerade heran“, lacht Marketing-Leiterin Lisette Möllmann.

Um das Festival-Gefühl der Besucher noch zu verstärken, gibt es Animationen, Auftritte von Live-Bands und Stockbrot-Backen für die Kinder. Ein Kletterpark und ein Reiterhof bieten Abwechslung und wenn’s regnet, kann man sich in den neuen Indoorspielplatz flüchten.

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Die Preise bei allen Anbietern, egal ob an der Ostsee, an der Elbe oder in der Lüneburger Heide, variieren je nach Saison und Größe des Stellplatzes bzw. der Hütte. Auf der Elbinsel „Lühesand“ wird gerade ein Stellplatz für das ganze Jahr verlost. Der Wert: 2500 Euro und Robinson-Crusoe-Feeling.

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nah liegt? Viele Hamburger suchen angesichts von Inflation und Wirtschaftskrise das Urlaubsabenteuer nicht mehr im Ausland, sondern im Umland. Tatsächlich gibt es rund um die Hansestadt immer mehr Orte mit alternativen Camping-Konzepten, die besonders Hipster anlocken. Die MOPO hat drei von ihnen auf der Messe „Reisen & Caravaning“ besucht, die noch bis Sonntag läuft.