Büffeln im Brennpunkt-Stadtteil: Diese Kids lernen – mitten in den Sommerferien

Kinder beim gemeinsamen Lernen
Schulsenatorin Ksenija Bekeris (SPD) besucht lernende Schüler (Archivbild).

In den Ferien für die Schule büffeln? Für die meisten Schüler ist das undenkbar. An einer Grundschule im Brennpunkt-Stadtteil Mümmelmannsberg kommen schon seit Jahren Kinder aus benachteiligten Familien zusammen, um gemeinsam zu lernen und zu spielen.

Eigentlich sind schon seit mehr als einer Woche Sommerferien, aber Alex geht noch immer jeden Tag in die Grundschule Mümmelmannsberg. Während andere Kinder zu Hause sitzen und faulenzen, büffelt der 8-Jährige zusammen mit einigen Mitschülern in den sogenannten Lernferien – und zwar völlig freiwillig. „Mir gefällt die lockere Mischung aus Lernen und Spielen während der Zeit“, sagt er und arbeitet dann konzentriert an einer Matheaufgabe weiter.

Junge mit grünem Stein in der Hand
Andere Faulenzen, diese Kids hauen rein: Lernferiengruppe an Grundschule in Brennpunkt-Stadtteil – Schulsenatorin Ksenija Bekeris (SPD) besucht das Projekt Hier: Alex, 8 Jahre, 2. Klasse

Lernferien: Angebot für Kinder aus Brennpunkt-Stadtteilen

Neben Alex sitzen noch sechs weitere Kinder an den Tischen in dem kleinen Klassenzimmer. Hier treffen sich Schüler aus der 2. bis zur 4. Klasse, um zusammen zu lernen, zu spielen und natürlich ihre Freunde zu sehen. Sie sind etwas aufgeregt, denn heute gibt es hohen Besuch aus der Politik: Die Schulsenatorin Ksenija Bekeris stattet der Ganztagsgrundschule einen Besuch ab. „Es macht einfach Freude zu sehen, wie motiviert sich Schülerinnen und Schüler in den Ferien treffen, um zu lernen“, sagt die SPD-Politikerin. Die Lernferien seien ein wertvoller Beitrag, damit die Kinder gestärkt und gut vorbereitet ins neue Schuljahr gehen.

Gestartet wurden die Lernferien 2020 im Rahmen des Bundesprogramms „Aufholen nach Corona“. In diesen freiwilligen Kursen können die Schüler:innen während der Ferien den Stoff aus dem Schuljahr wiederholen und Gelerntes festigen. Mittlerweile läuft die Finanzierung über die Schulbehörde. Offiziell werden die Lernferien an Schulen mit einem Sozialindex von 1 bis 3 angeboten. Dieser Indexbeschreibt die sozio-ökonomische Zusammensetzung der Schülerschaft an Schulen auf einer Skala von 1 bis 6. Ein Index von 6 beschreibt Schulen mit Kindern aus privilegierten Familien, den Index 1 bekommen Schulen mit Schülern aus „ausherausfordernden sozio-ökonomischen Verhältnissen“. Zu deutsch: Brennpunkt-Stadtteile. Die Grundschule Mümmelmannsberg wird im Sozialindex wenig überraschend unter 1 geführt.

Zwei Schülerinnen, eine hält eine Karte hoch
Aleyna (9, links) und Kira (10) sind schon zum zweiten Mal in der Lernferiengruppe – auch, weil ihre Eltern sie nicht betreuen können.

Zaki: Zuhause bekommen die Kinder kaum Unterstützung

Kira (10) und Aleyna (9) sind schon zum zweiten Mal bei den Lernferien in der Grundschule dabei. Spaß macht den beiden vor allem der spielerische Ansatz des Kurses. Mit einem Würfelspiel und ein paar bunten Karten üben sie gerade ihre Deutschkenntnisse. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum sie hier sind. „Meine Eltern arbeiten beide Vollzeit und können nicht auf mich aufpassen“, sagt Aleyna. Kira nickt zustimmend, bei ihr ist es ähnlich. Die beiden Mädchen kommen aber gerne in den Kurs, denn hier sehen sie jeden Tag ihre Freunde.

Den sozialen Aspekt hält Emad Zaki (24) für einen wichtigen Grund dafür, warum die Kinder selbst in den Ferien gerne in die Schule kommen. Zaki ist Honorarkraft an der Schule und leitet den Kurs während der Lernferien. An der Arbeit mag er vor allem die Abwechslung zu seinem theorielastigen Bauingenieurs-Studium. Die Lernferien betrachtet er auch als Möglichkeit, Kinder aus benachteiligten Familien besser zu fördern. „Das Lernen in Kleingruppen erlaubt es uns, individuell auf die Bedürfnisse jedes Kindes einzugehen. Das ist im normalen Schulalltag nicht in dieser Intensität möglich.“ Von ihren Eltern bekämen die Kinder zu Hause kaum Unterstützung, weshalb sie in den Kursen etwas an die Hand genommen werden müssen.

Betreuer in Feriengruppe
Emad Zaki leitet die Lernferiengruppe an der Grundschule Mümmelmannsberg.

Die Lernferien leisten so einen Beitrag zur Chancengleichheit unter den Schülern. Lernstress soll dabei aber nicht aufkommen, schließlich sind ja Ferien. „Uns ist die Abwechslung zwischen Lernen und Spielen sehr wichtig“, erklärt Zaki. Zwischendurch werden deshalb immer wieder aktive Pausen eingestreut, in denen sich die Schüler nach dem ganzen Lernen etwas auspowern können. Oft spielen die Kinder dann auf dem Schulhof, den sie nun ganz für sich haben oder bewegen sich zu einem Sport-Video auf YouTube.

Kinder machen Sport
Sportliche Pause: Die Kinder powern sich bei einem „Ninja Workout“ aus.

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Jetzt ist wieder Zeit für eine sportliche Pause. Die Kinder lassen ihre Stifte und Mappen liegen und stellen sich vor einem großen Fernseher auf, während Zaki ein YouTube-Video mit dem Titel „Ninja-Workout“ startet. Schon bald laufen die Kinder auf der Stelle und führen kleine Ninja-Tritte aus.