Brisante Entwicklung im Block-Prozess: Auf der Suche nach einem Sündenbock?

Personen an Tischen im Sitzungssaal mit Laptops und Unterlagen, im Hintergrund weitere Teilnehmer.
Der Block-Anwalt Andreas Costard mit seinem Verteidiger Marko Voß im Gerichtssaal.

Es läuft nicht gut für Christina Block. Die Strategie ihrer Verteidigung bislang: Die Block-Tochter habe rein gar nichts mit der Entführung ihrer Kinder zu tun, sei selbst von den Ereignissen in der Silvesternacht vor eineinhalb Jahren überrascht worden, die Entführer hätten quasi auf eigene Faust gehandelt. Doch mehrere Zeugen widersprechen dieser Darstellung. Und plötzlich versucht ihr Anwalt, einen anderen Angeklagten in den Fokus zu schieben: Andreas Costard, Intimus von Eugen Block und Anwalt der Familie. Steckt dahinter eine neue Strategie? Bemerkenswerte Spannungen werden vor Gericht deutlich.

Andreas Costard ist 63 Jahre alt, Rechtsanwalt in Hamburg und gilt als enger Vertrauter der Familie Block. Er sitzt unter anderem im Aufsichtsrat der Eugen Block Holding und des Grand Elysée – seit Juli 2025 allerdings auch als Angeklagter vor Gericht. Dort schweigt er bislang, lässt alle Vorwürfe abstreiten.

Und doch gerät er immer mehr unter Druck. Und das von zwei Seiten. Da sind einmal die Zeugen, vor allem Keren Tennenbaum, die Israelin, Mitglied im Team der Entführer und Vertraute von Christina Block. Sie schreibt Costard eine entscheidende Rolle zu. Demnach hätte er Druck gemacht, die Kinder zu holen, und hätte bezeugt, dass niemand rechtliche Konsequenzen zu fürchten habe.

Bott erwähnt bei Zeugenbefragung den Namen Costard

Und dann ist da noch Blocks Anwalt Ingo Bott. „Sagt Ihnen der Begriff Clique etwas?“, fragt Christina Blocks Verteidiger Tennenbaum an ihrem dritten Verhandlungstag. Tennenbaum wirkt verwirrt. „Nein“, antwortet sie schließlich.

„Erinnern Sie da ein Gespräch mit David Barkay dazu?“, hakt Bott nach. Barkay, der mutmaßliche Chef-Entführer, hatte vor einigen Monaten ebenfalls vor Gericht als Zeuge ausgesagt. Tennenbaum gilt als seine rechte Hand. „Nein“, wiederholt die 51-Jährige. „Herr Barkay verwendet den Begriff in Bezug auf unter anderem den Familienanwalt Andreas Costard und weitere Bekannte – kommt da eine Erinnerung?“, lässt Bott nicht locker. „Nein“, beharrt Tennenbaum.

Christina Block und Anwalt Ingo Bott
Christina Block und Anwalt Ingo Bott. Im Hintergrund: ihr Lebensgefährte und Mitangeklagter Gerhard Delling mit seinem Anwalt David Rieks

Es bleibt nicht das einzige Mal, dass Ingo Bott während seiner Zeugenbefragung den Namen des Mitangeklagten Andreas Costard fallen lässt. Ob es richtig sei, dass das Wort Costards für die Israelis Gesetz gewesen sei, ob es Gespräche mit Costard gegeben habe. „Herr Costard ist einmal ins Zimmer von David Barkay im Hotel gekommen“, erzählt die Zeugin Tennenbaum. Er habe sichergehen wollen, dass das israelische Team die Kinder nach Deutschland bringe, und sehr unter Druck des Patriarchen Eugen Block gestanden.

Costard gilt als enger Vertrauter der Familie Block

Am Ende erklärte Bott: „Es ist sehr deutlich geworden anhand der Aussage der Zeugin, dass meine Mandantin Frau Block nicht wusste, was in der Silvesternacht geschehen werde.“ Prozessbeobachter stellten sich dabei eine Frage: Hat das „Team Block“ eine neue Strategie – und will Costard als möglichen Auftraggeber dastehen lassen, um Christina Block zu entlasten?

Einen Tag später befragt der sichtlich angesäuerte Anwalt Costards, Marko Voß, die Zeugin Tennenbaum zu dem Gespräch zwischen Barkay und seinem Mandanten im Hotelzimmer. „Das war dem Kollegen Bott ja ganz wichtig, das gestern nochmal zu erwähnen“, sagt Voß in dessen Richtung. „Er hat allerdings den Kontext vergessen zu erwähnen.“ Demnach sei es monatelang nur darum gegangen, Informationen über die Kinder zu sammeln, und nicht um „eine physische Rückholung“.

Marko Voß (links), Verteidiger von Andreas Costard, Ingo Bott (rechts), Verteidiger von Christina Block und Andreas Rieks, Verteidiger von Gerhard Delling, auf dem Weg zum Gerichtssaal.
Marko Voß (links), Verteidiger von Andreas Costard, Ingo Bott (rechts), Verteidiger von Christina Block und Andreas Rieks, Verteidiger von Gerhard Delling, auf dem Weg zum Gerichtssaal.

Und dann feuert er eine Frage nach der anderen ab: Habe Costard jemals erklärt, es werde keine rechtlichen Konsequenzen haben, den Vater zu Boden zu bringen? Die beiden Kinder zu fesseln und in den Fußraum eines Autos zu drücken? Klebetape um den Kopf zu wickeln? Ein Kind über die Schulter zu werfen und bei Nacht durch einen Wald zu tragen? „Nein“, antwortet Tennenbaum knapp.

Block: „Mein Vater machte sich daran, selbst eine Lösung mit Herrn Costard zu finden“

Das alles hätten ihre Teammitglieder aber in der Silvesternacht anscheinend gemacht, betonte Voß. Wie solle sein Mandant falsch beraten haben, wenn über diese Dinge nie vorher gesprochen worden sei? Es sei im Vorfeld offensichtlich nie um eine gewaltsame Entführung gegangen.

Schon im Januar hatte Christina Block vor Gericht ausgesagt, dass viele Dinge passiert seien, in die sie gar nicht eingeweiht gewesen sei – dafür aber eben Costard. Als Beispiel nannte sie die Plakataktion im Jahr 2022: Damals waren Eugen und Christa Block mit dem Auto nach Dänemark gefahren und hatten sich mit einem Plakat vor das Haus der Kinder gestellt: „Wir vermissen euch! Wir lieben euch! Wir denken an euch! Wir warten auf euch! Unsere Türen sind immer auf! Oma & Opa“, stand dort drauf. „Mein Vater machte sich daran, selbst eine Lösung mit Herrn Costard zu finden. Ich war raus“, sagte Christina Block dazu.