Hamburg

Blumenzüchter hat Solaranlage auf dem Dach – warum produziert er damit keinen Strom?

Mann steht vor langem Gewächshaus an sonnigem Tag
Gerrit Knoblauch (36) von „Knobi-Blumen“ vor einem seiner Gewächshäuser in Neuengamme. Hier werden demnächst Solarpanele installiert.

Rosen brauchen die Sonne für optimale Blüten. Trotzdem verschattet ein Schnittblumen-Produzent aus Hamburg jetzt sein Gewächshaus für ein Forschungsprojekt. 

Steigende Kosten, billige Konkurrenz aus dem Ausland und keine Hofnachfolger – der Blumen- und Gemüseanbau in den Vier- und Marschlanden steht massiv unter Druck. Immer öfter stehen Gewächshäuser leer, auch die Anbauflächen gehen zurück. Die hohen Energiekosten sind dabei ein großes Problem – aber das könnte durch ein wegweisendes neues Forschungsprojekt aus Hamburg gelöst werden. 

Bei den aktuell hochsommerlichen Temperaturen denkt kaum jemand an den langen, kalten Winter zurück. Gerrit Knoblauch aber erinnert sich sehr gut: „In diesem Winter hat der Tulpenanbau uns richtig Geld gekostet“, sagt der Schnittblumen-Produzent aus Neuengamme. Die frühen Schnittblumen mussten in diesem Jahr deutlich länger beheizt werden als sonst.

Rosen-Gewächshaus in Neuengamme bekommt Photovoltaik-Dummy

In Hamburgs Gewächshäusern werden am häufigsten Schnittrosen angebaut, auch bei „Knobi-Blumen“ (Curslacker Deich 10) werden sie gezogen. Da viele günstige Rosen aus dem Ausland auf den deutschen Markt kommen, ist der Konkurrenzdruck groß. Entsprechend intensiv suchen die Betriebe nach Einsparmöglichkeiten.

Auf einem 400 Quadratmeter großen Dach eines seiner Rosen-Gewächshäuser wird deshalb demnächst eine Solaranlage installiert. „Allerdings handelt es sich nur um einen Dummy, bei dem wir keinen Strom erzielen oder ins Netz einspeisen“, sagt Knoblauch. 

Klingt zunächst verrückt, ist es aber nicht. Denn es handelt sich um ein großangelegtes Forschungsprojekt, an dem die Hamburger Umweltbehörde, mehrere Universitäten und das Fraunhofer-Institut beteiligt sind. Dabei soll erforscht werden, inwieweit es möglich ist, Gewächshäuser mit Solaranlagen auszustatten, ohne dass die Blumen unter Beschattung leiden.

Mann steht in einem Gewächshaus zwischen Jungpflanzen vor Glasdach und Metallstreben.
Gerrit Knoblauch, Inhaber von „Knobi-Blumen“ in Neuengamme, steht zwischen seinen Rosen im Gewächshaus.

„Das Fraunhofer Institut testet mit den Dummies, was sie im regulären Betrieb produzieren würden“, so Knoblauch. Zudem werden verschiedene Photovoltaik-Technologien auf ihre Eignung für Gewächshäuser untersucht. „Es gibt auch durchsichtige Photovoltaik-Anlagen, die getestet werden“, so der Blumenproduzent. Die liefern allerdings weniger Strom als die herkömmlichen Anlagen.

Vor Ort in Neuengamme wird im Rahmen des Projektes vor allem dokumentiert, wie die sonnenhungrigen Rosen mit der Beschattung zurechtkommen – im Versuch werden etwa 20 Prozent der Dachfläche mit Paneelen belegt. Knoblauch protokolliert, ob die Ertragsmengen die gleichen bleiben und wie sich die Qualität der Blumen entwickelt.

Tolerieren Rosen eine Beschattung durch Solaranlagen?

Erst dann ist klar, ob der Einbau von Photovoltaik-Anlagen im Zierpflanzenanbau in den Vier- und Marschlanden sinnvoll wäre. „Wenn die Ersparnis durch den selbstproduzierten Strom von einer geringeren oder schlechteren Ernte aufgefressen wird, lohnt sich das natürlich nicht“, so der junge Unternehmer, der auch Präsident des Gartenbauverbandes in Hamburg ist.

Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt, von 2026 bis 2028. Auch Klimaschutz spielt eine Rolle: Im Gartenbau müssen große Flächen beheizt werden, und das geschieht aktuell meist noch ganz klassisch mit Erdgas.

Will Hamburg seine ehrgeizigen Klimaziele erreichen, so muss auch beim Blumenanbau umgestellt werden. „Wir suchen gerade nach Alternativen zum Gas und überlegen, mit Wärmepumpen zu arbeiten“, so Knoblauch. Dafür würde dann viel Strom gebraucht, der über die Photovoltaik-Anlagen kommen könnte. „Allerdings heizen wir von Oktober bis Ostern, da ist die Solarausbeute natürlich nicht gerade optimal.“

Der Zierpflanzenanbau in den Vier- und Marschlanden steht unter großem Druck durch günstige Ware aus dem Ausland und steigende Kosten. Die Anbauflächen sind im vergangenen Jahr erneut um zehn Prozent gesunken, der Trend geht zu großen, konkurrenzfähigeren Betrieben.

Die Firmenzahl sank um 24 Prozent auf 133 Anbauer. In Bergedorf nahe der Krapphofschleuse wurden gerade neue Wohnhäuser gebaut, wo bis vor Kurzem in großen Gewächshäusern Rosen angebaut wurden.

Wenn das Projekt in Neuengamme abgeschlossen ist, soll es laut Fraunhofer-Institut den Blumenproduzenten in ganz Deutschland eine praxisnahe Empfehlung für den Einsatz von Photovoltaik in Gewächshäusern geben. Und für den dornigen Weg zu den Hamburger Klimazielen ist es ebenso wichtig, zu wissen, ob Rosen auch im Schatten gedeihen.

Kommentare öffnen