Hamburg
Bramfeld
Bis zu Tausend Stellen: Kahlschlag bei Otto geplant!
Personal-Kahlschlag in der Otto-Einzelgesellschaft, kurz Otto, dem früheren Otto-Versand mit Hauptsitz in Bramfeld. Kaum wurde Mitte Februar bekannt, dass der Hamburger Internethändler bundesweit acht seiner 13 Kundenzentren schließen und bis zu 480 Mitarbeiter:innen entlassen will, da rollt schon die nächste Kündigungswelle an. Unter dem Namen „Elevate“ entwickelt der Konzern derzeit ein beispielloses Sanierungsprogramm, mit dem er jährlich 80 Millionen Euro Kosten einsparen will.
Seit Jahren steckt der Otto-Konzern in einer tiefen Krise. Während in der Corona-Pandemie die Geschäfte noch blendend liefen, brechen seitdem die Umsätze und Renditen massiv weg. Die deutsche Wirtschaftskrise samt Kaufzurückhaltung und die übermächtige Konkurrenz von Amazon und den Online-Billiganbietern aus Fernost, Temu und Shein, die den Markt zunehmend dominieren, führen dazu, dass die Otto Group massiv Kosten einsparen und ihr Personal reduzieren muss.
Maßnahmen könnten schon 2027/2028 umgesetzt werden
2023/2024, das letzte Geschäftsjahr, für das Zahlen vorliegen, schrumpfte der Umsatz der Muttergesellschaft „Otto Group“ von 16,2 auf 15 Milliarden Euro, gleichzeitig erhöhte sich der Gesamtverlust des Konzerns und die Zahl der Mitarbeiter:innen wurde deutschlandweit von 24.282 auf 22.503 gesenkt.
Unter der Überschrift „Elevate – Ottos Weg zu Wachstum und Kosteneffizienz“, kündigt Unternehmens-Vorstand Marc Opelt in einem internen Dokument an, Otto müsse, „um wirtschaftlich immer handlungsfähig zu bleiben“, seine „Kostenbasis bis 2027/2028 um 80 Millionen Euro (…) senken“. Ziel der „Transformation“ sei es, so Opelt, die Konzernrendite von derzeit einem auf drei bis fünf Prozent zu erhöhen. Dafür holte sich Otto die weltweit tätige Unternehmensberatung McKinsey ins Haus, die dafür bekannt ist, Unternehmen so umzustrukturieren, dass ein massiver Stellenabbau möglich ist. Eine Umsetzung ist schon für das Geschäftsjahr 2026/2027 geplant.
Dann könnten die Einsparmaßnahmen bereits im Geschäftsjahr 2027/2028 „mit voller Wirksamkeit“ umgesetzt werden. Ziel von Elevate sei ein „möglicher Stellenabbau“. Schon „ab sofort“, betont Opelt in dem aktuellen Schreiben, das der MOPO vorliegt, gebe es „verschärfte Regeln zum Einstellungsstopp“.
Mitarbeiter: „Die Belegschaft ist total verunsichert“
„Da wir bei Otto kaum Sachkosten haben, wird es vorrangig um Stellenabbau und damit um Arbeitsplatzverlust gehen“, betont Betriebsrat Michael Hufnagel in einem Schreiben an die Belegschaft. Rechnet man die 80-Millionen-Euro-Sparvorgabe in Vollzeitstellen um, droht ein Abbau von rund 800 bis 1000 Arbeitsplätzen. „Wie viele Mitarbeitende direkt betroffen sein werden, ist derzeit noch vollkommen offen“, betont Otto-Sprecher Ingo Bertram.
„Niemand weiß, welche Bereiche und welche Mitarbeiter:innen es treffen wird. Die Belegschaft ist total verunsichert, fast jeder hat Angst, entlassen zu werden“, beschreibt ein führender Otto-Mitarbeiter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, die Stimmung im Hamburger Firmenstammsitz.
Betriebsrat Hufnagel moniert: Hinter der Inflation von Rationalisierungs- und Umstrukturierungsprogrammen stecke eine Unternehmenspolitik „ohne klaren Kurs“, die schon jetzt in vielen Bereichen des Unternehmens zu „Verzweiflung über ständig zunehmende Arbeitsverdichtung“ führe.
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Mit dem neuen angekündigten Kahlschlag-Programm, so Hufnagel, gerate die Belegschaft nun „unter Umständen vom Regen in die Traufe“. Denn schon heute können viele von der steigenden Arbeitsbelastung und Kündigung bedrohte Mitarbeiter:innen des Versand-Konzerns eines nicht mehr sagen: Otto – find ich gut.