Bezirk will große Änderung: Gefährliche Verkehrsachse? Polizei widerspricht komplett

Die Simon-von-Utrecht-Straße wurde schon als drittschlechteste Straße für Fahrradfahrer in Hamburg bewertet.
Die Simon-von-Utrecht-Straße wurde schon als drittschlechteste Straße für Fahrradfahrer in Hamburg bewertet.

Während sich auf der Reeperbahn beim Thema Fahrradwege bereits viel getan hat, wurde die parallel verlaufende Simon-von-Utrecht-Straße bislang nur stiefmütterlich behandelt – zumindest sieht das die Ampel-Koalition in Hamburg-Mitte so. Die Straße sei bekannt für „illegale Autorennen, Verkehrsbelastung und aggressives Fahrverhalten“, heißt es. Deshalb müsse sich etwas ändern, eine mögliche Verkehrsberuhigung wurde in den Raum geworfen. Die Polizei zeichnete am Mittwochabend im Ausschuss allerdings ein komplett anderes Bild.

Die 600 Meter lange Simon-von-Utrecht-Straße zwischen Millerntorplatz und Holstenstraße landete bereits mehrfach in den „Flop 10“ des Hamburger Fahrradclubs ADFC. Der Kritikpunkt: Es gebe einfach keinen richtigen Radweg, das sorge für ein unsicheres Gefühl.

St. Pauli: Bezirk will Simon-von-Utrecht-Straße verändern

Die Ampel-Koalition in Hamburg-Mitte – SPD, Grüne und FDP – forderte deshalb bereits im Juni 2025 mehr Verkehrsberuhigung in der Straße. Diese liege immerhin „mitten im Wohn- und Ausgehviertel – hier müssen Sicherheit und Rücksicht im Vordergrund stehen“, sagte damals Anna Löwe, stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende. Seit 2022 gilt dort bereits nachts Tempo 30.

Am Mittwochabend stellte die Polizei ihre Sicht im Mobilitätsausschuss vor – und die fällt ganz anders aus als die Einschätzung des Bezirks. Die Beamten sprachen mehrfach von einem „komplett unauffälligen Bild“. In diesem Jahr gab es bislang 23 Unfälle, fünf Menschen wurden verletzt. Vier der Unfälle betrafen Radfahrer, allerdings nur einer davon einen Zusammenstoß mit einem Auto – „das war zusätzlich eine Baustellensituation“, wie ein Polizeivertreter betonte.

Keiner der Unfälle seien auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen, ergänzte er. Auch illegale Autorennen habe die Polizei nicht festgestellt. „Die Simon-von-Utrecht-Straße ist komplett unauffällig und wie jede andere zweispurige Straße in Hamburg.“

Sehr wenige Radfahrer in Simon-von-Utrecht-Straße unterwegs

Die Daten zeigen allerdings auch: Aktuell sind in der Straße kaum Radfahrer unterwegs. Bei einer siebentägigen Verkehrszählung im Sommer entfielen 55 Prozent des Verkehrs auf Autos, 36 Prozent auf Lkw und Transporter – und nur sieben Prozent auf Zweiräder. In dieser Kategorie sind allerdings auch E-Scooter enthalten.

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„Kann es sein, dass es nur deshalb wenige Unfälle gibt, weil viele Radfahrer diese Straße meiden und lieber über die Reeperbahn oder die Budapester Straße fahren?“, wollte Urte Manjowk von den Grünen wissen. Doch darauf konnten die Vertreter der Polizei keine Antwort geben, das sei eine hypothetische Frage. „Wir bewerten nicht, ob sich in dieser Straße bezüglich der Verkehrsberuhigung etwas tun müsste“, betonten sie. „Wir stellen heute Abend nur die Daten und Fakten vor.“

Übergang zur Louise-Schroeder-Straße ist „unglücklich“

Besonders „unglücklich“ sei das Ende der Simon-von-Utrecht-Straße an der Kreuzung zur Holstenstraße, bemängelt Gudula Holzheid von den Grünen. Denn wer mit dem Rad geradeaus weiter in die Louise-Schroeder-Straße wolle, müsse sich in die mittlere Fahrspur einordnen. „Das birgt Gefahrenpotenzial“, ist sie sicher. Auf der Holstenstraße müsse dann auch noch der Radweg zur Louise-Schroeder getroffen werden. „Da sind wir im Bezirk-Mitte nicht zuständig“, antwortete ein Vertreter des Bezirksamtes. „Das müssten die Kollegen in Altona dann beantworten.“ Holzheid konnte darüber nur den Kopf schütteln.

An diesem Abend wurde zunächst keine Entscheidung getroffen. Die Initiative der Koalition wird nun durch die verschiedenen Gremien der Bezirkspolitik weitergereicht, bevor eventuell ein erstes Verkehrskonzept erstellt wird.