Bettina Tietjen packt aus: Wer niemals campen sollte – und was jeder Camper braucht
Ostern beginnt die Campingsaison – und sie ist die wahrscheinlich berühmteste Camperin des Landes: NDR-Moderatorin Bettina Tietjen, bekannt für ihre gute Laune – und ihr weiß-gelbes Tietjen-Mobil, mit dem sie und ihr Mann („der Ingenieur“) wochenlang durch Europa gondeln. Für die Sendereihe „Tietjen campt“ dürfen auch mal prominente Gäste Camping-Luft schnuppern, nun gibt es sogar ein neues Buch. Was man zwischen umgekipptem Klobehälter und gefräßigen Wildschweinen so alles erlebt, wer auf keinen Fall campen sollte und was sie auf Campingplätzen immer wieder zum Staunen bringt? Bettina Tietjen plaudert aus dem Vorzelt.
Bettina Tietjen über…
… Menschen, die keinesfalls campen sollten: Jeder, der empfindlich oder ein bisschen etepetete ist, für den ist Campen gar nichts. Ich war mal mit einer Freundin campen, die kriegte schon beim Anblick vom Klohaus Pickel und ich habe da gar nichts Schlimmes gesehen. Man sollte auch aushalten, dass man die Leute nebenan reden hört und auch mal schnarchen. Ich habe auch schon mal eine Kröte im Klo gefunden oder eine Schlange in der Dusche, das muss man abkönnen.
… gefräßige Wildschweine und Mitcamper mit röhrenden Stromgeneratoren: Grundsätzlich sind Menschen nerviger, gegen Tiere kann man sich ja schützen, indem man etwa sein Essen immer einpackt. Aber Leute, die sich direkt neben einen stellen und extra laut sind – das verstehe ich nicht. Kommt aber selten vor, Camper sind eigentlich tolerante Menschen.
… das Tietjen-Mobil: Wenn wir mit dem ganzen TV-Team für „Tietjen campt“ auf den Campingplätzen ankommen, dann kriegt das natürlich jeder mit. Und oft sind die Leute ganz erstaunt, dass unser gelb-weißer Bus tatsächlich mein privater Campingbus ist. Das ist der Lieferwagen, den wir vor 26 Jahren ausgebaut haben. Inzwischen ist auch mein Mann stolz, dass unser Schätzchen auf seine alten Tage so berühmt geworden ist. Sehr laut, ohne Klimaanlage, aber immerhin mit einem kleinen mobilen Campingklo.
Bettina Tietjens Malheur mit dem Campingklo
… das Erlebnis mit dem mobilen Campingklo: Eigentlich leert mein Mann das immer, aber dieses eine Mal machte ich mich mit dem Fahrrad auf den Weg zur Entsorgungsstelle. In Frankreich. Mir kam ein Hund entgegen, ich wich aus, der Behälter rutschte runter und kippte auf den Weg. Und in dem Moment guckte eine Frau aus ihrem Wohnmobil und rief: „Frau Tietjen! Was machen Sie denn hier?“ Wochenlang hat mich keiner erkannt, aber ausgerechnet das Malheur sieht natürlich eine Camperin aus Pinneberg.
… Dinge, die sie auf Campingplätzen immer noch überraschen: Für mich ist immer der schöne Ausblick aus dem Camper das Wichtigste, es gibt aber Menschen, die stellen ihr Mobil mit dem Rücken zum See. Oder welche, die bei schönstem Wetter in ihrem riesigen Wohnmobil sitzen. Oder Leute, die direkt aus dem Topf essen. Das wundert mich schon, sowas, man macht es sich doch schön! Was mich nicht wundert: Wenn da eine Frau vorm Zelt sitzt und ihre Fußnägel schneidet. Hab’ ich auch schon gemacht. Wo soll man das denn sonst machen, wenn man wochenlang unterwegs ist?
… Hochhäuser: So nenne ich diese großen Wohnmobile. Da stehen die dann Wand an Wand, dazwischen eine kleine Gasse. Eher Parkplatz als Campingplatz.
Spät erwachte Liebe zum Campen
… ihre spät erwachte Liebe zum Campen: Als Kind war ich nie campen, hab’ aber immer meine Freundinnen beneidet, die damals schon mit ihren Eltern in Rimini gezeltet haben. Meine Eltern gehörten zur Nachkriegsgeneration, die waren froh über ihr Reihenhaus und den jährlichen Urlaub in den Bergen. Ich bin das erste Mal nach dem Abi mit einem umgebauten VW-Bus in Südfrankreich unterwegs gewesen, drei Jungs, drei Mädchen und die große Freiheit, das war toll. So richtig los ging es aber, als ich mit 31 Jahren meinen Mann kennengelernt habe, der sich damals schon einen Campingbus selbst ausgebaut hatte.
… anfängertaugliche Campingplätze im Norden: Spitzenort am Plöner See, Ahoi Camp in Prerow auf dem Darß und das Elbecamp in Rissen.
… Glamping: Das ist super, wenn jemand sich rantasten will: Einfach mal eine Nacht in einem Fass oder in einem dieser schicken Zelte mit eigenem Klo und Dusche verbringen. Mein persönlicher Glamping-Moment war auf einem Platz, der jeden Stellplatz mit einem eigenen Klo- und Duschhäuschen versehen hatte.
… drei Dinge, die ein Camper immer dabeihat: Werkzeug, wenn mal was mit dem Camper ist, eine Stirnlampe, wenn man abends draußen noch lesen will, und ein mobiles Klo, damit man nachts nicht quer über den Platz laufen muss. Ach, und ganz wichtig: eine Hängematte. Ich liebe es, an den schönsten Plätzen einfach abzuhängen.
Tietjens Camping-Traumziel: Neuseeland
… Traumziel: Neuseeland. Aber auch Südspanien und Portugal, wenn wir mal mehr als vier Wochen am Stück Zeit haben. Und sollten wir mal einen Camper mit Heizung haben, wäre auch Skandinavien mal dran.
… gute Camping-Rezepte: Meine Lieblingsrezepte habe ich in meinem neuen Buch aufgenommen: alles, was man in einem Topf und mit einer Platte hinbekommt. Wok geht auch.
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… Ravioli: Gibts bei mir nicht. Aber als Ingolf Lück mal bei „Tietjen campt“ war, hatte er jede Menge Dosen dabei. Er fand, das gehört zum Campen dazu. Ich war erstaunt, was für dolle Sorten es da inzwischen gibt, mit Chili und so.