Christiane Meyer-Rogge-Turner (81) beim Tanzunterricht. Sie leitet seit fast 50 Jahren die Lola Rogge Schule.

Christiane Meyer-Rogge-Turner (81) beim Tanzunterricht. Sie leitet seit fast 50 Jahren die Lola-Rogge-Schule. Foto: Florian Quandt

Hier lernen Kinder Selbstvertrauen, Mut und Kreativität

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Heute ist ein besonderer Tag. Ständig müsse sie an Tulpen denken. Weil ihre Mutter, die heute Geburtstag gehabt hätte, die Blumen so sehr liebte. Seit fast 50 Jahren führt die 81-jährige Christiane Meyer-Rogge-Turner, die von allen nur „Mütze“ genannt wird, das Erbe ihrer Mutter fort. Einer Frau, die vor fast 100 Jahren eine Tanzschule gründete, die Hamburg bis heute prägt: die Lola-Rogge-Schule in Blankenese und Hohenfelde, in der Kinder nicht nur Schrittfolgen lernen, sondern auch Selbstvertrauen, Mut und Kreativität.

Eine Zeit ohne Tanzschule? Die gab es für Christiane Meyer-Rogge-Turner kaum. Ihre Mutter Lola Rogge, gefeierte Tänzerin und Choreografin, war oft unterwegs, gefordert, sichtbar. Christiane und ihre drei Geschwister sahen die Mutter, die schon mit 19 Jahren ihre Tanzschule gegründet hatte, wenig zu Hause. „Meine Mutter war eine elegante Frau, energisch, sorgfältig und natürlich auch begeisternd. Ich habe sie bewundert“, sagt Christiane Meyer-Rogge-Turner.

Ein Autounfall riss sie aus dem Alltag

Diese Bewunderung bekam Ende der 1950er Jahre einen kleinen Riss. Weil die Mutter sich die langen Haare abschnitt. Der Dutt war weg. „Ich weinte, weil sie nun nicht mehr so aussah wie meine Traummutter“, erzählt die Tochter und lächelt dabei. Nach dem Abitur dachte sie zunächst nicht daran, die Tanzschule einmal zu übernehmen. Sie wollte weg, „wie jeder“, und ging zum Philosophie-Studium nach Tübingen. Doch nach nur einem Semester kehrte sie nach Hamburg zurück. Ein Autounfall riss sie aus dem Alltag. Ein Freund fuhr, sie saß daneben. „Ich ging durch die Scheibe des Wagens“, sagt sie nüchtern.

Sie versuchte in Hamburg weiter zu studieren, wollte nebenher die Tanzausbildung machen, doch es wurde zu viel. Sie brach das Studium ab. Jahre später verließ sie die Tanzschule jedoch, um wieder zu studieren. Erst in Zürich, danach in Berlin. „Man sieht, diese Jahre waren eine große Suche“, sagt sie. „Nach einer Art Sinn.“ Und doch führte der Weg immer wieder zurück zur Tanzschule.

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Dass sie schließlich blieb, hatte mit einem Einschnitt zu tun: dem Tod ihres Vaters 1975. Da wurde ihr plötzlich klar, dass es eine Entscheidung brauchte. „Entweder mache ich die Tanzschule oder ich tüdel mit irgendwelchen Studien rum.“ 1977 übernahm sie die Leitung. Nicht, weil die Mutter es verlangt hätte, sondern weil sie selbst es wollte.

Mit Christiane Meyer-Rogge-Turner als Leiterin änderte sich der Ton. Als „typische 68erin“, wie sie sich selbst bezeichnet, wollte sie Distanz abbauen. „Meine Mutter war eine großartige Lehrerin mit einer starken Persönlichkeit und hat dadurch natürlich auch sehr viel Distanz geschaffen.“ Christiane Meyer-Rogge-Turner wollte diese Distanz überwinden, empathischer unterrichten, zugänglicher sein. „Es ist mir nicht unbedingt gelungen, aber es war meine Idee.“ Und sie weiß, dass Empathie Grenzen hat, wenn eine Aufführung ansteht. „Da muss alles funktionieren.“

Die Leiterin der Tanzschule mit Roksana Maria von Dobrzyn von der Haspa Hamburg Stiftung. Florian Quandt
Die Leiterin der Tanzschule mit Roksana Maria von Dobrzyn von der Haspa Hamburg Stiftung.
Die Leiterin der Tanzschule mit Roksana Maria von Dobrzyn von der Haspa Hamburg Stiftung.

Noch immer ist die Schule für sie ein Zuhause, aber manchmal wird es ihr auch zu viel. „Ich bin auch froh, wenn ich mal raus bin. Vor allen Dingen inzwischen.“ Gleichzeitig sagt sie: sich vorzustellen, in ihrem Alter irgendwo ohne diese Lebendigkeit zu wohnen, sei „furchtbar“.

Heute tanzen an den beiden Standorten an der Straße Landwehr (Hohenfelde) und im Hirschparkhaus an der Elbchaussee (Blankenese) zwischen 500 und 600 Kinder und Jugendliche. Zugleich ist die Schule Ausbildungsort: Es wird eine dreijährige, staatlich anerkannte Ausbildung für Tanzpädagog:innen geboten. Und obwohl sie als Leiterin genug zu tun hätte, unterrichtet Christiane Meyer-Rogge-Turner weiterhin. Zwei Stunden pro Woche Laien, vor allem aber die rund 40 angehenden Tanzpädagog:innen in Improvisation und Gestaltung. Da tanzt sie dann auch noch. „Sonst aber nicht“, sagt die Frau, die von allen „Mütze“ genannt wird, weil sie schon in der Kindheit immer Mützen trug.

Verein der Lola-Rogge-Schule bietet kostenlose Workshops

Dass das Weiterbestehen der Schule nicht allein von Leidenschaft abhängt, sondern von finanzieller Stabilität, ist eines der Themen, die sie umtreiben. Seit September 2025 gibt es unter dem Dach der Haspa Hamburg Stiftung die Lola Rogge Stiftung. Ihr Zweck: die Schule durch finanzielle Förderung zu erhalten. Sie sagt offen, dass ihr „ein bisschen bange“ sei, was nach ihrem Tod passiert. Eine langjährige Kollegin, die Tanzpädagogin Katja Borsdorf, wird die Leitung übernehmen. „Ich habe niemanden gefunden, der eine Tanzschule leiten möchte und zu gleicher Zeit die finanzielle Verantwortung tragen kann.“ Es gab Jahre mit zu wenig Einnahmen. „Es ist immer auch ein Auf und Ab“.

Wie sehr sich die finanzielle Situation vieler verschlechtert hat, sieht die Leiterin an ihren Berufsschülern. Manche können das Schulgeld kaum aufbringen. Der 2008 gegründete Verein „Lola Rogge – Tanz entwickeln“ unterstützt die Schüler. Gegründet wurde er ursprünglich, um auch außerhalb der Schule „tanzkulturelles Leben“ zu ermöglichen – etwa durch kostenlose Workshops an Schulen. Und auch wenn Eltern, deren Kinder längst tanzen, irgendwann sagen, sie könnten die etwa 60 Euro im Monat für den Unterricht nicht mehr bezahlen, werden sie unterstützt.

Es ist Christiane Meyer-Rogge-Turner wichtig, möglichst viele Kinder zu erreichen. „Tanzen hat einfach eine befreiende Kraft. Durch die Konzentration, die Verbindung mit anderen Menschen, mit Musik, mit der Möglichkeit, sich auszudrücken, das ist etwas ganz Wunderbares.“


Die Bessermacher – eine Aktion von MOPO und Haspa MOPO
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Die Bessermacher ist eine Aktion von der MOPO und der HASPA.

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Neue Kostüme für die große Jubiläumsfeier

Gutes verdient Unterstützung. Mit der Aktion „Die Bessermacher“ wollen wir nicht nur engagierte Menschen zeigen. Die Projekte bekommen auch finanzielle Hilfe und langfristige Unterstützung.

Die Lola Rogge Stiftung, die Kapital sammelt, um die Schule zu erhalten, wurde unter dem Dach der Haspa Hamburg Stiftung gegründet und wird dort treuhänderisch von Roksana Maria von Dobrzyń verwaltet. „Frau Meyer-Rogge-Turner engagiert sich in besonderer Weise für die kulturelle Bildung und Tanzvermittlung und steht exemplarisch für nachhaltiges gesellschaftliches Engagement“, sagt von Dobrzyń.

Die Lola Rogge Schule wird auch finanziell unterstützt. Zum 100. Geburtstag der Tanzschule wird es eine Jubiläumsfeier im kleinen Saal der Elbphilharmonie geben. Die Vorbereitungen laufen bereits und Kostüme sollen angeschafft werden. Die Haspa kümmert sich um die Finanzierung aus den Mitteln des Haspa-Lotteriesparens.

LotterieSparen für den guten Zweck

Jedes Jahr werden über das Haspa LotterieSparen rund 2,3 Millionen Euro für gemeinnützige Einrichtungen in und um Hamburg ausgeschüttet. Die Teilnehmer kaufen Spar-Lose für je fünf Euro. Davon gehen vier Euro direkt auf das Sparkonto, 75 Cent fließen in eine Verlosung mit Geldpreisen bis zu 30.000 Euro – und mit 25 Cent werden gemeinnützige Einrichtungen gefördert.

So können jedes Jahr mehr als 500 Fördermaßnahmen umgesetzt werden. Unterstützt werden Sportvereine, Bildungs-, Pflege- und Senioreneinrichtungen, Hilfsorganisationen, Museen, Theater und viele mehr. Die Teilnahme ist ganz einfach über das Online-Banking und auf haspa.de/lotteriesparen möglich.

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