Bessermacher

Das ist Hamburgs Lehrer des Jahres

Julian Lee im Flur mit Plakaten und bunten Flaggen im Gymnasium Allermöhe.
Der „ausgezeichnete“ Lehrer Julian Lee (36) im Flur des Gymnasiums Allermöhe. Hier ging er selber früher zur Schule.

Julian Lee (36) erhielt den Deutschen Lehrkräftepreis. Ehemalige Schüler:innen nominierten ihn.

Julian Lee (36) vom Gymnasium Allermöhe ist ein „Ausgezeichneter Lehrer“. Das sagen nicht nur seine Schüler:innen. Anfang des Jahres erhielt er den Titel beim renommierten Deutschen Lehrkräftepreis. Vorgeschlagen hatten ihn seine ehemaligen Schützlinge. Für den Mann, der sich weit über seinen Beruf hinaus engagiert, ist genau das die größte Auszeichnung.

Julian Lee ist ein Lehrer, der niemanden übersieht. Der auf das Leben vorbereitet, zuhört, ermutigt und prägt. „Seine Wirkung reicht weit über das Klassenzimmer hinaus. In die Gesellschaft, in unsere Haltung, in das, was wir weitertragen.“ Das sagen die Schüler:innen über den Mann mit den halblangen Haaren und den Tätowierungen am Arm. Ein cooler Typ, der auf dem Flur des Gymnasiums Allermöhe steht.

Ein junger Mann in Jeans und Hemd kommt vorbei. Er verzieht lächelnd das Gesicht. „Ach, geht doch um nichts. Entspann dich. Das schaffst du“, ruft der Lehrer dem Schüler hinterher, der zu seiner mündlichen Abiturprüfung eilt. Viele Jahre zuvor hat Julian Lee selbst sein Abi an dieser Schule gemacht. Keine einfache Zeit für ihn. Er hatte keinen Bock auf Unterricht. „Ich war ein sehr originelles Kind, um es pädagogisch auszudrücken. Quatsch machen, dumme Witze reißen, Klassenclown.“ Lehrer zu werden, dazu haben ihn seine damaligen Lehrkräfte bewogen. Sie inspirierten ihn und sind heute zum Teil seine Kollegen. „Anfangs war das ziemlich seltsam“, sagt er grinsend.

„Für die meisten mögen Teenie-Probleme banal klingen, aber für die Kids ist das gerade ihre ganze Welt“

Dass er vor elf Jahren ausgerechnet an seiner alten Schule gelandet ist, war kein Zufall. Julian wollte etwas zurückgeben. An dem Ort, an dem er aufgewachsen ist. Heute unterrichtet er Englisch, Philosophie und Informatik und lebt mit seiner Verlobten und drei Katzen in Bergedorf. Für ihn zeichnet eine gute Lehrkraft aus, „dass sie versteht, dass es weniger um Lernstoffvermittlung geht als um Lernbegleitung.“ Man müsse erstmal dafür sorgen, dass es den Schüler:innen gut geht. „Wenn sich Kids überfordert fühlen und das Gefühl haben, sie können nichts mitbestimmen, nichts gestalten, dann sind sie frustriert und schalten ab“, sagt der Lehrer, der seit seiner Schulzeit begeisterter Gitarrist ist und eine eigene Band hat.

Frontalunterricht, Stoff runterrattern und sich danach selbst auf die Schulter klopfen. „Wer das tut, hat den Lehrberuf nicht verstanden. Es geht darum, die Kids da abzuholen, wo sie stehen.“ Wichtig ist Julian, immer offen für die Probleme seiner Schüler:innen zu sein. „Für die meisten mögen Teenie-Probleme banal klingen, aber für die Kids ist das gerade ihre ganze Welt und das muss man sehr ernst nehmen.“

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Julian versteht sich als Lernbegleiter, der nicht permanent vorgibt, sondern unterstützt. Er nimmt sich Zeit zum Schnacken und für bewegte Pausen an der frischen Luft. Das müsse sein, denn die langen Schultage seien die größte Herausforderung. Die meisten Schüler:innen hätten fast täglich zehn Stunden Unterricht. „Das empfinde ich als unmenschlich. Und das überfordert viele auch sehr.“

Die langen Tage, der Stress und Leistungsdruck – viele können dem nicht standhalten. Julian wundert es nicht, dass immer mehr seiner Schützlinge mit anbahnenden Depressionen psychologische Hilfe brauchen oder sogar in Kliniken müssen. „Am Ende lässt sich das oft auf einen Selbstwert zurückführen, der an Leistung geknüpft ist. Einer der Hauptfaktoren ist das System Schule.“

Die Bessermacher

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Julian bekommt als Verbindungslehrer und Ansprechpartner für Begabtenförderung und Berufsorientierung viel mit. Es ärgert ihn, wenn die Kinder leiden, weil sie wegen eines durchschnittlichen Zeugnisses massiven Stress mit den Eltern haben. Oder wenn sie Mobbing ausgesetzt sind. Ein häufiges Thema sind wüste Beleidigungen in Chatgruppen. „Früher wurde auch gemobbt. Aber damals war nach der Schule Ruhe. Heute wird man in Chats und auf Social Media bis zum Schlafengehen weiter beleidigt.“ 

„Ich habe diesen Preis stellvertretend für viele Lehrkräfte erhalten“

Julian will etwas verändern. Er hört zu, nimmt ernst, begleitet. Und das mit Erfolg. Die meisten seiner ehemaligen Schüler:innen, die er bei regelmäßigen Treffen wiedersieht, haben etwas gefunden, was sie glücklich macht. Sie waren es, die ihn für den Deutschen Lehrkräftepreis vorgeschlagen haben. Das berührt ihn sehr. „Ein kleiner Ritterschlag.“ Trotzdem ist ihm die ganze Aufmerksamkeit etwas unangenehm. Es fühle sich seltsam an, so sehr im Fokus zu stehen. „Ich habe diesen Preis stellvertretend für viele Lehrkräfte erhalten.“ Dennoch tut es ihm gut, wahrgenommen zu werden. Mehrfach saß er bereits mit Schulsenatorin Ksenija Bekeris zusammen und sprach mit ihr über Demokratiebildung und Berufsorientierung.

Neben seiner Arbeit engagiert sich Julian seit Jahren für den Duschbus „GoBanyo“. Er ist Gesellschafter und im strategischen Geschäft tätig. Auch beim „Sonnenschein Café“ in Ottensen, einem Projekt für Obdachlose, hat er in der Gründungszeit viel geholfen. Zudem ist er seit Jahren im Vorstand des Clubkinder e. V. – eines Vereins, der Menschen ins Ehrenamt bringt. Momentan liegt der Fokus auf Schüler:innen. „Mich selbst hat das nachhaltig geprägt. Die Kids sollten viel früher erleben dürfen, wie es ist, sich ehrenamtlich zu engagieren.“ Für ihn ist das Wichtigste, was er seinen Schüler:innen mitgeben möchte: „Dass sie etwas wert sind, unabhängig von Leistung.“

Haspa finanziert Technik für digitale Schülerzeitung und Podcast

Gutes verdient Unterstützung. Mit der Aktion „Die Bessermacher“ wollen wir nicht nur engagierte Menschen zeigen. Die Projekte bekommen zudem finanzielle Hilfe und langfristige Unterstützung.


LotterieSparen für den guten Zweck

Jedes Jahr werden über das Haspa-LotterieSparen rund 2,3 Millionen Euro für gemeinnützige Einrichtungen in und um Hamburg ausgeschüttet. Die Teilnehmer kaufen Spar-Lose für je fünf Euro. Davon gehen vier Euro direkt auf das Sparkonto, 75 Cent fließen in eine Verlosung mit Geldpreisen bis zu 30.000 Euro – und mit 25 Cent werden gemeinnützige Einrichtungen gefördert.

So können jedes Jahr mehr als 500 Fördermaßnahmen umgesetzt werden. Unterstützt werden Sportvereine, Bildungs-, Pflege- und Senioreneinrichtungen, Hilfsorganisationen, Museen, Theater und viele mehr. Die Teilnahme ist ganz einfach über das Online-Banking und auf haspa.de/lotteriesparen möglich.

„Wir bewundern das Engagement von Julian Lee – privat und als Lehrer. Es ergeben sich immer wieder tolle Kooperationen, zum Beispiel bei der Berufsorientierung“, sagt Özcan Aydogan. Er ist Vize-Filialdirektor der Haspa Neuallermöhe, deren Mitarbeitende die Schule im Rahmen von Berufsorientierungstagen besuchen, über Bankberufe informieren und Bewerbungstipps geben. 

Julian Lee und ein Haspa-Mitarbeiter stehen vor dem Gymnasium Allermöhe und zeigen aufeinander.
Unterstützen sich: Julian Lee mit Özcan Aydogan von der Haspa Neuallermöhe.

Die Schule wird auch finanziell unterstützt. Der Schulverein hilft, Lücken zu schließen – bei Klassenfahrten, der Bigband oder kreativen Projekten. Als Nächstes soll eine digitale Schülerzeitung mit Podcast entstehen. Dafür wird Technik benötigt. Die Haspa kümmert sich um die Finanzierung aus den Mitteln des Haspa-Lotteriesparens.


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