Beschlossen! So sieht die neue Köhlbrandbrücke aus
Die markante Köhlbrandbrücke im Hafen gilt als eins von Hamburgs Wahrzeichen – und sie ist ziemlich marode. Deshalb soll das 1974 eröffnete Bauwerk durch einen Neubau ersetzt werden. Im vergangenen Jahr tagte dazu eine Jury, die schließlich einen Siegerentwurf krönte. Wir zeigen Ihnen, wie die neue Brücke aussehen soll – und beantworten eine Frage, die sich wohl jeder beim Anblick des Entwurfs stellt.
Zu finden ist diese Nachricht bislang ganz unauffällig im Amtsblatt der Europäischen Union – denn der Wettbewerb für die Köhlbrandbrücke wurde von der Hafenbehörde Hamburg Port Authority (HPA) europaweit ausgeschrieben.
Neue Köhlbrandbrücke: Das ist der Siegerentwurf
Gewinner ist demnach eine Bietergemeinschaft, bestehend aus dem Hamburger Ingenieurbüro Grassl GmbH, den Ingenieuren von Schlaich Bergermann Partner und den Hamburger Bauingenieuren WTM Engineers. Schlaich Bergermann Partner und WTM Engineers haben unter anderem auch den geplanten Neubau der A26 über die Süderelbe entworfen.
Die neue Köhlbrandbrücke sieht auf den ersten Blick fast genauso aus, wie die alte – das war auch eine der Vorgaben des Wettbewerbs. Sie ist mit einer Durchfahrtshöhe von 73,50 Metern allerdings 20 Meter höher und bekommt deshalb auch längere Rampen. So soll es auch den größten Containerschiffen möglich sein, darunter zum Terminal Altwerder zu fahren. Die neuen Pylonen und Stützpfeiler sehen ebenfalls ein wenig anders aus. „Wir planen ein Jahrhundertbauwerk mit fast einem Jahrzehnt Bauwerk“, hatte Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD) bereits 2024 angekündigt.
Die neue Brücke wird weitgehend parallel zur alten gebaut, da letztere erst abgerissen werden soll, wenn die neue in Betrieb ist. Nach bisherigen Plänen soll die neue Brücke im Jahr 2042 für den Verkehr freigegeben, aber eventuell erst im dritten Quartal 2046 komplett fertiggestellt werden.
Entschieden hat über den Siegerentwurf eine Jury, bestehend aus einem Fach- und einem Sachgremium. Im Fachgremium saßen unter anderem Hamburgs Oberbaudirektor Franz-Josef Höing, ein Vertreter der Hamburgischen Ingenieurkammer sowie andere deutschlandweit vertretene Ingenieur- und Architekturbüros.
Das Sachgremium setzte sich wiederum zusammen aus HPA-Chef Jens Meier, Vertretern der Hamburg Projekt Realisierungsgesellschaft ReGe und des Unternehmensverbands Hafen Hamburg sowie mehreren Hamburger Politikern. Dabei handelte es sich um Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD), Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein (SPD) und Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) sowie mehrere Bürgerschaftsabgeordnete von SPD, Grünen und CDU.
Jury hat über Siegerentwurf für neue Köhlbrandbrücke entschieden
Nach MOPO-Informationen ging es in den Sitzungen der Jury weniger um das Aussehen der neuen Brücke, dafür vor allem darum, wie das Bauwerk am besten die künftigen Verkehrslasten tragen kann: Derzeit fahren schon rund 38.000 Fahrzeuge täglich über die Köhlbrandbrücke, der Schwerlastverkehr macht mit 37 Prozent einen sehr großen Anteil davon aus. Um die marode Brücke zu schonen, gilt seit April 2025 eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde. Lkw müssen einen Mindestabstand von 50 Metern halten und dürfen seit 2012 nicht auf der Brücke überholen.
Neue Brücke über die Elbe kostet bis zu 5,3 Milliarden Euro
Laut dem EU-Amtsblatt fiel die Entscheidung für die neue Brücke bereits im November 2025 – und doch hörte man noch keinen Piep aus dem Hamburger Rathaus. Das liegt am Wettbewerbsverfahren, erklärt Martin Helfrich, Sprecher der Wirtschaftsbehörde. Die Vergabekammer müsse noch den Auftrag an die Gewinner erteilen, solange sei noch nichts offiziell. Zudem gibt es bei diesem EU-Wettbewerb noch eine Frist, in der andere Teilnehmer Einspruch gegen die Sieger-Entscheidung legen können. Diese läuft erst in ein paar Wochen ab.
Schon im Jahr 2012 hatte die Hafenbehörde HPA erklärt, dass die Köhlbrandbrücke nicht mehr zu retten sei, der damalige Bürgermeister Olaf Scholz verkündete daraufhin den Abriss. Erst viele Jahre später kam ein Gutachten ans Licht, laut dem man die Brücke hätte sanieren und ihre Lebensdauer verlängern können. Zu diesem Zeitpunkt hatte die HPA aber schon ihre Lieblingsversion, einen neuen Bohrtunnel unter der Elbe, vorangetrieben. 2024 kam der Tunnel aufgrund der enormen Kosten von 6,1 bis 7,1 Milliarden wieder vom Tisch. Die Kalkulationen für die neue Brücke liegen derzeit bei 4,4 bis 5,3 Milliarden.