Beim „Feuersturm“ 1943 überlebten hier 800 Menschen

MOPO-Reporter Thomas Hirschbiegel in einem Schlafraum mit dreistöckigen Betten.
Beklemmend: MOPO-Reporter Thomas Hirschbiegel in einem Schlafraum mit dreistöckigen Betten.

Bis zu 100.000 Autos fahren täglich über die Bürgerweide, so mancher Autofahrer steht hier wegen der Dauer-Brückenbaustelle im Stau und blickt neugierig auf einen geheimnisvollen verrammelten Eingang im Hang. Dort verbirgt sich eines der interessantesten unterirdischen Bauwerke Hamburgs. Die MOPO schaute sich den Rundbunker in Borgfelde einmal an.

Den Schlüssel besitzt Ronald Rossig vom Verein „Unter Hamburg“, er gewährte der MOPO schon mehrfach Einblicke in Bauwerke aus der Nazizeit. Immerhin wurden in der Hansestadt bis 1945 rund 1200 „Schutzbauten“ errichtet, etwa die Hälfte steht noch. Das Bauwerk am S-Bahnhof Berliner Tor wiederum ist ein Unikat.

Bunker am Bahnhof Berliner Tor wurde 1940 gebaut

Im Rahmen des „Luftschutz-Sofortprogramms“ wurde der Bunker 1940 gut zehn Meter tief in die Erde gebaut. Die Betondecke war 1,50 Meter dick, die Wände waren sogar bis zu zwei Meter stark. Beim „Feuersturm“ im Sommer 1943 bewährten sich diese Armierungen, hier überlebten etwa 800 Menschen aus den zerbombten Stadtteilen Hammerbrook und Borgfelde.

Nach 1945 wollte keiner mehr was von Bunkern wissen. Das änderte sich spätestens nach dem Mauerbau 1961, als der Kalte Krieg auf dem Höhepunkt war und sich die Supermächte USA und UdSSR lauernd gegenüberstanden. Aus diesem Grund startete die BRD Versuche, Weltkriegsbunker so zu modernisieren, dass sie auch bei einem Angriff mit Atombomben Schutz bieten könnten. Ausgewählt wurden ein Hochbunker in Dortmund und eben der Tiefbunker am Berliner Tor. So sind hier neue Bestuhlungen getestet worden. Das führte zum Kuriosum, dass es drei unterschiedliche Designs bei den Sitzgelegenheiten gibt. Außerdem wurden Heizung, Lüftung und Wasserversorgung optimiert. Streng geheim waren die Versuche damals, als der „Spiegel“ berichtete, war die Aufregung groß. 1963 bot der Bunker dann 450 Menschen Schutz.

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Und heute? Plötzlich ist das Thema „Atomkrieg“ ja wieder aktuell, und Bunker könnten dringend benötigt werden. Doch in der Anlage am Berliner Tor wurde 2010 der 150 Meter tiefe Trinkwasserbrunnen verfüllt. Es dürfte Monate dauern, ehe der Bunker wieder in Betrieb genommen werden könnte. Doch sehenswert ist der unter Denkmalschutz stehende Bunker allemal. Der Verein „Unter Hamburg“ bietet Führungen an. Mehrfach versuchten hier auch schon Unbekannte einzudringen, deswegen ist jetzt alles videoüberwacht.