Christian Wittmann (41) in seinem Zelt

Hartgesotten: Christian Wittmann (41) schläft im Zelt – trotz der eisigen Temperaturen Foto: Marius Röer

Bei eisigen Temperaturen: Hamburger zieht ins Zelt – „Naturerlebnis pur“

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Schneesturm und eisige Temperaturen: Die meisten Hamburger bleiben derzeit lieber zu Hause und meiden jeden unnötigen Schritt vor die Tür. Nicht so Christian Wittmann aus Harvestehude: Der 41-Jährige hat am Freitag seine sieben Sachen gepackt und ist ins Zelt gezogen. Ist der verrückt geworden?

Im Alltag arbeitet Christian Wittmann im UKE in der OP-Koordination. Er hat einen achtjährigen Sohn und eine Wohnung in der Brahmsallee. Doch gerade jetzt in der kalten Jahreszeit, in der viele Menschen häuslich werden, zieht es Wittmann nach draußen. Und zwar nicht nur zum Spazierengehen, sondern komplett. Er wollte einen Tapetenwechsel!

Minus 12 Grad: Hamburger trotzt den eisigen Temperaturen – und zieht ins Zelt

Ein Campingplatz kam für den früheren Pfadfinder nicht infrage. „Zu viel Infrastruktur, viel zu konventionell“, findet Wittmann. Nur wohin sonst?

Wittmann schaltete eine Anzeige bei nebenan.de: „Ungewöhnliche Suche: Draußen schlafen”, hieß es da. Darin erklärte Wittmann, dass er einen Platz suche, um sein Zelt aufzuschlagen. Schon bald flatterten die ersten Angebote ein. Wittmann entschied sich für eine Frau, die ihm ihren Kleingarten an einem Alsterarm zur Verfügung stellte.

Campt im Schnee: Christian Wittmann (41) liebt die Nähe zur Natur. Marius Röer
Christian Wittmann (41)
Campt im Schnee: Christian Wittmann (41) liebt die Nähe zur Natur.

Ausgerechnet am Freitag, dem Tag mit der Unwetterwarnung, war es so weit. Wittmann packte seinen Rucksack, nahm Isomatte, Schlafsack und das neue Biwak-Zelt und zog in den Garten. Außerdem noch dabei: eine Thermoskanne mit heißem Tee.

Seit einer dreijährigen Reise rund um die Welt: Outdoorfreak liebt die Nähe zur Natur

„Ich liebe es, der Natur nahe zu sein“, erklärt Wittmann. Schon als Jugendlicher hätten ihn die Abenteuer von Survival-Experte Rüdiger Nehberg fasziniert. Als Pfadfinder am Lagerfeuer sorgte das Spiel mit den Elementen bei ihm für Erdung.

Kurz nach seiner Ausbildung zum Koch habe er dann alles auf eine Karte gesetzt und sei ausgestiegen. Drei Jahre lang ging Wittmann als Backpacker auf Weltreise. Australien, Neuseeland, Thailand, Indonesien. „Am wohlsten habe ich mich weit ab von den touristischen Zonen gefühlt“, erzählt der 41-Jährige. Er habe bei Naturvölkern gelebt und ihre Lebensweisen geteilt – eine Erfahrung, die ihn bis heute geprägt hat.

Zwar holte ihn nach seiner Rückkehr der Alltag ein und er begann ein geordnetes Leben, in den vorhandenen gesellschaftlichen Strukturen, doch gelegentlich überkommt es ihn noch immer. „Ab und zu packe ich meinen Kram und schlafe draußen im Wald”, sagt er. Bis heute sein Weg, um herunterzukommen, bei sich zu sein.

Wittmann ist dankbar für seinen Zeltplatz. „Es ist eigentlich ganz banal, aber wenn ich morgens das Zelt öffne und die Sonne über dem knirschenden Schnee aufgehen sehe, während ich im warmen Schlafsack liege, dann ist das ein Naturerlebnis pur. Es gibt mir ein Gefühl der Rückkehr zum Ursprung.“

Kritik an Schnee-Warnungen: „Das zeigt, wie weit weg wir von unseren Ursprüngen sind“

Über die Unwetterwarnungen, die Aufrufe, zu Hause zu bleiben, und die Worte des Bürgermeisters an die Bevölkerung kann er nur den Kopf schütteln: „Schnee, Sturm, Kälte – das gibt es auf unserem Planeten seit Millionen von Jahren. Die Menschen haben immer gewusst, wie man damit lebt. Dass wir jetzt nicht mehr vor die Tür gehen sollen, zeigt, wie weit weg wir von unseren Ursprüngen schon sind.“

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Wie lange Wittmann sein Domizil im Garten behalten will, weiß er noch nicht. Das hänge auch von der Inhaberin der Parzelle ab. Aber manchmal kommt er ins Träumen: „Vielleicht gebe ich irgendwann mal meine Wohnung auf und mache ein Garten-Hopping. So als Experiment.“

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