Bei dem Riesending zählt jeder Millimeter: Der spektakuläre Transport der Sternbrücke

Eine Visualisierung der neuen Sternbrücke von der Max-Brauer-Allee aus gesehen.
Eine Visualisierung der neuen Sternbrücke von der Max-Brauer-Allee aus gesehen.

Noch fahren täglich tausende Autos unter der Sternbrücke entlang – doch in diesem Sommer wird die Max-Brauer-Allee Schauplatz eines gewaltigen Spektakels: Voraussichtlich Ende Juli wird dort der umstrittene Neubau der Sternbrücke per Schwerlasttransporter bis zu seinem Zielort transportiert, gesteuert mithilfe einer Fernbedienung. Dafür muss die Stresemannstraße kurzzeitig komplett umgestaltet werden, an einer Stelle wird es besonders eng. Was die Deutsche Bahn im Detail plant und was Auto-, Radfahrer und Fußgänger wissen müssen.

Auf der sogenannten Brammerfläche am Schulterblatt sind täglich bis zu 100 Mitarbeiter damit beschäftigt, die neue Sternbrücke zusammenzubauen – verdeckt unter Planen. Aber auch von außen sind die gigantischen Ausmaße schon zu erahnen: 108 Meter lang und 25 Meter hoch soll die Konstruktion einmal werden und die fast 100 Jahre alte Brücke an der Kreuzung Max-Brauer-Allee/Stresemannstraße ersetzen.

Neubau der Sternbrücke wird im Sommer eingebaut

Letztere wird ab dem 17. Juli trotz aller Proteste im Stadtteil endgültig abgerissen. Kritiker, darunter die „Initiative Sternbrücke“ und „Prellbock Altona“, sprechen von einem „städtebaulichen Skandal“, einer „Monsterbrücke“, die nicht in das dicht bebaute Viertel passe.

Projektleiterin Janna Widmaier (36) versteht die Bedenken. „Klar, so ein Neubau ist erst einmal eine große Veränderung. Aber darunter soll eben ein breiterer Straßenraum entstehen“, erklärt sie. „Deshalb wird es untenrum weniger Stützen geben – für die Tragfähigkeit brauchen wir dann aber oben die größeren Bögen.“ Damit die wichtige Zugverbindung, über die täglich mehr als 900 S-Bahnen, Regional- und Fernzüge donnern, auch in Zukunft „zuverlässig und fit“ bleibe, brauche es auf jeden Fall einen Neubau, argumentiert die Deutsche Bahn.

Janna Widmaier (36) ist die Projektleiterin für den Neubau der Sternbrücke.
Janna Widmaier (36) ist die Projektleiterin für den Neubau der Sternbrücke.

Und dieser Neubau muss dann voraussichtlich Ende Juli von der Brammerfläche am Schulterblatt circa 500 Meter bis zu der Kreuzung Max-Brauer-Allee/Stresemannstraße transportiert werden. Vor dem Schwertransport wird die circa 4000 bis 4500 Tonnen schwere Brücke erst noch einmal gewogen und dann auf einen sogenannten „Tausendfüßler“ gehievt. Das ist ein Fahrzeug für extrem schwere und sperrige Lasten, dessen Reifen sich um 360 Grad, also komplett um die eigene Achse, drehen können.

So wird die Straße für den Transport vorbereitet

„Dieses Fahrzeug kann aber so gut wie keine Steigungen erklimmen, deshalb muss die Straße dafür geebnet werden“, erklärt Projektleiterin Widmaier. Bedeutet: Die Straße wird mit Sand aufgeschüttet, damit keine Höhenunterschiede zwischen Bordstein und Fahrbahn bestehen. Darüber werden Stahlplatten gelegt. Sämtliche Ampeln und Fahrradbügel müssen weichen, wenn der Schwertransport dort entlangrollt. 86 Bäume wurden dafür unter Protesten bereits gefällt – dafür 200 an neuen Orten gepflanzt.

Gesteuert wird das Fahrzeug von einem Menschen mit Fernbedienung. „Das Gefährt ist voraussichtlich mit einer Geschwindigkeit von ein bis zwei Kilometern pro Stunde unterwegs“, so Widmaier. „Daneben laufen noch mehrere Sichtposten mit, die alles im Blick behalten und dem Fahrzeugführer helfen.“ Die engste Stelle befindet sich kurz vor der Shell-Tankstelle und den bunten Wohnhäusern – mit einem Abstand von 1,70 und 1,10 Meter von der neuen Sternbrücke bis zur Hauswand. Widmaier ist aber optimistisch, dass der Transport klappen wird. All das wurde mithilfe einer 3D-Modellierung berechnet.

Zwischen dem roten Haus auf der linken und den Wohnhäusern auf den bunten Häusern auf der rechten Seite befindet sich die engste Stelle des Transportweges.
Zwischen dem roten Haus auf der linken und den Wohnhäusern auf den bunten Häusern auf der rechten Seite befindet sich die engste Stelle des Transportweges.

Acht bis zehn Stunden soll es dauern, bis die Brücke an der Ziel-Kreuzung ankommt. Dort wird sie dann in Position gedreht und mithilfe von Hydraulikzylindern und Holzelementen nach oben gedrückt und eingesetzt – laut der Projektleiterin eine Zentimeterarbeit. Ist alles geschafft, muss die Deutsche Bahn dann noch zwei Wochen lang Gleise und neue Oberleitungen einbauen, bevor die ersten Züge darüber rollen können.

Nach aktuellen Planungen wird die Max-Brauer-Allee während der Arbeiten zwischen Stresemannstraße und Schulterblatt vom 26. Juni bis zum 2. September für Autos voll gesperrt. Das genaue Verkehrskonzept will die Deutsche Bahn zusammen mit der Verkehrsbehörde am 10. Juni präsentieren. Fahrradfahrer und Fußgänger sollen aber weiter dort entlangfahren/-laufen können – außer an den Tagen des Brückentransports.

Mit den betroffenen 70 Geschäftsleuten sei man im Austausch, betont die Projektleiterin. Von der Shell-Tankstelle muss wahrscheinlich das Dach abgenommen werden, damit die Brücke daran vorbeikommt. Die Anwohner, die entlang des Transportweges wohnen, müssen voraussichtlich für mehrere Tage ihre Wohnungen verlassen und bekommen von der Deutschen Bahn Hotelzimmer gestellt. Den genauen Zeitpunkt will die Deutsche Bahn ebenfalls Anfang Juni kommunizieren.