Baustellen-Chaos: Jetzt schlägt die letzte Apotheke im Stadtteil Alarm
In Steilshoop gibt es nur noch eine einzige Apotheke – für rund 20.000 Einwohner. Jetzt schlägt deren Chefin, Dorothea Metzner, Alarm. Sie sieht die medizinische Versorgung im Stadtteil in Gefahr. Wegen einer riesigen Baustelle direkt vor der Tür müssen ihre zum Teil betagten Kunden große Umwege auf sich nehmen. Manche kommen gar nicht mehr. Die MOPO hat bei Hochbahn und Verbraucherschutzbehörde nachgefragt, was sie zu den Zuständen sagen. Hinzu kommt: Die Baustelle ist nicht das Einzige, was der Apothekerin Sorgen bereitet.
„Die gesamte Versorgung von Steilshoop wird immer schwieriger“, sagt Metzner laut. Direkt neben ihrer Apotheke im Herzen des Viertels rumpelt ein Bagger. In den 2030er Jahren soll hier die Linie U5 ihre Fahrgäste an der neuen Haltestelle Steilshoop abholen – aktuell klafft dort ein sandiges Loch. Neulich hat sogar ihr Bildschirm auf dem Schreibtisch gewackelt, erzählt Metzner.
Letzte Apotheke in Steilshoop
Im Rahmen der Bauarbeiten muss auch der Fußgängertunnel Gründgensstraße, der den nördlichen mit dem südlichen Teil des Zentrums verbindet, weichen. Seit Juni laufen die Arbeiten. „Die Menschen rufen an und fragen, wie sie zu uns kommen können“, sagt die Apothekerin. Zwischen den Absperrgittern und Holzzäunen würden sich manche Kunden nicht zurechtfinden.
„Ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen haben Schwierigkeiten, die vorhandenen Rampen zu überwinden“, sagt Metzner. „Und wenn man eingeschränkt ist, kann ein Umweg von wenigen hundert Metern auch sehr weit sein.“
Manche Kunden beauftragen Verwandte, ihre Medikamente abzuholen oder lassen sie sich per Bote liefern. „Gerade für ältere Menschen ist der Gang zur Apotheke aber auch eine Chance, kurz vor die Tür zu kommen“, so Metzner. Die werde ihnen jetzt genommen.
Rund 40 Prozent der Einwohner in Steilshoop sind laut aktuellen Daten des Statistikamtes Nord über 50 Jahre alt. Andere Kunden kommen laut Metzner gar nicht mehr, das macht sich für die Apotheke auch wirtschaftlich bemerkbar.
Hochbahn will Baustellen-Plan aushängen
Die MOPO hat bei der Hochbahn nachgefragt, ob es Pläne für alternative Wege oder Rampen rund um die U5-Baustelle gibt. Eine Erreichbarkeit von Ärztehaus und Apotheke sei weiterhin trotz eines Abbruchs des Fußgängertunnels „jederzeit gegeben“, antwortet eine Sprecherin. Sie zeigt zwei Umwege, wie Apotheken und Ärzte barrierefrei erreichbar sein sollen.
Zum einen können die Anwohner von der Westseite über den Parkplatz und die Gebäudedurchführung am Ärztehaus gehen. Dort befinde sich eine deutlich flachere Rampe. Dazu wurden die Schlaglöcher auf dem zu querenden Parkplatz verfüllt. Zum anderen gebe es die Möglichkeit, von der Südseite direkt über den Vorplatz der Martin-Luther-King-Kirchengemeinde zu gehen.
Damit die Steilshooper sich auf der Baustelle besser zurechtfinden, will die Hochbahn außerdem einen Übersichtsplan erstellen, der künftig an wichtigen Knotenpunkten wie der Kirche oder an Bushaltestellen aushängen soll.
„Solange es noch einen Arzt gibt, haben wir Hoffnung“
„Momentan kommen wir noch zurecht und werden alles dafür tun, um hier bleiben zu können“, sagt Metzner. Seit 2019 ist sie Inhaberin der Askania-Apotheke im Einkaufszentrum Steilshoop. Die Apotheke selbst gibt es an diesem Standort schon seit Anfang der 1970er Jahre. Inzwischen ist sie die einzige im Stadtteil, nachdem die Orchideen-Apotheke im vergangenen Jahr aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen hat.
„Solange es noch einen Arzt im Stadtteil gibt, haben auch wir als Apotheke Hoffnung“, sagt Metzner. Doch auch Mediziner gibt es in Steilshoop immer weniger: Wie der Senat auf eine Anfrage des Bürgerschaftsabgeordneten Sandro Kappe (CDU) antwortet, gibt es in Steilshoop nur drei Hausarztpraxen. 2021 waren es noch zehn.
Verbraucherbehörde sagt Unterstützung zu
Nun bereitet der Skandal um das in Zahlungsschwierigkeiten geratene Hamburger Gesundheitsunternehmen Miamedes den Bewohnern zusätzliche Sorgen, denn die einzige große Gemeinschaftspraxis im Viertel wird von dieser Firma betrieben. Außerdem müssen die Apotheke und die Ärzte in Zukunft aus dem dringend sanierungsbedürftigen Einkaufszentrum Steilshoop ausziehen.
„Wir wissen schon, dass es so kommen wird“, sagt Metzner, „aber nicht wann.“ Einen Zeitplan für die Sanierung und alternative Standorte hat sie bisher nicht gesehen.
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Was tut die Stadt, um die Versorgung mit Apotheken in Steilshoop sicherzustellen? Ein Sprecher der Hamburger Behörde für Verbraucherschutz betont, welchen „wichtigen Beitrag“ die Apotheke für Steilshoop leistet.
Er verweist aber auch auf die Niederlassungsfreiheit für Apotheken. Heißt: Es ist allein den Apothekern überlassen, wo sie einen Standort eröffnen oder schließen. „Dessen ungeachtet unterstützen die für Gesundheit zuständige Behörde sowie das Bezirksamt Wandsbek die Inhaberin der Apotheke wie auch weitere Praxen aus dem Ärztehaus bei ihren Gesprächen zur Suche eines neuen Standorts im Quartier“, so der Sprecher weiter.