Baustellen-Chaos in Hamburger Stadtteil – jetzt schlägt sogar der Pastor Alarm
Steilshoop kämpft mit der Mega-Baustelle für die neue U5-Haltestelle – und die Folgen sind dramatisch: Die letzte Apotheke warnt eindringlich, weil viele Senioren die Umwege nicht mehr schaffen. Auch der Pastor der Martin-Luther-King-Kirche ist alarmiert, befürchtet soziale Auswirkungen der Baustelle und macht Lösungsvorschläge. Denn der Zugang zu Kirche, Ärzten und Medikamenten ist durch Bauzäune und Umleitungen massiv erschwert. Der Senat spricht hingegen von „alternativen Wegführungen“ mit „guten Ausschilderungen“.
„Die Erreichbarkeit von Apotheke, Ärztehaus und Kirche ist durch die Baustelle sehr eingeschränkt. Viele verlaufen sich“, sagt Pastor Holzbauer im Gespräch mit der MOPO. Die Martin-Luther-King-Kirche in der Gründgensstraße befindet sich direkt neben der Baustelle, genauso wie die letzte Apotheke und das Ärztehaus im Stadtteil.
Bis in die 2030er-Jahre entsteht hier die neue U5-Haltestelle Steilshoop, die den Stadtteil besser an das Hochbahnnetz anbinden soll. Doch das liegt noch in ferner Zukunft. Im Rahmen der Bauarbeiten muss aktuell der Fußgängertunnel Gründgensstraße, der den nördlichen mit dem südlichen Teil des Zentrums verbindet, weichen. Seit Juni laufen die Arbeiten und die Baustelle wächst. Kürzlich schlug die Inhaberin der letzten Apotheke in der MOPO Alarm, weil viele ihrer Kunden die Umwege kaum bewältigen können.
Baustellen-Chaos in Steilshoop
„Gerade diejenigen Steilshooper, die es schon schwer haben, sich zu bewegen, verlieren ihre sozialen Kontakte und ihre medizinische Versorgung“, warnt jetzt auch Pastor Holzbauer. „Die Leute strengen sich derzeit extrem an, um zu unseren Veranstaltungen zu kommen.“ Dabei unterstützt die Gemeinde, wo sie kann: „Wir versuchen den Schrecken vor der Baustelle zu nehmen und gehen teilweise auch mit den Leuten durch die Baustelle oder versuchen Gruppen zu bilden. Alle investieren sehr viel.“
Wurden die Anwohner bei der Baustellenplanung etwa nicht mitbedacht? Davon distanziert sich der Senat in einer aktuellen Antwort auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Sandro Kappe. Man habe „gezielte Maßnahmen konzipiert, um die Mobilität der Bevölkerung während der Bauzeit sicherzustellen“, heißt es darin. Insbesondere seien „ältere Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität“ berücksichtigt worden.
Um „bestmögliche Lösungen“ zu erarbeiten, habe man „eng mit lokalen Akteurinnen und Akteuren zusammengearbeitet“. Ein wesentlicher Bestandteil der Baumaßnahmen seien „alternative Wegeführungen“ mit einer „guten Ausschilderung“.
Pastor: „Hochbahn hat das Ganze unterschätzt“
Diese Antwort wundert den Pastor: „Ich kann nicht nachvollziehen, mit wem da zusammengearbeitet worden ist. Wir wurden über die Baustelle informiert, aber das Thema Barrierefreiheit und Erreichbarkeit ist nie ausführlich auf den Plan gerufen worden“, sagt er.
Der CDU-Abgeordnete Kappe sieht die medizinische Versorgung in Steilshoop „vor dem Kollaps“, und der Senat schaue scheinbar weg. „Während dieser in seiner Antwort auf meine Anfrage behauptet, es bestehe keine Versorgungslücke und alle Einrichtungen seien erreichbar, schlägt die Realität vor Ort in eine andere Richtung“, so Kappe.
„Ich habe den Eindruck, dass die Hochbahn das Ganze unterschätzt hat. Aber es wirkt so, als gebe es Interesse an Verbesserungen“, sagt Pastor Holzbauer. Einige Ideen hat die Gemeinde schon an die zuständige U5-Projektgesellschaft geschickt: „Ein Vorschlag von uns sind zusätzliche Farbstreifen auf den Gehwegen, die die Besucher zum Beispiel zu Ärzten, Kirche oder Apotheke leiten“, sagt Holzbauer. Doch das müsse erst mit dem Bezirk abgestimmt werden.
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In der Umsetzung befinden sich neue Übersichtspläne für die Baustelle, die gemeinsam mit der Hochbahn erarbeitet werden. Dies hatte die U5-Projektgesellschaft bereits der MOPO bestätigt. „Außerdem werden wir gemeinsam mit Menschen, die Hilfsmittel wie Rollatoren oder Rollstühle nutzen, durch die Baustelle gehen, um zu testen, wo es Hindernisse gibt“, sagt der Pastor.