Banken, Mullahs und Blaue Moschee: So viel Iran steckt in Hamburg

Blaue Moschee
Das Islamische Zentrum Hamburg in der Imam Ali Moschee (Blaue Moschee) an der Außenalster wurde im Sommer 2024 geschlossen (Archivbild).

Nach den Militärschlägen im Iran sind am Wochenende viele Unterstützer, aber auch einige Gegner in Hamburg auf die Straße gegangen. Die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Mullah-Regimes wächst. Tatsächlich hat Hamburg eine der größten iranischen Communitys in Europa – etwa 30.000 persischstämmige Menschen leben hier. Ob Teppichhandel, Banken oder Blaue Moschee, die Einflüsse sind über Jahrhunderte gewachsen und überall in der Stadt sichtbar.

Im vergangenen Jahr ließen sich 861 Iraner in Hamburg einbürgern – Platz vier nach Syrien, Afghanistan und der Türkei. Die Verbundenheit Hamburgs mit dem Iran zeigt sich auch prominent im Stadtbild, unter anderem durch zahlreiche persische Restaurants und Läden, die Deutsch-Iranische Handelskammer und zwei große iranische Banken. Das iranische Generalkonsulat an der Bebelallee (Winterhude) oder die Blaue Moschee an der Außenalster, die beide 2024 geschlossen wurden, sind ebenfalls Teil der iranischen Geschichte in der Stadt.

Hamburg: Blaue Moschee wurde langer Arm der Mullahs

Als Handelsstadt war Hamburg tatsächlich schon Ende des 19. Jahrhunderts eng mit dem Iran – damals hieß er noch Persien – verbunden. In der Speicherstadt befand sich einst sogar der weltgrößte Umschlagplatz für Orientteppiche. Nach der Islamischen Revolution 1979, bei der die Mullahs die Macht ergriffen, veränderte sich jedoch die Stimmung. Viele Iraner flohen vor dem Regime nach Westeuropa – auch in Hamburg erhielt die Community einen großen Zuwachs.

Am Sonntagnachmittag versammelten sich hunderte Menschen auf dem Rathausmarkt und brachten ihre Freude über den Militäranschlag im Iran zum Ausdruck.
Am Sonntagnachmittag versammelten sich hunderte Menschen auf dem Rathausmarkt und brachten ihre Freude über den Militäranschlag im Iran zum Ausdruck.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Moschee, die das Islamische Zentrum Hamburg (IZH) beheimatete, zum langen Arm der Mullahs in der Hansestadt. Weil es „eine bedeutende Propagandastelle des iranischen Mullah-Regimes“ sei, wurde das Zentrum vom Bundesinnenministerium verboten und die Moschee geschlossen. Zudem soll das IZH die libanesische Terrororganisation Hisbollah unterstützt haben, „aggressiven Antisemitismus“ verbreitet und totalitäre Ideologie propagiert haben. Wichtige Führungsfiguren wurden ausgewiesen.

Iranisches Konsulat dicht, Bank unter Verdacht

Das iranische Generalkonsulat an der Bebelallee wurde wenige Monate später ebenfalls geschlossen. Auslöser war die vom Iran bekannt gegebene Hinrichtung des Deutsch-Iraners Djamshid Sharmahd. Der Aktivist und Anhänger des Schahs war entführt, gefoltert und ohne Rechtsbeistand verurteilt worden.

Das iranische Generalkonsulat an der Bebelallee in Winterhude (Archivbild).
Das iranische Generalkonsulat an der Bebelallee in Winterhude (Archivbild).

Wie sich die Anteile von Regimekritikern und Anhängern in der Hamburger Community verteilen, ist nicht bekannt. Auf der Demonstration am Sonntag in der Innenstadt mit mehr als 5000 Teilnehmenden waren die Mullah-Kritiker in der Mehrheit. Es sollen aber auch Anhänger des Regimes dabei gewesen sein.

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Kritisch betrachtet wird in Hamburg auch die iranische Bank Melli in der Altstadt. Sie steht wegen Verbindungen zum iranischen Atomprogramm seit 2018 auf der US-Sanktionsliste. Zu den Kunden sollen unter anderem die iranischen Revolutionsgarden und staatliche iranische militärische Einrichtungen gehören. Im vergangenen Jahr übernahm die staatliche Bank Melli im Iran eine der größten ansässigen Privatbanken, weil diese aufgrund von internationalen Sanktionen Insolvenz angemeldet hatte.