Hamburg

Balkonkraftwerk ohne Balkon? SAGA-Mieter kämpft um Solarstrom

Saga-Mieter hält ein Solarmodul vor einem Backsteinhaus; die Saga lehnt ein Balkonkraftwerk an der Fassade ab.
Um ein Balkonkraftwerk anzubringen, hat sich dieser Hamburger SAGA-Mieter etwas Besonderes einfallen lassen.

Ein SAGA-Mieter möchte an seinem Haus ein Balkonkraftwerk installieren – ohne Balkon. Er wird erfinderisch, doch das Wohnungsunternehmen stellt sich quer.

Strom sparen und der Umwelt helfen – klingt gut, dachte sich SAGA-Mieter Tim Müller (Name geändert) aus Billstedt. Er würde auch gern ein Balkonkraftwerk nutzen, einen Balkon hat er aber nicht. Also überlegte sich der 29-Jährige etwas anderes: Zwei Solarpaneele sollen an die Hauswand. Lange hat er sich Gedanken über die beste Methode gemacht – doch das städtische Wohnungsunternehmen lehnte bisher alles ab.

„Ich würde gern Strom sparen und auch etwas für den Klimaschutz tun“, sagt Müller. Der 29-Jährige wohnt mit seiner Familie im Erdgeschoss eines Endreihenhauses der SAGA. Deren Mieter können zwar die Genehmigung für ein Balkonkraftwerk beantragen – doch Müller fehlt der Balkon.

Seine Idee, um trotzdem an Solarstrom zu kommen, ist eine Befestigung an der Außenwand des Hauses. Er informiert sich ausführlich, kauft Halterungen und Solarpaneele. Doch dann kommt die Absage der SAGA.

Hamburg: SAGA-Mieter kämpft um Solarstrom 

In dem Schreiben, das der MOPO vorliegt, heißt es lediglich: „Die Gebäudefassade darf nicht beschädigt werden.“ Kein Angebot zur Beratung, keine weiteren Erklärungen. Müller versteht die Welt nicht mehr. Schließlich gibt es für das Haus, in dem er wohnt, sogar schon einen Vorbescheid, weil es irgendwann abgerissen werden soll. Er gibt nicht auf und fragt erneut bei der SAGA an.

Balkonkraftwerk in Hamburg (Symbolbild).

Diesmal heißt es, dass seine Einwände geprüft worden seien. Doch die Giebelseite des Hauses gehöre nicht zu dem von ihm angemieteten Grundstück. Zudem könne man die Montage aus „Verkehrssicherheitsgründen“ nicht genehmigen. „Neben der Hauswand befindet sich ein Stück Rasen“, sagt Müller zur MOPO. „Dort ist kein Gehweg und mit der Halterung kann ich die Solarpaneele sicher befestigen.“ Er schlägt eine andere Methode vor und legt Widerspruch ein.

Der umweltpolitische Sprecher der CDU‑Bürgerschaftsfraktion, Sandro Kappe, ist über den Fall entsetzt: „Der Senat wird seine Klimaziele für 2045 kaum erreichen, wenn selbst städtische Unternehmen Bürger ausbremsen, die auf eigene Kosten erneuerbare Energie erzeugen wollen.“ Wenn ein Mieter freiwillig investiere, dürfe die Antwort nicht lauten: Fassade darf nicht beschädigt werden. „Die SAGA sollte erklären, wie eine fachgerechte Installation ermöglicht werden kann, statt nach Gründen zu suchen, sie zu verhindern“, so Kappe weiter.

Balkonkraftwerk ohne Balkon: Das sagt die SAGA 

Auf MOPO-Anfrage bei der SAGA heißt es: „Das ungewöhnliche Anbringen des Balkonkraftwerks an der Außenfassade würde diese beschädigen und schwächen. Das Eintreten beispielsweise von Wasser muss aber ausgeschlossen werden.“

Die Wand müsse für die Kabelführung durchdrungen werden, es hätte also einer festen Verlegung bedurft oder einer hängenden Leitungsführung über die gesamte Fassade zum nächsten Fenster oder zur nächsten Tür.

Zudem gehöre dem Mieter die Rasenfläche nicht, das Balkonkraftwerk würde also über einer öffentlichen Fläche hängen. Die Einhaltung der Verkehrssicherungspflicht gelte im Übrigen ungeachtet des von der SAGA beabsichtigten Rückbaus der Reihenhäuser.

Aber die SAGA verspricht auch: „Unsere Geschäftsstelle wird dessen ungeachtet nochmals Kontakt zu dem Mieter aufnehmen, um die Ablehnungsgründe genauer zu erläutern.“

Balkonkraftwerk: Das gilt für SAGA‑Mieter

Für Mieter der SAGA gilt im Allgemeinen: Wer ein Balkonkraftwerk anbringen will, muss im Vorfeld eine Genehmigung bei der zuständigen Geschäftsstelle einholen. Mieter müssen die Kosten der fachgerechten Installation, der Instandhaltung und der gesetzlich vorgeschriebenen Anmeldungen der Anlage selbst tragen. Zudem müssen sie für eine nachzuweisende Verkehrssicherheit der Anlage Sorge tragen und das Balkonkraftwerk bei einem Auszug wieder zurückbauen.

Zu all dem wäre Tim Müller bereit, wenn man ihm denn ein Solarpanel gestatten würde.

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