Bäderland macht Ernst: Handy-Eltern fliegen raus

Bäderland-Bademeister von hinten vor einem Schwimmbecken
Ein Bäderland-Bademeister überwacht das Treiben im Schwimmbecken. (Symbolbild).

Die Kinder planschen ohne Aufsicht im Schwimmbecken, Mama und Papa daddeln am Handy herum – damit soll nun Schluss sein. Notorisch unaufmerksame Eltern sollen rausfliegen, kündigt Bäderland an; nach vielen Jahren, in denen nur freundlich an die Einsicht appelliert wurde. Der Sprecher des städtischen Unternehmens erklärt die neue Linie und die Reaktion einiger Eltern darauf.

Wenn ein Schwimmmeister ein unbeaufsichtigtes Kind an die Hand nimmt und zu den Eltern zurückbringt, findet er Mama oder Papa meistens am Handy vor. „Das ist die Standardsituation“, sagt Bäderland-Sprecher Michael Dietel. Bisher seien Eltern drei, vier Mal angesprochen worden, wenn sie mit dem Handy beschäftigt waren. „Jetzt gibt es schneller die Aufforderung, das Bad zu verlassen.“ Natürlich hätten sich Mütter und Väter auch früher schon Lesestoff mit ins Bad genommen: „Aber ein Buch oder eine Zeitschrift entwickeln nicht so einen Sog an Aufmerksamkeit wie ein Handybildschirm. Der Algorithmus etwa bei TikTok duldet keine Unterbrechung.“

Eltern starren ins Handy und vergessen die Zeit

Die Folge: Eltern starren ins Handy, vergessen die Zeit – und wenn ihr Kind unter der Wasseroberfläche verschwindet, wird das lautlose Drama viel zu spät bemerkt. Wenn Schwimmmeister sehen, dass Kinder im Wasser unbeaufsichtigt sind oder allein durchs Bad geistern, während der zuständige Erwachsene durch sein Handy abgelenkt ist, wird nun nicht lange gefackelt: Rauswurf.

Die meisten Eltern, sagt er, reagieren verständnisvoll und legen beim ersten Hinweis das Handy weg. „Wir beobachten aber auch immer wieder, dass die Einsicht nur ein paar Minuten anhält und dann geht der Blick wieder auf den Bildschirm.“ Als wären die eigenen Kinder weniger unterhaltsam als WhatsApp und die Sekundenvideos in den sozialen Medien.

Junger Mann mit blauem Polohemd in einem Schwimmbad
Bäderland-Sprecher Michael Dietel

Und dann gibt es noch die dreisten Mütter und Väter, die etwa ihren Liegestuhl trotz Ansprache des Bademeisters demonstrativ Richtung Sonne drehen, mit dem Rücken zum Becken, in dem ihre Kinder spielen. „Es kam auch schon vor, dass Schwimmmeister aufgefordert wurden, die Kinder zu beaufsichtigen, weil die Eltern zum Sauna-Aufguss wollten“, sagt Dietel. „Die meinen, weil sie Eintritt gezahlt haben, haben sie Anspruch auf Kinderbetreuung.“ Ein großer Irrtum: „Immer, wenn ein Schwimmmeister ein einzelnes Kind an der Hand zurück zu den Eltern bringt, ist er von der eigentlichen Wasseraufsicht abgelenkt und verliert die anderen Schwimmer aus dem Blick.“

Das könnte Sie auch interessieren: Furchtbarer Badeunfall in Hamburg: Kind geht in Schwimmbad unter

Das Problem ist für Bäderland nicht neu: 2018 hatte es eine schlimme Unfallserie mit Kindern gegeben, mit fünf Reanimationen in vier Wochen. Damals hatte das Unternehmen Flyer ausgelegt, mit Sicherheitshinweisen für Eltern, in denen ausdrücklich auch vor der Ablenkung durch Handys gewarnt wird. Da die elterliche Bildschirmzeit im Liegestuhl seitdem eher mehr geworden ist, droht bei wiederholter Verletzung der Aufsichtspflicht nun der Rauswurf. Allein in den vergangenen zwei Wochen war es in Hamburger Bädern zu zwei Beinahe-Katastrophen gekommen, weil Kinder unbemerkt unter Wasser geraten waren und vom Rettungsdienst wiederbelebt werden mussten.