„Babboe”-Lastenräder: Brüche, Qualitätsmängel – Hamburger Händler wenig überrascht

Das Unternehmen „Babboe“ hat seit Mitte Februar den Verkauf seiner Lastenräder gestoppt.
Das Unternehmen „Babboe“ hat seit Mitte Februar den Verkauf seiner Lastenräder gestoppt.

Lastenräder sind vor allem in Großstädten wie Hamburg als Einkaufshelfer oder Kinderwagen eine beliebte Auto-Alternative. Laut dem Zweirad-Industrie-Verband sind um die 20.000 davon in der Stadt unterwegs – viele von der populären Marke „Babboe“. Nach Berichten über Rahmenbrüche bereitet der niederländische Hersteller jetzt allerdings den Rückruf einzelner Modelle vor – auch in Deutschland. Einen Hamburger Lastenradhändler wundert das nicht. Der TÜV fordert eine weitreichende Reform für alle Cargobikes.

„Ich möchte mich zunächst entschuldigen“, mit diesen Worten begann der „Babboe“-Direktor Gerard Feenema das Video auf der niederländischen Website des Unternehmens. Seit ein paar Wochen herrscht große Aufregung um die Lastenräder, die aufgrund ihrer schmalen Transportbox bislang als besonders praktisch für die Stadt galten.

Seit Mitte Februar gilt Verkaufsstopp von „Babboe“ Rädern

Jetzt ruft der Hersteller die Modelle City, City E, Mini und Mini E offiziell zurück. Die Sicherheit könne laut Feenema nicht mehr gewährleistet werden. Zu den weiteren von der Behörde beanstandeten Modellen werde es zeitnah Infos geben. Er gibt sich in dem Video zerknirscht. Dabei hatte das Unternehmen erst kürzlich noch einen Bericht über Rahmenbrüche bei „RTL Nieuws“ heruntergespielt.

Doch dann trat Mitte Februar die niederländische Verbraucherbehörde (NVWA) auf den Plan, die ebenfalls Hinweisen über Rahmenbrüche nachgegangen war. Sie attestierte mehreren „Babboe“-Modellen eklatante Sicherheitsmängel, seitdem gibt es für alle Räder einen Verkaufsstopp – auch in Deutschland.

Hamburger Lastenradhändler distanziert sich klar von „Babboe“

„Wenn die Vorwürfe der Verheimlichung von konstruktiven Mängeln sich bewahrheiten, hat ,Babboe‘ ihrer Marke und der ganzen Lastenradbranche einen Bärendienst erwiesen“, sagt Tim Fandré zur MOPO. Seit 2014 betreibt er zusammen mit Hannes Leitner das Fahrradgeschäft „Velo 54“ in Wilhelmsburg und hat sich auf Cargobikes spezialisiert.

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Sie verkaufen in ihrem Laden überhaupt keine Modelle dieser Marke. Der Grund: schlechte Erfahrungen mit der „Verarbeitungsqualität von ,Babboe‘-Lastenrädern, die in unserer Werkstatt zur Reparatur waren“.

Was gilt jetzt für deutsche Nutzer von „Babboe“-Rädern?

Trotzdem ist „Babboe“ auch in Hamburg sehr beliebt. In den inneren Stadtteilen sind besonders zu Bring- und Abholzeiten an Kitas und Grundschulen viele davon unterwegs. Bis jetzt gilt der offizielle Rückruf für die Modelle nur in den Niederlanden, der Hamburger Fahrradclub ADFC rät aber, sich an die Empfehlungen der Behörden beziehungsweise des Herstellers zu halten und das „Babboe“-Lastenrad erstmal nicht weiter zu benutzen.

Zudem kündigte „Babboe“-Chef Feenema in dem Video schon an: „In den Ländern, in denen diese Modelle verkauft werden, wird der Rückruf in Absprache mit den Behörden eingeleitet.“ Die deutsche Website des Herstellers verspricht noch in dieser Woche ein Update.

Lastenräder müssen in Deutschland nicht zum TÜV

Wer in Deutschland ein Lastenrad – mit Ausnahme von bis zu 45 km/h schnellen S-Pedelecs – auf den Markt bringt, haftet als Hersteller selbst für die Sicherheit. Im Gegensatz zu Autoherstellern braucht es bei neuen Lastenrad-Modellen keine vorherige Typprüfung vom Kraftfahrtbundesamt. Auch eine regelmäßige Überprüfung der Räder – zum Beispiel die TÜV-Prüfung bei Autos – ist nicht notwendig.

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Frank Schneider, Referent für Fahrzeugtechnik beim TÜV-Verband, findet das fahrlässig. „Aufgrund von Größe, Gewicht und Belastung von Lastenfahrrädern ist aus unserer Sicht sowohl eine Typprüfung als auch eine periodische Überwachung wünschenswert“, sagt er der MOPO.

Allgemein hält der ADFC Lastenräder aber nicht für unsicher. Tim Fandré von „Velo 54“ bekräftigt zudem: „Wir hoffen, dass Lastenradhersteller, die wir vertreten und die unserer Meinung nach den wirtschaftlichen Erfolg nicht auf Kosten mangelhafter Qualitäts- beziehungsweise Stabilitätskriterien erzielen, von dem Rückruf und Verkaufsstopp von ,Babboe‘ eher profitieren werden.“

Lastenräder sind vor allem in Großstädten wie Hamburg als Einkaufshelfer oder Kinderwagen eine beliebte Auto-Alternative. Laut dem Zweirad-Industrie-Verband sind um die 20.000 davon in der Stadt unterwegs – viele von der populären Marke „Babboe“. Nach Berichten über Rahmenbrüche bereitet der niederländische Hersteller jetzt allerdings den Rückruf einzelner Modelle vor – auch in Deutschland. Einen Hamburger Lastenradhändler wundert das nicht. Der TÜV fordert eine weitreichende Reform für alle Cargobikes.