„Auf Kosten der Sicherheit kaputtgespart“: 90.000 Überstunden bei der Feuerwehr

Feuer in Billbrook – Großalarm für die Retter
Hamburger Feuerwehrleute im Einsatz. (Symbolfoto)

Sie sind da, wenn es brennt. Und sie retten Leben. Hamburgs Feuerwehrleute sind Tag und Nacht im Einsatz. Und sie gehen nicht nach Hause, bloß weil die Schicht endet. Aktuell haben sich dabei an den Wachen insgesamt 90.000 Überstunden angesammelt. Für den Personalratsvorsitzenden der Feuerwehr Hamburg ist das ein deutliches Zeichen. Er fordert: „Wir brauchen mehr Stellen!“

Der Senat erklärt die hohe Anzahl an Überstunden unter anderem mit der Zunahme „niedrigschwelliger Hilfeersuchen, die die Rettungsleitstelle der Feuerwehr Hamburg jeden Tag erreichen und das System der Notfallversorgung zusätzlich belasten“.

Feuerwehr-Personalrat prangert hohe Anzahl an Überstunden an – und fordert mehr Stellen

Gemeint sind die vielen Anrufe aus der Bevölkerung, die bei der Feuerwehr eingehen, eigentlich aber keine echten Notfälle sind und sich vielmehr an den Hausarzt bzw. den ärztlichen Bereitschaftsdienst richten müssten. Deshalb hatte die Feuerwehr im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung eine Kampagne durchgeführt, um die Telefonnummer 116117 bekannter zu machen. Gleichzeitig sei der Rettungsdienst Hamburg gestärkt und die Zahl der Rettungswagen erhöht worden. Zwischen den Jahren 2017 bis 2023 ist die Zahl der Mitarbeiter laut einem Sprecher der Innenbehörde um insgesamt 574 Personen erhöht worden.

Marcus Althoff ist Personalratsvorsitzender der Feuerwehr Hamburg
Marcus Althoff ist Personalratsvorsitzender der Feuerwehr Hamburg

Für Marcus Althoff, Vorsitzender der Fachgruppe Feuerwehr und Rettungsdienst bei der Gewerkschaft Komba, ist das nicht genug. Er kritisiert, dass die personelle Stärkung lediglich der Verkehrsflussoptimierung zugute gekommen sei und sieht einen Bedarf von mindestens 20 zusätzlichen Stellen.

„Es wird immer wieder vergessen, dass die Feuerwehr ein wichtiger Bestandteil der Inneren Sicherheit ist“, schimpft Althoff. Sowohl bei Bedrohungslagen oder bei Attentaten wie beispielsweise dem Anschlag auf die Zeugen Jehovas in Alsterdorf 2023 sei die Feuerwehr mit der Rettung und Versorgung von Verletzten beauftragt, mit der Betreuung von Betroffenen, mit der Beseitigung von Gefahrstoffen. Aber auch bei Großveranstaltungen sei die Feuerwehr im Einsatz und sorge mit Präventionsmaßnahmen und der Beratung der Veranstalter für Sicherheit.

Linke: „Feuerwehr ist kaputtgespart worden“

„Beim Thema Innere Sicherheit geht es der Politik immer nur um die Polizei“, meint Althoff. „Wir sind 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr im Einsatz und werden trotzdem vergessen.“ Bei dem von CDU und SPD im Bund geplanten Sondervermögen in diesem Bereich falle die Feuerwehr unter den Tisch. Aber auch der durch die Innenbehörde für den Haushalt in Hamburg angemeldete Stellenbedarf müsse auf den reellen Bedarf angepasst werden.

„Die Struktur ist nicht mit den Anforderungen mitgewachsen“, so Althoff, der auch Personalratsvorsitzender der Feuerwehr Hamburg ist. Vor allem im Bereich Nachwuchsförderung sieht er dringenden Handlungsbedarf. „Um das Defizit an Personal, das in den kommenden Jahren in Rente geht, auszugleichen, müssen wir jetzt anfangen, zu rekrutieren.“

Dafür brauche es zum einen qualifizierte Ausbilder, von denen es aktuell zu wenig gebe. Aber auch eine Verstärkung in der Personalabteilung, die für die Mitarbeitergewinnung zuständig ist. „Und es braucht eine Vergütung, die konkurrenzfähig mit der Wirtschaft ist“, so Althoff.

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Außerdem fordert der Gewerkschafter bessere Karrierechancen. Denn: Eine Senatsanfrage des Linken-Abgeordneten Deniz Celik hatte im Oktober ergeben, dass viele Mitarbeiter bei der Feuerwehr kündigen, weil sie keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr sehen. „Die Feuerwehr ist kaputtgespart worden, auf Kosten der Einsatzkräfte und der Sicherheit aller Hamburger:innen. Wer den Schutz der Bevölkerung ernst meint, muss endlich Schluss machen mit Schönrechnerei und Sparpolitik – und stattdessen massiv investieren“, so Deniz Celik.