„Attraktiver als Kokain-Handel“: So machen Kriminelle in Shisha-Bars Kasse
Die einen lieben sie als gesellige Rückzugsorte, für andere sind es Treffpunkte von kriminellen Clans: Shisha-Bars sind umstritten – aber aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Das könnte sich laut Shisha-Verband jedoch bald ändern, denn eine neue Regelung erschwert den Betreibern das Geschäft. Viele würden derzeit vor der Entscheidung stehen: Schwarzmarkt oder Insolvenz.
Viele Shisha-Cafés stecken derzeit in einer Krise. Der Grund ist eine neue Besteuerung von Shisha-Tabak und eine Verordnung, die seit Juli 2022 gilt: Betreiber dürfen statt aus großen Dosen nur noch Tabak aus 25-Gramm-Packungen an die Gäste verkaufen. Der Bund will mit diesen Maßnahmen Steuerhinterziehung bekämpfen – scheint jedoch vor allem den Schwarzmarkt anzukurbeln.
Hamburg: Neuregelungen für Shisha-Tabak
Vor 2022 kauften Shisha-Bars große Tabakpackungen, aus denen sie kleine Portionen entnahmen und damit die Shishaköpfe ihrer Kunden füllten. Das war jedoch aufgrund einer Steuerregelung eigentlich verboten – anders als bei Alkohol oder Kaffee. Die Betreiber hätten stattdessen die Großpackungen an ihren Gast verkaufen müssen und den Tabak erst dann in Einzelportionen abfüllen dürfen, was schlicht nicht umsetzbar war. Bei den neuen Verpackungen fällt dieses Problem nun weg: 25 Gramm entsprechen etwa einem Shishakopf.
Die neuen Dosen sind jedoch deutlich teurer, da der Produktionsaufwand und die Steuern höher sind. Für ein Kilo Tabak, aufgeteilt auf 40 Kleinpackungen, müssten Bar-Betreiber nun 160 Euro zahlen, etwa doppelt so viel wie 2021. Für Privatpersonen bedeute das, dass sie statt 80 rund 160 bis 170 Euro pro Kilogramm Shisha-Tabak zahlen müssen.
Wasserpfeife: Anteil des versteuerten Tabaks sinkt extrem
Und die Steuereinnahmen des Bundes? Im ersten Halbjahr 2022 wurden noch 902,4 Tonnen Wasserpfeifentabak versteuert, im zweiten Halbjahr waren es nur noch 60,3 Tonnen. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor. Grund sei der Vorzieheffekt aufgrund der neuen Verordnung, heißt es dort.
Beim Vorzieheffekt handelt es sich um ein Phänomen, das auch bei der Einführung der Schockbilder auf Zigarettenpackungen zu beobachten war: Die Hersteller produzieren vor dem Inkrafttreten der Neuregelung viel mehr als sonst, da sie die Ware zu den alten Bedingungen noch bis zu einem bestimmten Datum abverkaufen dürfen. Wenn die Regelung in Kraft tritt, wird erstmal weniger produziert, da die Lager noch voll sind. Beim Zoll werden weniger sogenannte Steuerzeichen beantragt, die nach Zahlung der Tabaksteuer auf Packungen geklebt werden.
Folke Rega, Chef des Shisha-Verbands, zieht einen anderen Schluss: „Der Schwarzmarktanteil ist aus unserer Sicht auf rund 80 Prozent in den vergangenen 18 Monaten gewachsen. Da der Steuerzeichenbezug für Wasserpfeifentabak zurückgegangen ist, die Kohleverkäufe jedoch stabil sind, und Shisha-Kohle keinen anderen bekannten Verwendungszweck hat, lässt dies nur den gegenwärtigen Schluss zu“, sagt er zur MOPO. Mit der Shisha-Kohle werden die Pfeifen erhitzt. Dadurch entsteht der Rauch, der eingeatmet wird.
Shisha-Verband: Schwarzmarkthandel blüht
Das Geschäft mit illegalem Shisha-Tabak sei lukrativer denn je. Mit der Mengenbegrenzung stieg der Preis auf dem Schwarzmarkt: Lag er 2021 noch zwischen 30 und 50 Euro pro Kilogramm, ist er heute bei 55 bis 95 Euro. „Dadurch ist der Handel mit illegalem Wasserpfeifentabak attraktiver als der mit Kokain geworden, denn Sie können mit illegalem Wasserpfeifentabak eine höhere Marge erzielen und haben ein deutlich geringeres Strafmaß zu erwarten, wenn Sie aufgegriffen werden“, sagt Folke Rega.
Einige Shisha-Bars hätten nun 25-Gramm-Packungen in der Auslage, die sie den Kunden zeigen. In der Küche werde der Kopf der Shisha dann jedoch mit illegalen Tabak befüllt und die 25-Gramm-Packung wandere wieder in den Schrank. Das Problem für den Konsumenten: Der illegale Tabak ist oft verunreinigt und damit gesundheitsschädlicher.
Bei Facebook, in Telegramm- und WhatsApp-Chats floriert der Handel mit illegalem Tabak. Die Angebote werden oft im Status gepostet und per Direktnachricht bestellt – die Ware kommt teilweise per Post. In einem Chat schreibt ein Nutzer: „Günstig ist er ebenfalls – in diesem Sinne bedanke ich mich bei der Politik für die 25g Regel“. Dahinter ein lachender Smiley. Der Chat liegt der MOPO vor.
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Für den Chef des Shisha-Verbands ist klar, die Neuregelung helfe nicht gegen Steuerhinterziehung in der Branche – sie fördere diese. „Es gab nie mehr Steuerhinterziehung im Bereich der Shisha als heute“, so Rega. Seine Forderung: Abschaffung der Mengenbegrenzung und der Zusatzsteuer, erlaubte Abgabe von Einzelportionen des Tabaks und eine bundesweit einheitliche Lizenz für Shisha-Bars, die mit dem Verkauf illegalen Tabaks entzogen wird.