Arzt entgeht knapp der Abschiebung: Hamburger Klinik stellt ihn ein

Arzt Abdullah Abdulrhman in der Schön-Klinik Eilbek
Happy End für Abdullah Abdulrhman: Der 31-Jährige kann endlich wieder seinen Beruf als Arzt ausüben.

Als die Raketen in der Nachbarschaft einschlugen, schloss der junge Arzt Abdullah Abdulrhman seine Praxis im ukrainischen Dnipro und flüchtete mit seiner hochschwangeren Frau nach Deutschland. Doch in Hamburg wollte man ihn abschieben – weil er nicht die ukrainische, sondern die libysche Staatsangehörigkeit hat. Nun gibt es ein Happy End.

Abdullah Abdulrhman ist überglücklich. Seit August kann er endlich wieder in dem Beruf arbeiten, den er liebt und den er gelernt hat: als Arzt. Die Schön Klinik Eilbek hat den 31-Jährigen fest eingestellt. Seitdem arbeitet der dringend benötigte Mediziner auf der Intensivstation des Krankenhauses in Barmbek-Süd.

Jahrelange Zitterpartie: Trotz Flucht aus der Ukraine erhielt die Familie keinen Aufenthaltstitel

„Ich bin so froh, dass wir endlich Sicherheit haben“, sagt Abdulrhman. Wir – damit meint er sich, seine Frau Wijdan Mansiyah (26) und die kleine Tochter Aischa (2). Zwei Jahre lang musste die kleine Familie, die in einem verlassenen Haus in Rahlstedt haust, ständig mit einer Abschiebung rechnen. Seit April sind sie nun sogar zu viert. Aischa hat ein Brüderchen bekommen – den kleinen Azzubain.

Trotzdem war die Ungewissheit zermürbend. „Immer wieder zur Ausländerbehörde zu gehen und nicht zu wissen, wie es weitergeht – das bedeutet Stress“, erzählt der junge Familienvater. Das Problem: Obwohl Abdulrhman neun Jahre in der Ukraine gelebt und gearbeitet hatte, erhielten er und seine kleine Familie keine humanitäre Aufenthaltserlaubnis wie alle anderen Ukrainer. Als Libyer bekamen sie nur eine Duldung – und saßen damit in der Klemme.

Abdullah Abdulrhman im Gespräch mit Daniel Wertheimer.
Abdullah Abdulrhman im Gespräch mit Daniel Wertheimer. Der Chefarzt der Neurologie hat sich für den geflüchteten Arzt aus der Ukraine stark gemacht.

Denn: Aufgrund des Ärztemangels in Deutschland und seiner enormen Sprachbegabung – Abdulrhman spricht fließend Deutsch, Russisch, Arabisch und Englisch – war der Mediziner einerseits heiß begehrt. Ein Medizinisches Versorgungszentrum in Wandsbek und die Schön Klinik Eilbek wollten ihn unbedingt einstellen. Doch nur mit einer Duldung gibt es keinen Arbeitsvertrag. Und ohne einen Arbeitsvertrag gibt es wiederum keinen permanenten Aufenthaltstitel.

Für die Schön Klinik Eilbek ist der neue Arzt ein großer Gewinn

„Da beißt sich die Katze in den Schwanz“, sagt Daniel Wertheimer, Chefarzt des Neurozentrums in der Schön Klinik Eilbek, der sich monatelang für Abdulrhman stark gemacht hat. Wertheimer gelang es im Januar zumindest, Abdulrhman als Dialyse-Assistent in der Pflege einzustellen. So konnte er eine vorläufige Berufserlaubnis erlangen.

Mit dieser war dann schließlich auch der Wechsel in die Position als Assistenzarzt möglich. Noch kann Abdulrhman im Schichtbetrieb nicht voll eingesetzt werden. Dafür muss er noch eine Prüfung absolvieren. „Das medizinische System in Deutschland ist anders als in der Ukraine“, sagt Abdulrhman. Aber es sagt ihm sehr zu. „Ich habe in diesem Jahr so viel gelernt wie seit sechs oder sieben Jahren nicht mehr.“

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Chefarzt Wertheimer hat keinen Zweifel, dass der Neuling auf der Station die Prüfung, die wahrscheinlich im Februar stattfinden wird, besteht. „Er ist kompetent. Er ist hochmotiviert und er passt super ins Team.“

Sobald Abdulrhman die Approbation hat, will er weiterlernen. Sein Ziel: Er will Facharzt für Neurologie werden. „Intensiv-Neurologen werden stark gesucht“, sagt Wertheimer. Auch Abdulrhmans Ehefrau, wie er Medizinerin, will ihr Studium im kommenden Jahr wieder aufnehmen. Die permanente Aufenthaltsgenehmigung ist der Familie nun sicher. Deutschland gewinnt zwei dringend benötigte Fachkräfte. Und für die Familie Abdulrhman-Mansiyah ist die Zitterpartie ist zu Ende.

Als die Raketen in der Nachbarschaft einschlugen, schloss der junge Arzt Abdullah Abdulrhman seine Praxis im ukrainischen Dnipro und flüchtete mit seiner hochschwangeren Frau nach Deutschland. Doch in Hamburg wollte man ihn abschieben – weil er nicht die ukrainische, sondern die libysche Staatsangehörigkeit hat. Nun gibt es ein Happy End.