Arbeitsmarkt paradox: Zahl neuer Stellen steigt – Zahl der Arbeitslosen auch

Eine Frau betritt eine Filiale der Agentur für Arbeit in Hamburg.
2023 gab es mehr Arbeitslose in Hamburg als im Vorjahr (Symbolbild).

Stimmungsdämpfer zum Jahresanfang: Immer mehr Menschen in unserer Stadt sind arbeitslos. Doch die neuen Zahlen der Agentur für Arbeit geben auch Rätsel auf, denn gleichzeitig stellen Hamburgs Unternehmen immer mehr Personal ein, die Beschäftigung liegt sogar auf einem neuen Allzeithoch. Wie passt das zusammen? Die MOPO hat nachgefragt.

Die schlechte Nachricht zuerst: Im Jahr 2023 gab es mehr Arbeitslose in Hamburg als 2022. Mehr als 74.100 Hamburger:innen verloren ihren Job. Im Schnitt waren sogar 80.800 Menschen arbeitslos – 9,5 Prozent mehr als im Jahresschnitt 2022. Das zeigt der neue Bericht der Agentur für Arbeit Hamburg vom Mittwoch. Im Dezember 2023 waren sogar fast elf Prozent mehr Menschen arbeitslos als noch im Dezember 2022.

Hamburg: Branchen bauen Stellen auf

Gab es in bestimmten Jobs etwa besonders viele Entlassungen? Nein, erklärt der Sprecher der Arbeitsagentur Hamburg, Knut Böhrnsen, der MOPO. Die Arbeitslosigkeit steige üblicherweise zu Beginn des Jahres, wenn Menschen zum Ende des Vorjahres ihren Job verlieren. Normalerweise werde das im Frühling oder Herbst ausgeglichen, wenn Betriebe wieder mehr einstellen. Doch diesmal nicht: „Der übliche starke Rückgang um mehrere tausend Arbeitslose im Frühjahr und auch im Herbst der vergangenen Jahre blieb 2023 leider vollständig aus“, sagt der Arbeitsagentur-Chef, Sönke Fock.

Sönke Fock, Chef der Hamburger Agentur für Arbeit
Sönke Fock, Chef der Hamburger Agentur für Arbeit, stellt die aktuellen Arbeitszahlen vor (Archivbild).

Das Paradoxe: Gleichzeitig ist die Gesamtbeschäftigung in Hamburg gestiegen und liegt mit voraussichtlich 1,08 Millionen Beschäftigten sogar auf einem neuen Allzeithoch. Mit einem Zuwachs von zwei Prozent liegt Hamburg sogar deutlich über dem Bundesschnitt (0,7 Prozent). In nahezu allen Branchen werden neue Arbeitsplätze geschaffen. Am stärksten in der Branche Immobilien und freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen, aber auch im Gesundheitswesen oder der Gastronomie wurde eingestellt. Einzig die Branche Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen schwächelt: Hier wurden 3200 Stellen (2,2 Prozent) abgebaut. Auch in der Land- und Forstwirtschaft und Fischerei mussten Arbeitnehmer einen leichten Rückgang von 100 Stellen (1,1 Prozent) hinnehmen.

Job-Suche: Arbeitslose und Stellen passen nicht immer zusammen

Doch warum gibt es dann mehr Arbeitslose? „Zum einen ist der Anteil der an- und ungelernten Arbeitslosen mit 58,3 Prozent (48.260 Hamburger:innen) sehr hoch, zum anderen suchen Hamburger Unternehmen gezielt nach passenden Fach- und Führungsprofilen, die es innerhalb Hamburgs nicht in ausreichendem Maße gibt“, erklärt Fock. Mehr als 86 Prozent der offenen Stellen zielen darauf ab – und locken qualifizierte Bewerber von außerhalb an. Auch die Integration ukrainischer Geflüchteter in den Arbeitsmarkt dauert.

Völlig stagniert der Markt aber auch für Hamburger nicht: Mehr als 60.300 Arbeitslose nahmen 2023 einen Job auf – etwa so viele wie im Jahr davor.

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Und wie geht es 2024 weiter? In der Arbeitsagentur ist man „verhalten optimistisch”. „Wir gehen davon aus, dass die Beschäftigung auch 2024 steigen wird. Hamburg ist und bleibt attraktiv, und die Unternehmen haben Bedarf – auch wenn die Dynamik geringer geworden ist”, sagt Böhrnsen. Inwieweit aber arbeitslose Hamburger davon profitieren können, ist fraglich. Für Januar sieht es jedenfalls düster aus: Fock rechnet mit einem „deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Größenordnung zwischen vier- und sechstausend Personen, die ihre Beschäftigung zum Jahresende 2023 verloren haben.“ Das spürt man schon jetzt: Die Hotlines der Arbeitsagentur sind dauerbesetzt.