Hamburg

Apfel-Frust im Alten Land: Bauer reagiert mit ungewöhnlicher Aktion

Mann in grüner Jacke hält Äpfel vor gestapelten Holzkisten mit weiteren Äpfeln.
Apfelbauer Niklas Eckhoff aus Twielenfleth hat noch sehr viele Äpfel im Lager und lädt nun Besucher auf den Hof ein, um günstige regionale Äpfel zu kaufen.

Eine gute Ernte kann auch ein Fluch sein: Bei vielen Bauern im Alten Land sind die Lager noch voll, dabei ist jetzt erst einmal Verkaufsflaute wegen der Ferien und bald kommt schon die nächste Erntesaison. Ein junger Bauer bietet deshalb Äpfel zum Schleuderpreis an.

Noch 500 Großkisten Äpfel liegen derzeit in den Lagern des Obsthofs Eckhoff im Alten Land. Deshalb hat sich Jungbauer Niklas Eckhoff aus Twielenfleth (Landkreis Stade) eine besondere Aktion überlegt. Er hatte alle Ausflüger am Sonntag (12. Juli) zum Direktverkauf zu sich auf den Hof eingeladen. Für die frischen Äpfel hat er einen günstigen Preis versprochen. Die Aktion geht nach der Sommerpause Ende August weiter.

Niklas Eckhoff ist Obstbauer in sechster Generation. Seit 1869 bewirtschaftet die Familie Eckhoff ihren Hof im Alten Land, einer Region, die wie kaum eine andere in Deutschland für Obstbau steht. Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen, Zwetschen – was hier wächst, hat kurze Wege.

Gute Ernte aus 2025 sorgt im Alten Land für übervolle Lager

Doch weil die Ernte im vergangenen Jahr sehr üppig war und der Handel auch viele Äpfel aus Chile, Neuseeland oder Südafrika ins Sortiment nimmt, werden die Bauern im Alten Land ihre Ware derzeit nicht gut los.

Der Obsthof Eckhoff möchte deshalb nicht nur verkaufen, sondern auch aufmerksam machen. Auf die Lage vieler Obstbaubetriebe. Auf die Kosten hinter einem Apfel. Auf die Bedeutung direkter Vermarktung. Und auf die einfache Wahrheit, dass ein Lebensmittel seinen Wert nicht verliert, nur weil der Markt gerade zu voll ist. 


Gerade das Alte Land lebt von dieser Nähe. Von Menschen, die am Wochenende über die Deiche fahren, durch die Obstplantagen radeln, Hofläden besuchen, Kuchen essen, Kirschen kaufen, Äpfel mitnehmen. Tourismus und Obstbau gehören hier zusammen. Wer das Alte Land besucht, besucht keine Kulisse. Er besucht eine Kulturlandschaft, die bewirtschaftet werden muss, damit sie bleibt, was sie ist, meint Eckhoff. 

Wie er dem NDR sagte, soll eine Tüte bei seiner Aktion mit mindestens drei Kilo Äpfeln vier Euro kosten. Nach der etwas kurzfristigen Aktion am vergangenen Sonntag hat sich der Jungbauer entschieden, nach der Sommerpause weiterzumachen. Und zwar am letzten Samstag im August und September, wie er jetzt zur MOPO sagte. Auch dann wird es auf seinem Hof für Besucher günstige Äpfel geben.

2025 Rekordernte bei Äpfeln im Alten Land

2025 gab es in Deutschland eine Rekordernte bei Äpfeln. Laut Statistischem Bundesamt wurden deutschlandweit rund 1,14 Millionen Tonnen Äpfel geerntet. Das sind satte 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit lag die Apfelernte 17 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.

Für Landwirte ist das eine zweischneidige Nachricht. Zum einen sind hohe Erträge natürlich gut, zum anderen machen sie im Zweifel auch die Preise kaputt, weil nicht so viel verkauft werden kann, wie am Lager ist. Wenn dann auch die Ernte im Ausland ebenfalls gut war, sinken die Preise auf den globalisierten Märkten erst Recht.

Obstbauern bleiben oft nur 60 Cent für ein Kilo Äpfel

Je teurer die deutschen Äpfel werden, desto mehr wird aus dem Ausland importiert. Die Zahl steigt jedes Jahr weiter und liegt mittlerweile bei über einer Million Tonnen. Die größten Importländer sind Italien (250.000 Tonnen) und Polen (116.000 Tonnen). Aus entfernten Ländern wie Südafrika, Chile und Neuseeland kommen zusammen etwa 50.000 Tonnen Äpfel nach Deutschland.

Für Obstbauern ist es attraktiv, direkt ab Hof an ihre Kunden zu verkaufen. Denn wenn sie an den Einzelhandel liefern, dann bleibt ihnen laut Bundesinformationszentrum Landwirtschaft unterm Strich nur 25 bis 30 Prozent vom Ladenpreis. In der Regel also deutlich weniger als einen Euro pro Kilo. Der Preis variiert je nach Monat und ist auch davon abhängig, wie gut die Ernte war. 


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