Anwohneraufstand gegen Verelendung am Hansaplatz: Nächstes Verbot soll kommen

Hansaplatz
Der Hansabrunnen ist ein beliebter Treffpunkt für Trinker und Drogenabhängige.

Im Bahnhofsviertel St. Georg sind die Probleme naturgemäß vielschichtig. Doch seit dem konsequenten Durchgreifen der Polizei am Hauptbahnhof verschlechtert sich die Situation im angrenzenden Stadtteil zunehmend. Immer mehr Trinker, Drogenabhängige und Obdachlose weichen auf Fußwege, Hauseingänge und Grünflächen weg vom Bahnhof hinein in das beliebte Viertel an der Außenalster aus. Mit einem Alkoholkonsumverbot wollen Anwohner, Gewerbetreibende und der Bürgerverein St. Georg jetzt Abhilfe schaffen. Welche Straßen künftig in die Verbotszone fallen sollen, lesen Sie hier.

Mehr als 500 Unterschriften wurden bereits für die Errichtung einer Alkoholverbotszone gesammelt – und täglich werden es mehr. Viele Anwohner rund um den Hansaplatz und auf der Langen Reihe haben die Nase voll vom fortschreitenden Absturz ihrer Nachbarschaft. Markus Schreiber, 1. Vorsitzender des Bürgervereins zu St. Georg, sagt der MOPO: „Das Saufen auf der Straße ist neben den Crack-Abhängigen das größte Problem hier im Viertel. Und inzwischen ist das Ausmaß beängstigend. Es geht ja nicht um das entspannte Trinken eines Feierabendbierchens unter freiem Himmel, sondern um Saufgelage, Gewalt, Pöbelei und Verschmutzung.“ Und das alles haben viele Anwohner, Gastronomen und Ladenbesitzer jetzt satt.

Alkoholkonsumverbot rund um den Hansaplatz geplant

Konkret geplant ist ein Alkoholkonsumverbot auf dem Hansaplatz und den Straßen, die vom Hauptbahnhof zum Hansaplatz führen. Das sind die Ellmenreichstraße, die Bremer Reihe und der Steindamm bis zur Stralsunder Straße. Das geforderte Verbot bedeutet, dass kein Alkohol auf der Straße, aber sehr wohl in den jeweiligen Restaurants konsumiert werden darf. Kontrolliert werden müsste das Verbot von der Polizei, die dann mit Platzverweisen und Bußgeldbescheiden durchgreifen könnte. Schreiber weiter: „Die Polizei ist ja sowieso sehr präsent in dem geplanten Abschnitt, es wäre in unseren Augen kein Mehraufwand für die Beamten.“

Der Hansaplatz liegt bereits in einer Waffenverbotszone und in bestimmten Zeiträumen gilt auf dem historischen Platz am Brunnen auch ein Glasflaschenverbot. Das Aussprechen von Platzverweisen sowie Personenkontrollen gehören für die Polizei schon seit Jahren zum Alltag in St. Georg.

Parallel zum Vorstoß des Bürgervereins verschiebt sich die Eröffnung des großen Hilfsangebots der Sozialbehörde in St. Georg in der Repsoldstraße 27. Mit den 6500 Quadratmeter großen Räumlichkeiten des ehemaligen Bürogebäudes direkt neben der Drogenberatungsstelle „Drob Inn“ will die Behörde ein umfassendes Angebot für suchtkranke Menschen schaffen und den „Sozialraum entlasten“, so eine Sprecherin der Spzialbehörde. Die ersten 30 Notschlafplätze sollten zum ersten Quartal 2025 zur Verfügung stehen.

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Eine Sprecherin der Sozialbehörde zur MOPO: „Die Teilöffnung des Gebäudes wird sich aufgrund von Engpässen bei der Verfügbarkeit von bestimmten Baumaterialien sowie der herausfordernden Akquise von Fachpersonal zum Betrieb aber leicht verzögern.“ Man peile die Bereitstellung der Notschlafplätze Anfang Mai 2025 an. Auch die Eröffnung der psychiatrischen Ambulanz klappt nicht wie geplant im zweiten Quartal des Jahres, sondern wird laut Behördensprecherin voraussichtlich im Sommer 2025 passieren.

In den Räumlichkeiten der Repsoldstraße hatte sich Bürgervereins-Chef Schreiber einen Trinkerraum gewünscht, um den Menschen einen gesicherten Ort zu bieten, in dem mitgebrachter Alkohol konsumiert werden könnte. Dies aber lehnte die Sozialbehörde ab.