Briefkasten in Harburg mit antisemitischer Schmähung

Der Briefkasten in Harburg: Unbekannte haben das Wort „Jude“ in die Metalltür geritzt. Foto: hfr

Antisemitismus in Hamburg: Und dann ritzt jemand „Jude“ in den Briefkasten

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Es war ein furchtbarer Schock für eine jüdische Familie in Harburg: Als sie am Dienstag nach Hause kamen, fanden sie auf ihrem Briefkasten eine verstörende Botschaft vor. Unbekannte hatten das Wort „Jude“ in die Metalltür geritzt. Wer war das?

Bei Hamburgs Landesrabbiner Shlomo Bistritzky hat der Vorfall Bestürzung ausgelöst. „Ich bitte um Rat! Was sage ich einem in Hamburg-Harburg lebenden Juden, der mir dieses Foto von seinem Briefkasten sendet?”, schreibt der Rabbi in einem Social-Media-Post.

Hamburgs Landesrabbiner Shlomo Bistritzky. Patrick Sun
Landesrabbiner Shlomo Bistritzky
Hamburgs Landesrabbiner Shlomo Bistritzky.

Bistritzky steht in engem Austausch mit der Familie, die aus Sorge vor weiteren Bedrohungen lieber anonym bleiben möchte. „Was das Ganze so unheimlich macht, ist, dass man nicht weiß, wer das war. Man kann mit dem Täter nicht sprechen und fragen, warum er das gemacht hat“, so Bestritzky zur MOPO. Ohne die Motive des Unbekannten zu kennen, sei es schwer abzuschätzen, welche Gefahr von der Person ausgeht oder nicht.

„Jude“ in Briefkasten von Familie in Harburg geritzt: Rabbiner besorgt

Die Polizei Hamburg bestätigte, dass ihr der Sachverhalt gemeldet worden sei. Das Landeskriminalamt habe Ermittlungen aufgenommen.

„Der Mensch kennt die Adresse und weiß, dass dort Juden wohnen. Vielleicht kommt er nochmal“, sagt Bistritzky. „Diese Unsicherheit hinterlässt ein ungutes, bedrohliches Gefühl.“

Auch die mehr als 520 Kommentare unter dem X-Post von Bistritzky sind zum Teil erschütternd. Da werden Bezüge zum Gaza-Krieg hergestellt und damit suggeriert, die Familie sei „selbst schuld“. Da wird unterstellt, die Familie habe das Wort selbst in ihren Briefkasten geritzt, um sich zum Opfer zu machen. Da wird auf den Fall Gil Ofarim verwiesen, der einen antisemitischen Vorfall vorgetäuscht hatte. Da werden Deutschlandfahnen gepostet und Juden generell aufgefordert, zu „verschwinden“.

Zwischen Anteilnahme und neuem Antisemitismus: Mehr als 500 Kommentare unter X-Post von Rabbi Bistritzky

Die meisten Kommentare zeigen jedoch Mitgefühl. „Judenhass hat in Hamburg keinen Platz!“, schreibt ein User. „Es tut einfach nur weh“, ein anderer. Manche raten, zur Polizei zu gehen, um Anzeige zu stellen.

Es gibt Tipps, wie man die Schmähung entfernen oder verbergen könnte. Der Pianist Igor Levit, der selbst Jude ist, weist darauf hin, dass die jüdische Familie in Harburg „mit diesen Erfahrungen in diesem Deutschland nicht alleine ist“ und „dass diese Gegenwart leider eine dunkle Gegenwart für uns Juden ist“. Man werde als Community zusammenstehen.

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Auch Bistritzky hat Anteilnahme erfahren. „Bei mir haben Menschen angerufen, die angeboten haben, Aufkleber auf den Schriftzug zu kleben“, sagt der Rabbiner gerührt. Den wachsenden Antisemitismus habe er zuletzt auch bei seinem Social-Media-Projekt „JEWich“ feststellen können, bei dem es um Aufklärung über das Judentum geht. „Dort gibt es immer mehr Hasskommentare“, sagt Bistritzky. Viele der Hasskommentare thematisieren Israel und die Politik von Netanyahu. Dabei geht es bei dem Projekt um das Leben von Juden in Deutschland. Für die anonymen Hater ist es offenbar schwer, das voneinander zu trennen.

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