RASF-Flyer an der Kreuzung Schanzenstraße und Neuer Pferdemarkt.

RASF-Flyer an der Kreuzung Schanzenstraße und Neuer Pferdemarkt. Foto: Benno Flügel

„Ficken statt Facebook“: Anti-Smartphone-Aktivisten mit Guerilla-Aktion in Hamburg

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In Hamburg sind in den vergangenen Tagen Flyer mit provokanten Sprüchen wie „Ficken statt Facebook“ und „Lieben statt Liken“ aufgetaucht. Die MOPO erklärt, was hinter der Aktion steckt und wer sie initiiert hat.

Aufmerksame Hamburger haben die Plakate möglicherweise bereits bemerkt: In Blankenese, der HafenCity, der Schanze, vor dem Rathaus und an weiteren Orten tauchten sie in den vergangenen Tagen auf. Dahinter steckt die „Radikale Anti Smartphone Front“ (RASF).

RASF: Das steckt hinter der „Radikalen Anti Smartphone Front“

Mitgründer Benno Flügel, 34, bezeichnet sich als Aktivist und Künstler. Er gründete die RASF vor rund zehn Jahren mit einem Freund, da sie von der Smartphone-Nutzung ihres Umfelds genervt waren. Sie hatten den Eindruck, dass soziale Medien die Menschen entfremden. Sie verzichteten auf Smartphones, verfassten ein Manifest und gründeten die Gruppe, die 2017 in Berlin Aufmerksamkeit erregte. „Dann kam das Leben dazwischen, und wir zogen uns zurück“, sagt Flügel der MOPO.

Vergangene Woche tauchten zum ersten Mal Flyer der RASF hier in der Hansestadt auf. Neben den ursprünglichen Sprüchen wie „Tanzen statt Twitter“, „Lieben statt Liken“ und „Ficken statt Facebook“ gibt es auch neue politischere Slogans, wie „No Pesos for Bezos”. Unter dem Motto „Schanze statt Screentime“ findet man die Flyer an der Kreuzung Schanzenstraße/Neuer Pferdemarkt. Doch wie kam es zu diesem Comeback?

Aktion gegen Smartphonekonsum

Fast zehn Jahre nach der Gründung der RASF ergriff Benno Flügel wieder die Initiative: Er kündigte seinen 9-to-5-Job und nutzt seine neu gewonnene Zeit, um erneut auf das Thema aufmerksam zu machen. Sein Ziel: „die Gesellschaft wieder näher zusammenzubringen und der Vereinsamung entgegenzuwirken“ – indem er zu echten sozialen Interaktionen motiviert.

Benno Flügel von der „Radikalen Anti Smartphone Front“ picture alliance/dpa | Torsten Holtz
Benno Flügel von der „Radikalen Anti Smartphone Front“
Benno Flügel von der „Radikalen Anti Smartphone Front“

Nach ersten Aktionen in Berlin expandierte der Künstler jetzt nach Hamburg. Er berichtet von vielen netten Begegnungen, die er mit Hamburgern während seiner Plakatierungen hatte. „Da war der ältere Herr in St. Georg, der über die Sprüche lachen musste und seinen Enkeln ein paar Flyer mitbringen wollte, oder die junge Mutter, die mir bei der U-Bahn-Station Hoheluft auf die Schulter klopfte und sagte, sie fände meine Message super.“

Aktivismus mit Humor

Während eines Besuchs in Lissabon bei seinem Freund und Mitgründer hatten die beiden erstmals die ständige Handy-Nutzung um sie herum bemerkt: „Niemand kam spontan vorbei, es wurde nicht mal mehr angerufen, nur noch gesimst. Das hat uns genervt.“ Die ersten drei Slogans entstanden als scherzhafte Begrüßung im Freundeskreis. Neben Aufmerksamkeit für das Thema erzeugten sie auch Lacher – daran wollten sie die Gesellschaft teilhaben lassen.

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Nach jahrelangem Verzicht besitzt Flügel heute doch selbst ein Smartphone. Bei manchen Fluggesellschaften könne man nur noch digital auf sein Ticket zugreifen. „Daran merkt man, wie selbstverständlich der Besitz eines Smartphones heutzutage ist.” Benno Flügels übergeordnetes Ziel bleibt wie im Manifest von 2017 niedergeschrieben, das Smartphone zu einem „nützlichen Hilfsmittel zur Bewältigung des Alltags, mit dem wir Zeit sparen und nicht verschwenden” zu machen.

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