Konzertkritik
Angus und Julia Stone im Stadtpark: Der perfekte Sound für den perfekten Sommerabend
Die Folkpop-Geschwister Angus und Julia Stone verzaubern den Stadtpark – trotz Juni-Hitze. Sie zeigen, dass sie eine ganz besondere Kunst beherrschen.
Wer ist denn so verrückt, an einem der heißesten Tage des Jahres auf ein Open-Air-Konzert zu gehen? Nun: Weit mehr als 3000 Menschen. Und die Songwriter-Geschwister Angus und Julia Stone. Glücklicherweise liegt das Stadtpark-Rund am Freitagabend im Schatten, der hohen Bäume sei Dank.
Der Veranstalter hat zur Sicherheit aber auch die Regeln gelockert: Trinkflaschen bis zu einem halben Liter durften mit reingenommen werden. Und vor der Bühne verteilen die freundlichen Security-Leute zwischendurch Wasser an die Fans. Es ist also sehr warm, ja, aber unter diesen Umständen gut erträglich.
Angus und Julia Stone im Stadtpark: Musik fürs Herz und ohne Kitsch
Das Publikum war schlau und hat sich leicht und luftig gekleidet – fast so leicht und luftig, wie die Musik der Band klingt. Könnte man schreiben, wäre korrekt, aber schon auch kitschig. Und das geht eigentlich nicht, denn Angus und Julia Stone beherrschen eine seltene Kunst: Musik zu machen, die direkt aufs Herz zielt, ohne dabei jemals in den Kitsch abzugleiten.
Die gut gelaunte Julia steht da im kurzen Latzkleid, mit herziger Schleife im Haar. Bruder Angus hingegen im kompletten Anzug, bis oben zugeknöpft. Aber gut, so einen Australier kann ein bisschen deutscher Sommer vermutlich nicht schocken. Ein bisschen spiegeln die Outfits aber auch die Persönlichkeiten der beiden wider: Julia übernimmt den Hauptteil der Plauderei mit dem Publikum und scheint sich auf der großen Bühne pudelwohl zu fühlen. Angus ist nicht weniger charmant, aber deutlich schüchterner. Stimmen zum Dahinschmelzen haben sie beide – und wenn sie im Duett singen, ist kurzzeitig alles andere egal, so herrlich ist das. Schon während der ersten paar Songs greift Julia Stone nacheinander zur Trompete, zur Mundharmonika und zum Tambourin. Sehr, sehr schön klingt das alles.
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Auf dem Programm stehen ein paar alte Schätzchen wie „Nothing Else“ oder „Just A Boy“, aber auch zwei brandneue Stücke („Monroe“ und „Karaoke Bar“ vom gleichnamigen Album, das im September erscheint). Ein zauberschönes Sam-Smith-Cover, „Stay With Me“, bei dem das Publikum fleißig mitsingt – und dafür von Julia lieb gelobt wird. Und gegen Ende ein paar der Herzens-Hits, „Big Jet Plane“ oder „Chateau“, die vom Publikum sofort mit lautem Jubel quittiert werden.
Knutschereien im Publikum
Zwischendurch machen sich die beiden Stones immer wieder überschwängliche Komplimente, was möglicherweise anwesende Geschwister vielleicht ihr bisheriges Miteinander in Frage stellen lässt. Aber die meisten Anwesenden hier liegen sich knutschend in den Armen – und sind deshalb hoffentlich eher nicht miteinander verwandt.
Eine Zugabe gibt es noch, dann ist das Publikum entlassen. „Was für ein schöner Abend“, seufzt Julia Stone ins Mikro. Recht hat sie. Und dann gehen alle duschen.
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