AMG-Todesraser, Drogenkönig, Pannen-EKZ: Diese Fälle bewegen Hamburg weiter

Verkehrsunfall HH Jungfernstieg
Der AMG hinterließ eine Schneise der Verwüstung auf dem Jungfernstieg.

Zwischen all dem Trubel der Großstadt gab es auch im vergangenen Jahr wieder Geschichten, die man nicht so einfach vergessen konnte. Sie waren erschreckend, unglaublich oder beängstigend – dazu gehörte der folgenschwere Unfall Anfang Juli am Jungfernstieg, bei dem Familienvater Thomas B. aus dem Leben gerissen wurde. Oder die dramatische Entführung der Kinder von Steakhouse-Tochter Christina Block, mit der das vergangene Jahr startete. Auch nicht zu vergessen sind zähe XL-Bauvorhaben in Hamburg, wie das neue Einkaufszentrum in der HafenCity oder vermutliche Auftragsmorde mitten in der Neustadt. Hier erfahren Sie den neuesten Stand.

Entführung der Kinder von Christina Block

Es passierte in der Silvesternacht von 2023 auf 2024. Kurz nach Neujahr gipfelte der Rosenkrieg zwischen Christina Block (51, Steakhaus-Kette „Block House“) und Ex-Mann Stephan Hensel (50, waren von 2005 bis 2018 verheiratet) im bisher traurigsten Höhepunkt: als Hensel, der sich das Feuerwerk mit seiner Tochter (damals 13) und seinem Sohn (damals 10) im dänischen Gravenstein anschaute, von Unbekannten angegriffen wurde.

Block
Stephan Hensel und Christina Block 2011 mit ihren älteren Töchtern (heute 15 und 17).

Die Kinder wurden verschleppt, tauchten wenige Tage später in Hamburg bei der Mutter auf. Das Oberlandesgericht Hamburg entschied jedoch, dass die Kinder zu ihrem Vater nach Dänemark zurückgebracht werden sollten.

Im September gelang Zielfahndern dann der Zugriff. Auf Zypern nahmen sie einen 35-jährigen Mann fest, der sowohl die israelische als auch die portugiesische Staatsangehörigkeit besitzt. Im November wurde der Verdächtige nach Hamburg gebracht, sitzt seitdem in U-Haft „Die Ermittlungen dauern noch an, der Festgenommene befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft“, bestätigt eine Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft gegenüber der MOPO.

Der AMG-Unfall am Jungfernstieg

Es passierte am 2. Juli, am Vormittag. Ein auffällig schnell fahrender Mercedes-SUV rast über den Ballindamm. Kurz vor dem Jungfernstieg verliert der zum damaligen Zeitpunkt 18-jährige Fahrer Giuliano B. die Kontrolle über den 612 PS starken AMG. Er brettert über den Fußweg auf die Haspa-Filiale am Jungfernstieg zu. Der Wagen rammt schwere Blumenkübel, Stühle und Tische zur Seite, fährt ungebremst auf einen vor der Haspa parkenden Transporter auf. Der weiße Lieferwagen schießt durch die Wucht des Aufpralls mehrere Meter nach vorne – und tötet auf diese Weise den 39-jährigen Familienvater Thomas B., der gerade auf dem Weg zur Arbeit war.

Unfall Jungfernstieg
Die Unfallstelle an der Ecke Jungfernstieg/Reesendamm. Der Mercedes AMG GLE 63S (l.) ist mit voller Wucht in den Transporter (r.) gekracht.

Der Schock und gleichzeitig die Anteilnahme der Hamburger ist riesig, es gehen mehr als 100.000 Euro an Spenden für Witwe Simone (37) und Sohn Fynn (4) ein. Dem Fahranfänger wurde umgehend der Führerschein entzogen. Staatsanwaltssprecherin Mia Sperling-Karstens: „Die Bewertung der Untersuchungsergebnisse dauert an, es liegt noch keine Abschlussentscheidung vor.“

Hamburgs Drogentaxi-König

Er hat sich bereits aus Deutschland abgesetzt, doch sein Name ist bei der Hamburger Justiz immer noch brandaktuell: Mansour Ismail (30) aus dem Osdorfer Born ist einer der meistgesuchten Verbrecher Europas. Er soll für mehrere Auftragsmorde in Hamburg verantwortlich sein. 5000 Euro sind für Hinweise ausgesetzt, die zu seiner Ergreifung führen.

Mansour Ismail wird per internationalem Haftbefehl gesucht
Drogenboss Mansour Ismail wird mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Schon früh baute sich der Hamburger mit ägyptischen Wurzeln sein Dealer-Imperium auf, vor allem mit sogenannten Drogentaxis. Auf diese Weise soll Ismail schon als junger Erwachsener Millionen verdient haben. Zuletzt wurden drei Männer im Juli 2024 ins Gefängnis geschickt, die für Ismail in Hamburg Drogengeschäfte abgewickelt haben, dafür teilweise aus den Bahamas eingeflogen wurden.

Das Einkaufszentrum von Westfield

Wird das Überseequartier je fertig? Das geplante Einkaufszentrum in der HafenCity war nie ein Selbstläufer: Während der Bau des nördlichen Teils 2010 abgeschlossen war, ruhten die Bauarbeiten im südlichen Teil seit 2011. 2014 verkündete der damalige Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) dann Unibail-Rodamco-Westfield (URW) als neuen Investor – und hatte diesem doppelt so viel Einzelhandelsfläche zugestanden wie ursprünglich geplant.

Neues Überseequartier
Das Überseequartier in der HafenCity: 170 Geschäfte, 8000 Arbeitsplätze, 40 Gastro-Betriebe, drei Hotels und 520 Wohnungen entstehen hier.

Die Baustelle machte zuletzt vor allem wegen angeblicher Sicherheitsmängel Schlagzeilen. Im Oktober 2023 war zudem ein Gerüst zusammengekracht, fünf albanische Bauarbeiter starben, sie sollen als Schwarzarbeiter beschäftigt gewesen sein. Im September 2024 verschob URW erneut den Eröffnungstermin. Laut einer Sprecherin peilt das Unternehmen die Eröffnung Ende des ersten Quartals 2025 an.

Die Ermittlungen zum Auftragsmord

Es ist eine Szene wie aus einem „Tatort“-Krimi: Nah beim Hamburger Michel, im Herrengraben (Neustadt), wird der wohlhabende Unternehmer Florian B. (†31) abends am 20. Oktober im Hauseingang erschossen. Er kam vom Sport, hatte noch seine Mutter am Handy, als er von hinten angesprochen wird. Drei Schüsse töten den aus Reinbek stammenden Mann. Die Hamburger Staatsanwaltschaft erklärt später, dass einiges für eine vorsätzliche Tat und ein geplantes Vorgehen spreche.

Vor der Treppenhaustür von Florian B. haben Freunde des Opfers Blumen niedergelegt.
Vor der Treppenhaustür von Florian B. haben Freunde des Opfers Blumen niedergelegt.

Der umtriebige Geschäftsmann wurde 2018 wegen des „vorsätzlichen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit vorsätzlicher unerlaubter Abgabe von Betäubungsmitteln“ zu fast drei Jahren Haft verurteilt. Ob es sich um einen Racheakt innerhalb des Drogenmilieus handelt, ist nicht geklärt. Auf die Auslobung von 5000 Euro sind bislang keine Hinweise eingegangen. Die Ermittlungen dauern an.

Die Todesfahrt mit dem Tesla

Unfassbare 175 km/h soll der Tesla auf der Uhr gehabt haben, mit dem ein 22-Jähriger am Abend des 26. August den Schiffbeker Weg Richtung Billstedt entlangjagte. 125 km/h zu schnell! Parallel zum Elektro-Raser fährt ein ebenfalls viel zu schneller Mercedes, am Steuer sitzt ein 24-Jähriger. An der Ecke zum Sturmvogelweg passiert das Unglück, als ein silbergrauer Familienvan auf den Schiffbeker Weg einbiegt. Die mutmaßlichen Raser können nicht mehr bremsen, kollidieren mit dem Wagen, in dem eine Mutter (40) mit ihren Zwillingsjungs (2) sitzt.

Schrecklicher Unfall auf dem Schiffbeker Weg in Billstedt! Acht Menschen werden teils schwer verletzt – darunter ein zweijähriges Kleinkind, das noch vor Ort reanimiert wurde.
Im August starb ein Kleinkind bei einem Raserunfall auf dem Schiffbeker Weg.

Alle drei werden schwer verletzt, einer der kleinen Jungs schafft es nicht und verstirbt im Krankenhaus. Die beiden Fahrer sitzen wegen des Verdachts eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens mit Todesfolge seit dem 27. August in Untersuchungshaft. Wie Tests ergaben, ist der Tesla-Fahrer auf Koks gefahren, beim anderen Verdächtigen bestand ebenfalls der Verdacht auf Drogenkonsum. Die Ermittlungen laufen.

Das Abschiebe-Drama um die kolumbianischen Pfleger

Einem Pflegeheim in Wilstedt bei Bremen droht das Aus, weil insgesamt zehn kolumbianische Pflegehelfer abgeschoben werden sollen. Diese sind keine Fachkräfte, sondern angelernte Hilfskräfte. Die Männer und Frauen werden deshalb jetzt zu Pflegeassistenten, Pflegefachkräften und einer auch zum Koch ausgebildet, um so einen Aufenthaltstitel zu erhalten. Heimleiter Tino Wohlmacher versucht alles, um seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu halten: „Wir brauchen die Unterstützung aus Kolumbien unbedingt. Ohne sie müsste das Pflegeheim vielleicht sogar schließen.“

Pflegekräfte Haus Wilstedt
Den kolumbianischen Pflegekräften in Haus Wilstedt droht die Abschiebung.

Niedersachsen appelliert seit einiger Zeit schon, eine Visumspflicht für Kolumbien einzuführen. Laut Ministerium gibt es aber die Möglichkeit, als Fachkraft aus Kolumbien über Arbeitsverträge einzuwandern. Die von Angehörigen der Pflegeheimbewohner gestartete Petition gegen die Abschiebung hat bereits mehr als 88.000 Unterschriften gesammelt. Es bleibt also Hoffnung.

Die „Strafkolonne“ bei der Stadtreinigung

Mega-Zoff bei der Hamburger Stadtreinigung (SRH): Nach Einführung der sogenannten ZBE-Flex, was eine Einheit flexibel eingesetzter Reinigungsmitarbeiter meint, gab es einen Aufstand der Belegschaft. Mitarbeiter meldeten sich voller Wut und Frust bei der MOPO. Intern wird die seit Mai 2024 erweiterte Truppe als „Strafkolonne“ empfunden, wo vor allem Mitarbeitende eingesetzt werden, die viele Krankentage aufweisen und schwierig im Umgang seien.

In der Unternehmensleitung wird der Gegenwind der ausgesuchten Mitarbeiter allerdings als nicht besonders stark empfunden. „Eine außergewöhnliche Beschwerdelage“ könne man nicht feststellen, so ein Unternehmenssprecher. Die ZBE sei „als wichtiger und wesentlicher Bestandteil der SRH bei einem Großteil der Mitarbeitenden anerkannt.“