AMG-Raser muss nach tödlichem Unfall ins Gefängnis – Einsicht sieht anders aus
Dreieinhalb Jahre ist der schreckliche Unfall bereits her, doch Trauer und Schmerz seien in diesem Prozess in jedem Moment spürbar gewesen, so der Richter. An Weihnachten 2019 verlor die damals 20 Jahre alte Julia K. bei einem Leitplanken-Crash in Finkenwerder ihr Leben. Mit im Auto: Zwillingsschwester Antonia, die nur knapp überlebte. Am Steuer: Ömer O. (28), ein notorischer Raser, der bei deutlich überhöhtem Tempo die Kontrolle über den 570 PS starken Mercedes-AMG verlor. Nun ist das Urteil gegen ihn gefallen.
Für die nächsten 18 Monate muss O. wegen fahrlässiger Tötung ins Gefängnis, ohne Bewährung. „Alles andere wäre für das Rechtsempfinden der Bevölkerung völlig unverständlich“, sagte der Richter am Landgericht und begründete seine Entscheidung unter anderem damit, dass der Angeklagte „offenbar aus der Tat wenig gelernt hat“.
Er meinte damit das unveränderte Fahrverhalten des 28-Jährigen, der nach der Tat, sobald er nach seiner Genesung wieder fahren konnte, sechs Mal geblitzt wurde, einmal mit 40 km/h über dem Limit. „Eine hochriskante Fahrweise“, so der Richter weiter. Die Staatsanwaltschaft hatte mindestens zwei Jahre Haft gefordert.
Geschwindigkeitsverstöße sind „völlig normal“
O. hatte wiederholt beteuert, dass sich sein Leben verändert habe, er ebenfalls unter den Folgen des Unfalls leide. In Hinblick auf seine Fahrverstöße hat ihm das der Richter offensichtlich nicht abgekauft. O. erklärte, dass Geschwindigkeitsverstöße „völlig normal“ seien und ab und an vorkommen.
Der Angeklagte und die Zwillingsschwestern kannten sich gut. Vor allem zu Antonia K. pflegte er eine Freundschaft, heute blocke sie jeglichen Kontakt ab, hatte Ömer O. im Laufe des Prozesses gesagt. Bei ihrer Befragung sagte der Anwalt, dass sein Mandant versucht habe, Kontakt zur Familie K. aufzunehmen, um sich zu entschuldigen. Weil ihm das aber verwehrt geblieben sei, wolle er dies vor Gericht nachholen. „Das kann er jetzt auch lassen“, sagte Antonia K. Und als O. trotzdem anfangen wollte, ergänzte sie: „Halt‘ bitte einfach deine Fresse, okay?“
Sie hatten besagten Abend zusammen verbracht, mit Freunden an verschiedenen Orten in Finkenwerder gefeiert. In der Nacht wollte Julia K. dann nach Hause, weil sie plötzlich sehr müde war, wie ihre Schwester erzählte. Die Zwillinge fragten Ömer O., ob er sie nach Hause fahren könne. Er habe eingewilligt, zuerst eine andere Freundin gefahren, danach sie.
Das passierte kurz vor dem Unfall
Auf der Fahrt kam es zu einem Disput: O. habe laut Antonia K. gestoppt, um ein Feuerzeug zu suchen, was sie als „unnötig“ empfand, weil sie ihm schon vorher gesagt habe, dass sie kein Feuerzeug habe. Ömer O. sei dann „mit einem lauten Geräusch, vielleicht auch quietschenden Reifen“ angefahren. Kurz darauf kam es zum Unfall: Der AMG kam von der Straße ab, krachte in eine Leitplanke.
In die Bewertung des Richters flossen auch die Erkenntnisse des Gutachters ein, der am Unfallabend der Polizei bei der Aufnahme des Unfalls half und diesen rekonstruierte. Danach habe O. den AMG mit 105 Stundenkilometern gegen die Planke gelenkt, erlaubt waren aber nur 50.
Außerdem seien die Reifen total abgefahren gewesen, das hätte den Unfall auf der regennassen Fahrbahn zusätzlich begünstigt. Der Gutachter ergänzte zum Reifenprofil: „So etwas habe ich in meiner Laufbahn noch nicht gesehen. Die Reifen deuten auf eine geradezu notorische Raserei hin.“
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Der Richter wandte sich bei seiner Urteilsverkündung direkt an die Angehörigen der jungen Frau, die den Prozess geschlossen in großer Runde verfolgten. „Es gibt keine Strafe, die ihrer Trauer und ihrem Schmerz angemessen ist.“
Die letzten Worte vor Gericht von Ömer O., der zum Zeitpunkt des Unfalls leicht alkoholisiert gewesen sein soll und bereits vorbestraft ist, waren: „Ich möchte mich noch mal für alles, was passiert ist, entschuldigen. Es tut mir leid.“