Altonas Problem-Brache vor der Wende: Das plant Hamburg jetzt mit dem Holsten-Areal

Das Gelände der ehemaligen Holsten-Brauerei in Altona liegt immer noch brach.
Das Gelände der ehemaligen Holsten-Brauerei in Altona liegt immer noch brach.

Das Holsten-Areal in Altona-Nord gilt als ein Musterbeispiel für Spekulation: Seit Jahren liegt das Gelände brach und ging durch verschiedene Hände, während der Grundstückspreis in die Höhe ging – ohne dass dort jemals gebaut wurde. Und auch der jetzige Eigentümer, die Adler Group, will das ehemalige Gelände der Holsten-Brauerei teuer verkaufen. Nachdem zuletzt bekannt wurde, dass die städtische Wohnbaugesellschaft SAGA und die Immobiliengruppe Quantum exklusiv mit Adler verhandeln, gibt es jetzt neue Details zu den potenziellen Wohnungen und historischen Gebäuden.

Mithat Çapar, SPD-Bürgerschaftsabgeordneter aus Altona, ist optimistisch: „Mit der SAGA endet die Hängepartie“, sagt er der MOPO. „Jetzt wird aus der Brache ein lebendiges Stadtquartier statt einer Dauerbaustelle.“ Mitte Juli hatten SAGA und Quantum offiziell bekannt gegeben, exklusiv mit Adler über den Verkauf des Grundstücks zu verhandeln.

Holsten-Areal: Wie geht es weiter auf dem Grundstück?

Çapars neue Schriftliche Kleine Anfrage an den Senat zeigt, dass es allerdings auch nach Ende der Verhandlungen und Unterschreibung des Kaufvertrags nicht direkt losgehen kann auf dem Grundstück: Denn dann muss laut Senat erst einmal das Bebauungsplanverfahren wieder aufgenommen und die öffentlichen Träger beteiligt werden. Allein das könne ein Jahr oder länger in Anspruch nehmen, heißt es.

Das rund 8,6 Hektar große Gelände liegt zwischen Holstenstraße, Haubachstraße, Vereinsweg, Gerichtstraße und Harkortstraße. 2016 war es von Carlsberg an die Düsseldorfer Gerchgroup verkauft worden und ging dann durch mehrere Hände, bevor die Adler Group es 2019 übernahm. Die wollte dort bis 2027 eigentlich rund 1200 Wohnungen bauen, davon 365 öffentlich gefördert. Außerdem sollte es Kitas, Geschäfte, Büros, ein Hotel und einen Handwerkerhof geben. Doch aus dem sogenannten „Holsten Quartier“ sollte nichts werden, nachdem Adler in finanzielle Schwierigkeiten rutschte.

SAGA möchte mehr geförderte Wohnungen auf Holsten-Areal

Ob und wenn ja wie diese Planungen unter SAGA und Quantum erhalten bleiben, steht noch nicht fest. Aus Çapars Anfrage geht aber hervor, dass die SAGA den Anteil der öffentlich geförderten Wohnungen erhöhen möchte. „Vor dem Hintergrund des großen Bedarfs an bezahlbarem Wohnraum steht der Senat dem positiv gegenüber“, heißt es.

Das Areal der früheren Holsten-Brauerei nahe dem Bahnhof Holstenstraße.
Das Areal der früheren Holsten-Brauerei nahe dem Bahnhof Holstenstraße.

Vieles wurde bereits vor Jahren abgerissen, doch ein paar historische Gebäude stehen noch. Die Anwohnerinitiative „Knallt am Dollsten“ und der Denkmalschutzverein haben allerdings Sorge, dass die SAGA und Quantum diese abreißen wollen, und starteten daraufhin vor kurzem eine neue Petition. Jetzt stellt der Senat klar, dass Teile der Schwankhalle, das Malzsilo, das Sudhaus und der Juliusturm wie bereits 2022 vereinbart, weiterhin erhalten bleiben sollen. „Und vielleicht kommen noch mehr Altbauten hinzu“, sagt Çapar.

Das Holsten-Areal ist übrigens nicht das einzige Wohnungsprojekt, das die SAGA und Quantum gemeinsam übernehmen: Ende 2024 hatte sich das Konsortium bereits das Paloma-Viertel auf St. Pauli gesichert, das ihm vom vorherigen Eigentümer plötzlich zum Kauf angeboten worden war. Die im Jahr 2015 vorgestellten Pläne für das Grundstück mitten auf dem Kiez wurden nach Kaufabschluss allerdings verändert: Die Zahl der Wohnungen sank von 200 auf 164, dafür verdoppelte sich die Größe des Hotels fast von 180 auf 350 Zimmer. Das öffentliche Dach mit Kletterfassade, Gärten und Skateboard-Fläche fällt komplett weg – sehr zum Ärger der Anwohner-Initiativen. Dafür werden alle Wohnungen öffentlich gefördert sein.