Altonas neuer Chef über Parkplätze, das Holstenquartier und Gemecker

Sebastian Kloth steht in vertäfeltem Treppenhaus
Altonas neuer Bezirksamtschef Sebastian Kloth (44)

Seit zwei Monaten ist er der Chef im Bezirk Altona: Dr. Sebastian Kloth (44), jüngster Bezirksamtschef Hamburgs – und der einzige Grüne. Bevor Grüne, SPD und CDU ihn in der Bezirksversammlung ins Amt wählten, war Kloth jahrelang Baudezernent. Die MOPO sprach mit dem neuen „Bürgermeister von Altona“ über …

… die ersten drei Begriffe, die ihm zu Altona einfallen

Der Klövensteen, der Elbstrand und der Volkspark. Ich bin Jogger und Radfahrer, ich mag es draußen zu sein. Noch etwas: Altona ist lautstark, da haben viele Menschen eine Stimme und das finde ich gut, damit kann man arbeiten.

… die niedrige Zahl an fertiggestellten Wohnungen in Altona im Vergleich zu anderen Bezirken im Jahr 2024

In Altona haben wir keine grüne Wiese, auf die wir etwas bauen können, das heißt, die Genehmigungen für größere Bauvorhaben brauchen mehr Zeit. Und wenn es dann noch Widerstand in der Nachbarschaft gibt, muss man auch dafür gute Antworten finden. Aber die Zahl der Genehmigungen ist bereits wieder gestiegen – von 600 im vergangenen Jahr auf fast 900 in diesem Jahr. Wann der Bauherr baut, liegt dann aber nicht mehr in unserer Hand.

Das denkt Altonas Bezirkschef Sebastian Kloth über das Holstenquartier

… die späteren Mieten im Holstenquartier, die bereits 2019 seitens des Bezirksamtes auf 18 Euro kalt geschätzt wurden, angesichts der hohen Baukosten

Der Vorhabenträger Quantum hat die ersten Entwürfe kürzlich in nicht öffentlicher Sitzung der Politik vorgestellt, und zugesagt, dass 50 Prozent geförderter Wohnraum wird, zusammen mit der SAGA. Das Angebot liegt also über dem Drittelmix, es kommt aber darauf an, wie viele Wohnungen nach deren Vorstellungen dort errichtet werden sollen und ob das so tragfähig wäre. Am Ende werden wir es in einem städtebaulichen Vertrag festhalten.

Das Gelände der ehemaligen Holsten-Brauerei in Altona liegt immer noch brach.
Das Gelände der ehemaligen Holsten-Brauerei in Altona liegt immer noch brach.

… sein Streben nach Konsens

Mein Stil ist es, Leute an einen Tisch zu bringen. Ich finde, man muss zuhören, denn eine Tür, die zu ist, geht nur schwer wieder auf. Im Baubereich ist das Stichwort „Antragskonferenz“: Da setzen sich Vorhabenträger, Generalunternehmer, Investor und Behördenvertreter an einen Tisch und stehen erst auf, wenn man für die Knackpunkte im Bebauungsplan schon mal Kompromisse vereinbart hat. Das erste Mal haben wir das bei dem Bauvorhaben der SAGA auf dem ehemaligen Selgros-Gelände jetzt so gehandhabt. Mit Erfolg: Das haben wir in einem Jahr zur Vorweggenehmigungsreife bekommen, 2026 geht’s los.

… seine Rolle als „Bürgermeister von Altona“

Altona hat 280.000 Einwohner, das ist anderswo schon eine Großstadt und ein Bezirksamtschef ist schon so eine Art Bürgermeister. Wir haben reiche und weniger reiche Viertel, wir haben Grün und Wasser, eigentlich sind wir wie Hamburg im Kleinen.

Die WochenMOPO – ab Freitag neu und überall, wo es Zeitungen gibt!

Diese Woche u.a. mit diesen Themen:

  • U-Bahn-Mord: Geschichte eines sinnlosen Todes

  • Block-Prozess: Wird der Patriarch doch noch angeklagt?

  • Streit um Haus-Sanierung: Erst Leerstand, jetzt Brandstiftung

  • Große Rätselbeilage: Knobelspaß für jeden Tag

  • 16 Seiten Sport: Der große Transfer-Check & Khedira schwärmt vom neuen HSV

  • 28 Seiten Plan 7: Opern-Horror mit Donald Trump, Hype um Rap-Star Apache 207 & Ideen für Wochenendtrips

… das Projekt „Freiraum Ottensen“ und die Abstriche, die die Autofahrer für das „autoarme Quartier“ erstritten haben

Ich es finde richtig, dass man geguckt hat, wie die Autofahrer eingebunden werden können. Wer sind wir denn, dass wir Menschen zwingen, so zu leben, wie wir es uns auf dem Papier ausgedacht haben? So, wie es jetzt geplant ist, kann es funktionieren und dass es jetzt losgeht mit dem Umbau, ist gut. Es nervt die Menschen und auch mich, wenn etwas ewig wabert und nicht zu einem Ende kommt. Das wird schon ein großer baulicher Eingriff sein, aber am Ende wird es sich gelohnt haben.

… Altonas von Baustellen geplagte Bürger

Verstehe ich sehr gut. Ich wohne ja in Bergedorf und bin selbst genervt, wie lange man mit dem Auto von A nach B braucht: 20 Kilometer und ich brauche mit dem Auto eine Stunde. Das Auto nehme ich nur, wenn ich etwas zu transportieren habe, neulich etwa eine Pflanze, die bei mir im Büro überwintern soll. Wir versuchen, unsere Baustellen abzustimmen, aber vieles liegt auch gar nicht in unserer Verantwortung. Gesperrte Brücken etwa.

… die Klagen wegen wegfallender Parkplätze

Ich finde das Moratorium des Bürgermeisters richtig. Die Planungen sind ja viel schwieriger geworden, Fußgänger und Radfahrer sollen mehr Platz bekommen, die Straßenbäume sollen bleiben und da ist es für die Planer dann am einfachsten, die Parkplätze wegzunehmen. Das kann es aber auch nicht sein, so viele Autofahrende wie wir in Hamburg haben.

Altonas Bezirkschef über den historischen Bahnhof

… die Idee, den historischen Altonaer Bahnhof wieder aufzubauen

Ich bin ja ein Fan von alten Gebäuden, aber in dem Fall kann man mit dem Alten das Neue nicht bedienen, allein schon wegen des großen Busbahnhofs, der dort entstehen soll. Aber man kann natürlich schauen, dass man ein bisschen mehr „Altona“ in das Bahnhofsgebäude bringt, da ist schon Luft nach oben.

Altonaer Bahnhof
Ein Foto aus den 1950er Jahren: der Altonaer Bahnhof.

… eine Bar auf dem „Parkhaus des Grauens“ am Bahnhof Altona

Eine schöne Bar ganz oben, mit Blick über ganz Altona, das wäre natürlich toll, aber das ist ein altes Parkhaus und wenn was passiert, kriegen wir die Menschen da nicht raus. Solange dafür keiner eine Lösung findet, bleibt es wohl nur ein Traum.

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… die allgemeine Meckerfreudigkeit der Altonaer

In Teilen kann ich die Beschwerden ja nachvollziehen, aber nur Meckern, das ist nichts für mich. Ich bin ja sehr für das demokratische Element und gehe gerne ins Gespräch: Was kann man an der Stelle besser machen? Dass alles bleibt, wie es ist, das geht in Städten halt nicht, es wandelt sich immer alles. Manchmal, wie etwa beim A7-Deckel, muss man aber auch einfach durch eine harte Zeit durch und danach hat man an der Stelle etwas Tolles. Wohnungen oder einen Park. Oder mehr Parkplätze durch das Anwohnerparken. Mich nervt nur, wenn vorher nichts gesagt wird, und nach der Entscheidung kommt Gemecker.

… die Verödung der Schanze

Die Schanze hat sich ja immer gewandelt und sie ist nie gestorben. Mein Friseur ist da und auch der sagt: Das war schon immer so, dass neue Läden kommen. Die steigenden Mieten, die sind tatsächlich ein Problem, da kann der Bezirk aber wenig tun. Wir werden jetzt einen Nachtbeauftragten einführen, um den Lärmbeschwerden der Anwohner zu begegnen, ohne die Außengastronomie im Wohngebiet zu vertreiben.

… eine Surferwelle am Fischereihafen

So etwas könnte ein Gewinn sein, da würde der Bezirk sich nicht sperren, aber noch hat der Vorhabenträger vieles nicht geklärt, etwa das Problem, dass das Becken zweimal am Tag trockenfällt.

Floating Wave
Surfen direkt an der Elbe: Im Fischereihafen Altona soll eine künstliche Surfwelle entstehen.

… seinen „Dr. Phil“

Ich habe Politik und Soziologie an der Philosophischen Fakultät in Münster studiert und über „Fremdheitskonstruktionen in politischen Entscheidungsprozessen“ promoviert, am Beispiel der Islamkonferenz. Das ist gar nicht so weit weg von dem, was ich heute mache. Philosophisch halte ich es mit Jürgen Habermas und seinem „Markt der Möglichkeiten“, da geht es darum, über alles zu sprechen. Es ist ein Ideal, das man nicht erreichen kann, aber versuchen kann man es.