Anwar Hashimi (l) und Shahrbanoo Sadat in einer Szene des Films "No Good Men"

Eröffnungsfilm der Berlinale: Anwar Hashimi (l.) und Shahrbanoo Sadat in einer Szene des Films „No Good Men“ Foto: dpa

„Was für eine tolle Nachricht!“ Hamburger Regisseurin eröffnet Berlinale

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Vom Afghanistan auf den roten Teppich: Die Hamburger Regisseurin Shahrbanoo Sadat stammt aus einem kleinen Dorf ohne Elektrizität. Jetzt eröffnet die 35-Jährige mit bewegter Fluchtgeschichte die Berlinale.

Shahrbanoo Sadat lebt und arbeitet seit ihrer Evakuierung aus Afghanistan im August 2021 in Hamburg. Dass sie einmal die neben Cannes und Venedig zu den großen Filmfestivals zählende Berlinale eröffnen würde, hätte die 35-Jährige sich vor ein paar Jahren nicht träumen lassen.

Hamburger Regisseurin Shahrbanoo Sadat eröffnet die Berlinale am 12. Februar

Doch wenn ihr Film „No Good Men“ am 12. Februar in Berlin über die Leinwand flattert, dann zeigt Sadat, dass sie ihre Heimat noch immer im Herzen trägt. Die Komödie erzählt von der einzigen Kamerafrau bei Kabul TV, die überzeugt ist, dass es in Afghanistan keine guten Männer gibt. Kurz vor der Rückkehr der Taliban begleitet sie einen Reporter auf einen Außeneinsatz – und plötzlich sprühen die Funken. Der Auftaktfilm, der an verschiedenen Orten in Deutschland gedreht wurde, soll im Sommer ins Kino kommen.

Für Shahrbanoo Sadat war es ein weiter Weg bis zu diesem Erfolg. Geboren wurde sie 1990 in Teheran als Tochter afghanischer Flüchtlinge. Als sie elf Jahre alt war, zog ihre Familie von der iranischen Millionenmetropole zurück in ein abgelegenes Dorf im Zentrum Afghanistans, wo es keine Elektrizität, kein Telefon und keine Schule für sie gab.

Regisseurin Shahrbanoo Sadat verbrachte ihre Kindheit in einem afghanischen Dorf ohne Elektrizität

Zu Fuß musste Shahrbanoo Sadat jeden Tag zu einer drei Stunden entfernten Schule laufen. Nach sieben Jahren zog sie nach Kabul, um die Schule zu beenden. Dort drehte sie nach dem Besuch eines Workshops schon bald ihren ersten Kurzfilm, der es nach Cannes schaffte. Anschließend nahm ihre Film-Karriere ihren Lauf.

Paris, Kopenhagen, Hamburg – Shahrbanoo Sadat wurde vielfach nominiert und ausgezeichnet. Bis 2025 war sie Teilnehmerin des INTRO-Programms der Hamburger Behörde für Kultur und Medien. Das Programm fördert geflüchtete professionelle Künstler:innen in Hamburg, die nicht mehr in ihren Herkunftsländern arbeiten können.

Umso mehr freut sich Kultursenator Carsten Brosda über die Berlinale-Eröffnung durch die Hamburger Nachwuchs-Hoffnung. „Was für eine tolle Nachricht! Dass die diesjährige Berlinale mit einem Film von Shahrbanoo Sadat eröffnet wird, garantiert dem Festival einen großartigen Start”, so der SPD-Politiker. „Shahrbanoo Sadats künstlerisches Wirken ist geprägt von Mut, Kreativität und Leidenschaft. Sie nutzt die Kraft der Kunst, um bewegende Geschichten aus Afghanistan aus erster Hand zu erzählen. Die Entscheidung der Berlinale zeigt auch, dass Flucht nicht das Ende einer künstlerischen Karriere bedeuten muss.“

„Was für eine tolle Nachricht!“: Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda freut sich über Sadats Erfolg

Auch Helge Albers, Geschäftsführer der MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, freut sich: „Besser könnte die Berlinale kaum beginnen: Mit ‚No Good Men‘ eröffnet das Festival unter der Regie einer beeindruckenden Filmemacherin. Shahrbanoo Sadat hat bereits mit ihren früheren Werken gezeigt, wie eindrucksvoll sie Geschichten erzählt – und dass sie Hamburg als Ankerpunkt ihres kreativen Schaffens gewählt hat, ist für uns ein besonderes Highlight.“

„No Good Men“ wurde unter anderem in Hamburg gedreht. Dabei verwandelte Sadat die Stadtteile Wilhelmsburg und Rothenburgsort in die afghanische Hauptstadt Kabul. Das Drehbuch schrieb Sadat gemeinsam mit Anwar Hashimi, mit dem sie bei ihren früheren Projekten bereits zusammengearbeitet hat. Beide übernehmen in „No Good Men“ auch die Hauptrollen.

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Produziert wurde der Film von der Lübecker Produktionsfirma Adomeit Film. Neben „Wolf and Sheep“ und „Kabul Kinderheim“ ist auch Sadats neuer Film Teil einer geplanten fünfteiligen Reihe, inspiriert von Hashimis unveröffentlichtem autobiografischen Buch und Sadats eigenen Lebenserfahrungen. (ng)

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